Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Wirtschaft

Koalition will Meisterbrief wieder stärken

Für Berufe wie Fliesenleger oder Rolladen- und Jalousienbauer gilt seit vielen Jahren keine Meisterpflicht mehr. Der Spitzenverband des Handwerks fordert seit langem, das wieder zu ändern. Die Koalition hat das aufgenommen - und kommt nun einen Schritt weiter.



Fliesenleger
Ein Fliesenleger bearbeitet Fliesen für eine Wand. Die Koalitionsfraktionen wollen den Meisterbrief stärken und streben eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen an.   Foto: Ina Fassbender

Eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen rückt näher. Eine Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktionen Union und SPD verständigte sich auf Eckpunkte für eine Änderung der Handwerksordnung.

Der Meisterbrief im Handwerk sei die «beste Garantie» für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz und Leistungsfähigkeit, heißt es in dem Papier. Es lag der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vor.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen, etwa für Rolladen- und Jalousienbauer, Gold- und Silberschmiede oder Fliesenleger. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen.

Die Koalitionsfraktionen wollen nun, dass alle diese Gewerke sowie die Sozialpartner Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten sollen. Auf Basis dieser Konsultationsergebnisse soll in der Sommerpause ein

Gesetzentwurf erarbeitet werden, der im Herbst im Bundestag beraten werden kann. «Wir möchten, dass das Gesetz zum 1.1.2020 in Kraft treten kann», heißt es in dem Eckpunkte-Papier.

Ziele bei der Wiedereinführung der Meisterpflicht im Rahmen von europa- und verfassungsrechtlichen Vorgaben sei es, die Leistungsfähigkeit sowie wettbewerbsfähige betrieblicher Strukturen

im Handwerk zu stärken, heißt es. Die Ausbildungsqualität solle gewährleistet sein, die Innovationsfähigkeit gesichert werden. Bei der Rückkehr von Gewerken in die Meisterpflicht solle sichergestellt werden, dass bestehende Betriebe in diesen Gewerken, die nicht über einen Meisterbrief verfügen, dauerhaft Bestandsschutz genießen.

Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) sagte, Ziel sei es, den Meisterbrief zu stärken. «Das haben wir bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, jetzt gehen wir den nächsten Schritt.» Das

Wirtschaftsministerium erhalte den Auftrag, transparente und

gerichtsfeste Kriterien für die Ausweitung der Meisterpflicht zu entwickeln.

SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte: «Wir wollen das Handwerk stärken und dabei für die Kunden sicherstellen, dass sie eine gute Qualität von Fachleuten bekommen. Dafür wollen wir den

Meisterbrief als Qualitätssiegel für einige Gewerke wieder einführen.»

Der Zentralverband des Handwerks dringt seit langem auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte vor Marktverzerrungen gewarnt. «Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen», hatte er der dpa gesagt. Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität.

Die Monopolkommission dagegen hatte gewarnt, eine Ausweitung des «Meisterzwangs» dürfte zu einem deutlichen Rückgang der Betriebsgründungen in zulassungsfreien Gewerken führen. Die Kunden profitierten derzeit von der «stärkeren qualitativen Differenzierung» handwerklicher Leistungen. Das bedeutet, sie könnten selbst entscheiden, für welche Arbeit sie einen teureren Meisterbetrieb engagierten oder einen günstigeren Anbieter.

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte der dpa, das Handwerk und der Meisterbrief könnten nur mit den Beschäftigten zusammen gestärkt werden. «Damit das Handwerk wieder ein attraktiver Arbeitgeber wird, gehören neben dem Meisterbrief die Themen Tarifbindung und Arbeitsbedingungen ganz oben auf die Tagesordnung. Das sind zwei Seiten ein und derselben Medaille.» Derzeit gelte nur noch für rund 30 Prozent der Beschäftigten im Handwerk ein Tarifvertrag. Gleichzeitig fehlten bereits jetzt 250 000 Fachkräfte.

Veröffentlicht am:
09. 04. 2019
15:51 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitnehmer Berufe CDU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Fachkräfte Gefahren Handwerk Handwerksordnung Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Sören Bartol Verbraucherschutz Wirtschaftsministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Meisterbrief

09.09.2019

Handwerk: Meisterpflicht ab 2020 verspricht bessere Qualität

Seit langem kämpft der Handwerksverband dafür, dass es in viele Berufen wieder einen Meisterzwang gibt - weil es Marktverzerrungen gebe. Union und SPD hatten das im Koalitionsvertrag zugesagt und liefern nun. » mehr

Meisterbrief

09.09.2019

Koalition will wieder Meisterpflicht in einigen Berufen

Die schwarz-rote Koalition will in einigen Handwerksberufen wie Fliesenleger, Orgelbauer oder Raumausstatter die Meisterpflicht wieder einführen. Das teilten Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize S... » mehr

Jörg Hofmann

04.10.2019

IG Metall vermisst politische Führung bei der Klimawende

Die deutsche Industrie steht vor gewaltigen Umbrüchen. Die IG Metall hat sich die Klimawende auf die Fahnen geschrieben. Ihr Chef nimmt die Regierung in die Pflicht. » mehr

Briefträger

20.10.2019

Keine Briefe mehr an Montagen? Diskussion nimmt Fahrt auf

Heute schon in den Briefkasten geguckt? Für viele Menschen ist das ein alltägliches Ritual - auch wenn Briefe im Digitalzeitalter an Bedeutung verlieren. Geht es nach der FDP, kann man sich das Nachschauen am Wochenanfan... » mehr

Startender Condor-Airbus

25.09.2019

Condor kann weiterfliegen - Management sucht neue Eigentümer

Der Ferienflieger will seine Zukunft ohne die insolvente Mutter gestalten. Gespräche mit potenziellen Investoren laufen bereits an. Luft verschafft staatliche Unterstützung. » mehr

Wohnungsrenovierung

07.11.2019

Das deutsche Handwerk floriert weiter

Das Handwerk macht gute Geschäfte. Das stützt die Binnenkonjunktur und die gesamte deutsche Wirtschaft. Die Handwerkslobby hat klare Forderungen an die Politik. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eröffnung des Digitalen Gründungszentrums Hof

Gründerzentrum "Einstein 1" wird eingeweiht | 14.11.2019 Hof
» 30 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 04. 2019
15:51 Uhr



^