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Wirtschaft

Heuschrecken oder Weiße Ritter? Die Osram-Übernahme

Der in Bedrängnis geratene Beleuchtungshersteller Osram sucht sein Heil bei zwei US-Finanzinvestoren. Fällt nun eines der bekanntesten deutschen Unternehmen in die Hände von Heuschrecken? Der Vorstand widerspricht.



Osram
Für die Angst, Osram könne in die Hände von Heuschrecken fallen, gibt es laut Chef Berlien keinen Anlass.   Foto: Matthias Balk

Die Chefetage des Beleuchtungsherstellers Osram wirbt für die Übernahme des Münchner Traditionsunternehmens durch zwei US-Finanzinvestoren.

Für die Aktionäre sei der angebotene Preis von knapp 3,4 Milliarden Euro «sehr attraktiv», sagte Vorstandschef Olaf Berlien am Freitag. Und für Osram und seine 26 000 Mitarbeiter bietet sich nach den Worten Berliens die Chance, Investitionen zu finanzieren, für die ansonsten kein Geld da wäre: «Wir haben Zugang zu Kapital, die wir heute nicht haben mit unserer Firepower.»

Die zwei Investoren Bain Capital und Carlyle betonten in ihrer Stellungnahme ebenfalls, dass sie «umfangreiche Investitionen in zukunftsweisende Technologien» tätigen wollten.

Sowohl Osram als auch die Amerikaner wissen natürlich, dass eine Übernahme durch Finanzinvestoren Ängste weckt: Fällt das Traditionsunternehmen, dessen Glühbirnen einst einen Großteil der deutschen Haushalte erleuchteten, in die Hände von Heuschrecken? Doch die Amerikaner wollen «Weiße Ritter» sein, die Osram zu einer besseren Zukunft verhelfen - nicht Resteverwerter, die angeschlagene Unternehmen ausschlachten.

Denn Osram hat ein Problem: Die von Berlien erwähnte finanzielle Feuerkraft nimmt ab. Im zweiten Quartal machte das Unternehmen 90 Millionen Euro Verlust.

Aber um technologisch an der Spitze zu bleiben, braucht Osram Geld für Investitionen. Die Beleuchtungstechnologie befindet sich in rasantem Wandel - und das erfordert hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung ebenso wie für die stete Modernisierung der Produktionsanlagen.

Der Markt jedoch ist ungnädig. Osram-Produkte erzeugen das Licht in Autoscheinwerfern und Smartphone-Displays, doch die weltweiten Autoverkaufszahlen sind ebenso gesunken wie der Smartphone-Absatz. Und zugleich gehen die Verkaufspreise für LEDs zurück, wie den Trendberichten der Branche zu entnehmen ist. So wundert es nicht, dass sich der Osram-Börsenkurs seit Anfang 2018 etwa halbiert hat.

Eigentlich gehen Unternehmen an die Börse, um sich zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Im Falle Osram sind Vorstand und Aufsichtsrat offenbar zu dem Ergebnis gekommen, dass der Kapitalmarkt für die nächsten Jahre eher hemmend als hilfreich wäre: Die Firma soll von der Börse genommen werden.

Bain Capital und Carlyle haben das notwendige Geld für Investitionen und Wachstum versprochen, auch wenn niemand konkrete Summen nennt.

Motiv eines Finanzinvestors ist immer die Wertsteigerung, auch die beiden US-Häuser bilden da keine Ausnahme. Doch beide Fonds pflegen ihre Beteiligungen mittelfristig zu halten, Berlien spricht von durchschnittlich fünf bis sieben Jahren. «Die Patente und Technologien bleiben bei uns», betonte der Manager.

Berlien betont, dass die zwei US-Unternehmen die Übernahme großenteils mit eigenem Geld finanzieren wollen und nicht auf Kredit: 2,6 Milliarden Euro steuerten Bain Capital und Carlyle selbst bei.

Damit handelt es sich nach den Worten des Osram-Chefs nicht um einen «klassischen leveraged buyout» - einen Unternehmenskauf auf Pump. Das ist die Praxis, die Übernahmen durch Finanzinvestoren in Verruf gebracht hat. Denn manche Fonds halsen den gekaperten Unternehmen anschließend ihre Schulden auf und versuchen, mit scharfen Renditevorgaben oder dem Verkauf in Einzelteilen ihren Schnitt zu machen. Bain Capital und Carlyle haben zugesichert, die Standorte zu erhalten und die Rechte der Arbeitnehmer zu respektieren.

Die Gewerkschaft IG Metall legt dementsprechend keinen Protest ein: «Daher wenden wir uns nicht gegen eine Übernahme durch die Finanzinvestoren und erwarten von ihnen und dem Vorstand, dass sie die getroffenen Verabredungen für einen Zukunftsdialog zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Arbeitsplätze einhalten», sagte Klaus Abel, Beauftragter für Osram und Aufsichtsratsvize.

Bis Anfang September haben die Aktionäre nun Zeit, das 3,4-Milliarden-Angebot anzunehmen. Doch klar ist: Eine dauerhafte Langfristlösung für Osram ist die Übernahme nicht. Läuft alles gut, wird Osram in ein paar Jahren besser dastehen als heute. Doch die Mitarbeiter werden wieder bangen müssen, wem Osram in Zukunft gehören wird.

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dpa

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Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
15:25 Uhr

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