Lade Login-Box.
Topthemen: VER SelbFotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Wirtschaft

Immer mehr verdienen im Ruhestand hinzu

Eine Aufgabe behalten, mal rauskommen, aber auch: ein paar Euro hinzuverdienen. Viele wollen sich nicht gleich ganz zur Ruhe setzen. Das kommt Unternehmen gelegen.



Arbeiten trotz Rente
Klaus David, Elektriker in Rente bei der Deutschen Bahn, prüft auf einer Lokomotive im Nürnberger Bahnwerk den Stromabnehmer.   Foto: Daniel Karman

Gelernt ist gelernt: Klaus David hat das Armaturenbrett einer Lok aufgeklappt, Kabel und Kontakte schauen heraus, David prüft die Spannung. Der Elektriker arbeitet an der Beleuchtung.

«Bis zu 250 Meter Kabel werden für die LED-Umrüstung einer solchen Lok verwendet», erklärt David im Nürnberger Bahnwerk. Er kennt die Fahrzeuge genau, arbeitet er doch schon seit 49 Jahren bei der Bahn. Eigentlich ist David längst im Ruhestand. Doch er macht weiter - so wie immer mehr Rentner in Deutschland.

Von der Jahrtausendwende bis 2018 stieg die Zahl der erwerbstätigen Rentner laut Bundesarbeitsministerium von 530.000 auf 1,445 Millionen. Jeder Zwölfte verdient sich heute im Ruhestand etwas hinzu.

Seit Anfang vorigen Jahres ist auch Klaus David Rentner. Doch an ein paar Tagen im Monat geht der 64-jährige weiter ins Werk, morgens um sechs. 24 Stunden macht er im Monat, rüstet an Fahrzeugen Beleuchtung und Klimaanlagen um, prüft Stromabnehmer. «In erster Linie ist es so, dass ich meine Rente aufstocken wollte», erklärt der gelernte Starkstromelektriker. Da kam es David gelegen, dass der Chef ihn bat weiterzumachen.

«Senior expert» nennt die Bahn rund 500 Kollegen, die als Rentner an Bord bleiben. Das Unternehmen will sich ihr Wissen und ihre Erfahrung länger sichern. Den Fachkräftemangel spürt nicht nur der Staatskonzern. Rentner springen für Bademeister in Freibädern ein, damit diese nicht schließen müssen. Sie tragen Zeitungen aus oder bleiben eben in ihren alten Jobs. Unter den Menschen mit 450-Euro-Jobs bilden Rentner laut Bundesagentur für Arbeit inzwischen die größte Gruppe.

In den ersten drei Jahren nach Rentenbeginn arbeitet noch fast jeder Dritte, Frauen etwas häufiger als Männer. Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf Grundlage einer Umfrage ermittelt. Um Fachkräfte zu sicheren, bildeten Menschen kurz oder in der Rente ein «bedeutendes Aktivierungspotenzial», heißt es bei dem hauseigenen Institut der Bundesagentur für Arbeit.

Ruheständler sind begehrt. Gerade hat das Land Berlin 250 Lehrer aus der Pension zurückgeholt, weil sonst Personal fehlt. Seit Monaten buhlt etwa auch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft um Rentner. Sie sollen Züge steuern und im Service tätig werden - doch bislang hat sich nach Unternehmensangaben niemand beworben.

«Jeweils rund 90 Prozent der erwerbstätigen Rentner haben Spaß bei der Arbeit, brauchen den Kontakt zu anderen Menschen oder wünschen sich weiterhin eine Aufgabe», nennt das IAB die wichtigsten Umfrageergebnisse. Gut die Hälfte der Männer und knapp zwei Drittel der Frauen gaben aber außerdem an, dass sie das Geld brauchen.

Das Arbeitsministerium erwartet, dass künftig noch mehr Rentner arbeiten, weil Lebensentwürfe sich veränderten und die Baby-Boomer-Generation nun in das Alter komme. Sozialverbände verweisen dagegen immer wieder auf die Rentenhöhe, die sie in vielen Fällen für zu gering halten.

Jede zweite Altersrente liegt unter 900 Euro im Monat, wie die Bundesregierung kürzlich mitteilte. Das monatliche Haushaltseinkommen ist meist höher. Laut Rentenversicherungsbericht 2018 hatten Ehepaare bei Haushalten mit einer Person in Rente 2015 im Westen ein Nettoeinkommen von 2572 Euro, in Ostdeutschland von 2257 Euro. Bei Alleinstehenden sind es jeweils 900 bis 1100 Euro weniger.

«Ich kenne viele, die nebenbei einen Job machen», sagt Bahn-Elektriker David. «Solange die Gesundheit mitmacht, mache ich das gerne.» Nächsten Monat wird David 65. Das bedeutet für ihn noch nicht Schluss mit Arbeiten, das 50. Dienstjubiläum ist in Sichtweite. Er denkt er daran, dass er dann mehr zur Rente hinzuverdienen darf. Mit dem nächsten Jahresvertrag will er seine Stundenzahl aufstocken.

Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
08:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsministerien Bundesagentur für Arbeit Bundesministerium für Arbeit und Soziales Erwerbstätigkeit Expert AG Fachkräfte Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Mitarbeiter und Personal Renten Rentner Ruhestand Senioren Sozialverbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Arbeiten trotz Rente

19.08.2019

Immer mehr Rentner arbeiten

Es gibt immer mehr ältere Menschen in Deutschland. Viele arbeiten im Alter weiter. Über das Warum gibt es unterschiedliche Ansichten. » mehr

Mindestlohn

10.07.2019

1,3 Millionen Beschäftigte arbeiteten unter Mindestlohn

Eigentlich darf die Lohnuntergrenze in Deutschland nicht unterschritten werden. Den DIW-Wirtschaftsforscher zufolge passiert dies dennoch öfter. » mehr

Bundesagentur für Arbeit

13.08.2019

1,39 Millionen Stellen im 2. Quartal unbesetzt

Viele deutsche Unternehmen haben ungeachtet erster Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung noch immer Probleme, geeignetes Personal zu finden. » mehr

Frührente

24.04.2019

Arbeitgeber sehen Fachkräftemangel durch Frührente verstärkt

Hunderttausende Arbeitnehmer sind abschlagsfrei mit mindestens 63 in Rente gegangen. Arbeitgeberverbände warnen vor einer Ausweitung des Fachkräftemangels. Es gibt aber auch andere Stimmen. » mehr

Ungleich

17.09.2019

Studie: Frauen erhalten im Schnitt ein Viertel weniger Rente

Frauen erhalten einer Studie zufolge im Schnitt 26 Prozent weniger Rente als Männer. Hauptgrund für diese geschlechtsspezifische Rentenlücke: Viele Frauen treten für die Kindererziehung im Beruf kürzer und erwerben somit... » mehr

Mineralwasser

28.07.2019

Handel klagt über Hitzeflaute: «Bei 40 Grad geht wenig»

Die Hitzewelle trifft ganz Deutschland - auch die Wirtschaft. Nicht nur Landwirte sind besorgt. In Ladengeschäfte verirrt sich bei 40 Grad kaum jemand. Eine Branche hingegen freut sich. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Klima-Demo in Selb Selb

Klima-Demo in Selb | 20.09.2019 Selb
» 66 Bilder ansehen

Black Base - Mens Night out

Black Base - Men's Night out | 15.09.2019 Hof
» 21 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Moskitos Essen

Selber Wölfe - Moskitos Essen 3:5 | 14.09.2019 Selb
» 27 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
19. 08. 2019
08:14 Uhr



^