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Wirtschaft

IWF empfiehlt Argentinien einen Schuldenschnitt

Der Internationale Währungsfonds glaubt nicht mehr daran, dass Südamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft aus eigener Kraft der Krise entkommt. Jetzt sollen die privaten Gläubiger bluten. Die Kredite des IWF hingegen wird Argentinien wohl vollständig zurückzahlen müssen.



Internationale Währungsfonds
Die Schulden des südamerikanischen Landes seien inzwischen angesichts eines fallenden Wechselkurses und einer steigender Zinslast auf fast 90 Prozent der Wirtschaftsleistung angewachsen, erklärt der IWF.   Foto: Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkt den Daumen über Argentinien: Der Fonds hält die Verbindlichkeiten des südamerikanischen Landes für nicht mehr tragbar und empfiehlt daher einen Schuldenschnitt.

Es brauche einen «bedeutenden Beitrag von privaten Gläubigern», um Argentiniens Verschuldung mit hoher Wahrscheinlichkeit langfristig vertretbar zu machen, teilte der IWF am Mittwoch in Washington (Ortszeit) mit.

Die Schulden Argentiniens seien inzwischen angesichts eines fallenden Wechselkurses und einer steigender Zinslast auf fast 90 Prozent der Wirtschaftsleistung angewachsen, erklärte der IWF. Um die Finanzsituation zu stabilisieren, müsste die Regierung die Ausgaben so drastisch zurückfahren, dass dies «weder wirtschaftlich noch politisch» möglich erscheine, hieß es weiter.

Die argentinische Regierung begrüßte die Mitteilung des IWF und sah sich in ihrer Forderung nach einem Verzicht der Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen bestätigt. «Wenn alle Seiten bereit sind, sich zu einigen, können wir wieder wachsen. Wir werden unsere Verpflichtungen einhalten und Argentinien wieder aufrichten», schrieb Präsident Alberto Fernández auf Twitter.

Wirtschaftsminister Martín Guzmán erklärte: «Wir sind überein gekommen, dass die Staatsverschuldung Argentiniens nicht mehr tragbar ist und restrukturiert werden muss, damit das Land wieder wachsen kann.»

Für die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas wäre es nicht der erste Schuldenschnitt. Nach der bisher schwersten Wirtschaftskrise des Landes 2001/2002 hatten die meisten privaten Schuldner in den Folgejahren auf bis zu 70 Prozent ihrer Forderungen verzichtet.

Der IWF machte zunächst keine detaillierten Angaben dazu, wie Argentinien seine Schulden dieses Mal restrukturieren sollte, sondern sprach zunächst nur von einer «definitiven Schuldenoperation». Die privaten Gläubiger sollten dabei eng eingebunden werden, um eine möglichst hohe Beteiligung an der Restrukturierung zu erreichen. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa werde die Situation am Wochenende auf dem G-20 Finanzministertreffen in Saudi-Arabien mit dem argentinischen Ressortchef Guzmán besprechen, hieß es weiter.

Argentinien steht allein bei privaten Gläubigern mit rund 113 Milliarden US-Dollar in der Kreide. Der IWF selbst hat dem Land den größten Kredit seiner Geschichte über 57 Milliarden Dollar gewährt. Erst vor wenigen Tagen forderte die argentinische Vizepräsidentin Cristina Kirchner, der IWF solle dem Land einen Teil der Schulden erlassen. Das ist allerdings schon allein wegen der Statuten des Fonds nicht möglich.

Vizepräsidentin Kirchner pflegt ein angespanntes Verhältnis zum IWF. Viele Argentinier machen den Fonds für die Staatspleite Anfang der 2000er Jahre verantwortlich. Kirchners Ehemann, der frühere Staatschef Néstor Kirchner (2003-2007), hatte während seiner Amtszeit die Beziehungen zu dem Fonds zunächst abgebrochen und den Schuldendienst eingestellt. Später ließ er allerdings alle IWF-Schulden zurückzahlen.

Argentinien befindet sich derzeit wieder in einer schweren Wirtschaftskrise, die Landeswährung Peso hat zuletzt deutlich an Wert verloren. Die Regierung hat dem IWF zufolge bereits Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die Rückzahlung ausstehender Schulden verzögert und das laufende Haushaltsdefizit durch die Zentralbank finanzieren lassen.

Seit 2018 steckt Argentinien in einer Rezession, die Inflationsrate lag im vergangenen Jahr bei 54 Prozent. Das Land leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht.

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dpa

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Veröffentlicht am:
20. 02. 2020
14:53 Uhr

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