Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Industrie: Lieferketten-Gesetz gefährdet Existenz von Firmen

Kinderarbeit, Hungerlöhne - am Anfang weltweiter Lieferketten stehen oft unwürdige Arbeitsbedingungen. Minister Müller will deutsche Unternehmen notfalls gesetzlich zu Mindeststandards verpflichten. Die Textilindustrie gibt Kontra.



Textilfabrik in Bangladesch
Textilfabrik in Savar in Bangladesch.   Foto: Nick Kaiser/Archiv

Die Textilindustrie attackiert Entwicklungsminister Gerd Müller für seine Pläne, deutsche Firmen notfalls gesetzlich zur Einhaltung von Menschenrechten in ihren globalen Lieferketten zu zwingen.

«Was der Minister plant, gefährdet unsere Existenz», sagte die Präsidentin des Gesamtverbands textil+mode, Ingeborg Neumann, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Unsere globalen Konkurrenten werden uns einfach aus dem Markt fegen. Und am Ende wird man sich fragen, warum ausgerechnet die deutschen Unternehmen mit ihren hohen Umwelt- und Sozialstandards nicht überlebt haben.»

Müller (CSU) beklagt, dass Zwangsarbeit und Hungerlöhne vielerorts allgegenwärtig seien. Deutschland und seine Unternehmen müssten dazu beitragen, diese Missstände endlich zu überwinden.

Neumann sagte, die Pläne Müllers gingen vollkommen an der Realität vorbei. «Wir können nicht alleine als deutsche Unternehmen die globale Welt retten.»

Ein 2016 von der Bundesregierung beschlossener Nationaler Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte fordert von Unternehmen eine menschenrechtliche Sorgfalt in internationalen Lieferketten - zunächst auf Basis freiwilliger Selbstverpflichtungen. Klappt dies nicht, will Müller den Unternehmen notfalls gesetzliche Vorgaben machen.

«Ein einfaches weißes Hemd wird in 140 Schritten hergestellt», sagte Neumann. «Wenn es nach dem Minister geht, müssen wir als Mittelständler jedes Baumwollfeld, jede Knopffabrik und jede Reißverschlussproduktion bis ins kleinste Glied kontrollieren.» Die deutsche Textilindustrie produziere bereits nach den weltweit höchsten Standards. «Solche Vorstellungen von einer Komplettkontrolle der gesamten Lieferkette in einer globalen Wirtschaftswelt können aber nur an einem Berliner Schreibtisch geboren werden», sagte Neumann, die Vizepräsidentin des Industrieverbandes BDI ist.

Die deutsche Textilindustrie kümmere sich um ihre Lieferketten. «Wir Mittelständler sind die werthaltige Textilindustrie», sagte Neumann. «Der Minister droht unseren Unternehmen mit Bußgeldern und sogar Gefängnisstrafen. Dann können sie als deutscher Unternehmer gar keine globalen Lieferketten mehr aufbauen. Mit seinem Lieferkettengesetz vertreibt der Entwicklungsminister ausgerechnet die heimischen Mittelständler, die weltweit die Standards heben.»

Müller hatte bei einem Forum im Februar gesagt, viele der täglichen Produkte in Deutschland wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle kämen aus Entwicklungsländern. Aber am Anfang der Lieferketten herrschten immer noch unglaubliche Bedingungen. Mehr als 150 Millionen Kinder müssten weltweit arbeiten. «Zwangsarbeitsverhältnisse und Hungerlöhne sind vielerorts allgegenwärtig.» Am Anfang globaler Lieferketten müssten ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden.

«Auch die Unternehmen tragen dafür Verantwortung», so Müller. Viele Unternehmen gingen hier schon voran. Falls die Regierung aber bei der Überprüfung des Aktionsplan Menschenrechte zum Ergebnis komme, dass die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen nicht ausreiche, werde sie die Firmen gesetzgeberisch in die Pflicht nehmen.

Neumann wandte sich außerdem gegen die von Müller geplante Einführung eines «grünen Knopfs». Der Minister will damit ein staatliches Siegel einführen, das fair und ökologisch produzierte Kleidung sichtbar machen soll.

«Es braucht keinen grünen Knopf. Das ist reines Politmarketing», sagte Neumann. «Die deutschen Marken produzieren nach den weltweit höchsten Umwelt- und Sozialstandards. Wir haben bereits zahlreiche Qualitätssiegel, die auch international anerkannt sind.» Nun solle ein staatlicher grüner Knopf suggerieren, dass die gesamte Lieferkette kontrolliert worden sei. «Ich bin gespannt, wie der Minister das mit seinen Mitarbeitern überall auf der Welt schaffen will. Ich plädiere dafür, mit einem kühlen Kopf und nicht mit einem grünen Knopf einzukaufen.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 04. 2019
14:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
BDI CSU Deutsche Presseagentur Deutsche Unternehmer Entwicklungsländer Entwicklungsminister Firmen und Firmengruppen in Deutschland Gerd Müller Industrieverbände Kinderarbeit Minister Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Sozialstandards
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundesminister

26.08.2020

Wirtschaftsweiser: Lieferkettengesetz schadet der Wirtschaft

Ein Gesetz könnte deutsche Firmen zwingen, für die Einhaltung der Menschenrechte in ihren weltweiten Wertschöpfungsketten geradezustehen. Wirtschaftsverbände laufen Sturm dagegen. Der Wirtschaftsweise Lars Feld bezieht d... » mehr

Bundestag

13.07.2020

Wirtschaftsverbände stemmen sich gegen Lieferkettengesetz

Gibt es künftig verbindliche Vorgaben für deutsche Firmen, dass weltweit und auch bei Zulieferern Menschenrechte eingehalten werden? In der langen Debatte um ein Lieferkettengesetz steht der nächste Schritt bevor. Die Wi... » mehr

Britischer und deutscher Reisepass

28.01.2020

BDI: Unsicherheiten nach Brexit nicht vorbei

Nach Einschätzung des Industrieverbands BDI ist das Risiko eines No-Deal-Brexit noch immer groß. Großbritannien ist künftig ein wirtschaftlicher Konkurrent außerhalb des Binnenmarktes. Für Unternehmen gebe es weiterhin «... » mehr

Peter Altmaier

20.05.2020

Altmaier will Übernahmen von Gesundheitsfirmen erschweren

Das Bundeskabinett hat eine «Corona-Novelle» der Außenwirtschaftsverordnung beschlossenen. Die Regierung will bei Übernahmen von Firmen aus dem Gesundheitssektor künftig genauer hinschauen können. » mehr

Peter Altmaier

18.06.2020

Ausländische Übernahmen wichtiger Firmen werden erschwert

Immer wieder versuchen ausländische Konzerne etwa aus China, deutsche Firmen zu übernehmen. In wichtigen Branchen wie bei Stromnetzen und Impfstoffen will die Regierung künftig genauer hinsehen. Die Wirtschaft fürchtet e... » mehr

Wolfgang Ewer

23.03.2020

Wirtschaft wartet dringend auf Staatshilfen

Bei vielen Betrieben und freien Berufen hat die Coronavirus-Krise Aufträge und Umsätze einbrechen lassen. Wie soll es weitergehen? Die Bundesregierung will milliardenschwere Notpakete beschließen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Konzert Wildes Holz beim Forum Naila Naila

Wildes Holz beim Forum Naila | 20.09.2020 Naila
» 28 Bilder ansehen

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik Hof

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik | 29.08.2020 Hof
» 35 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 04. 2019
14:35 Uhr



^