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Kuka-Chef verlässt überraschend Roboterhersteller

Vor zwei Jahren übernahm der chinesische Midea-Konzern das deutsche Hightech-Unternehmen Kuka - nach Widerstand auch aus der Politik. Jetzt geht der Konzernchef, der den Deal unterstützt hatte, vorzeitig. Niemand will sich zu den Hintergründen äußern.



Till Reuter
Konzernchef Till Reuter wird seine Tätigkeit im Dezember beenden.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Rund zwei Jahre nach der Übernahme des Roboterbauers Kuka durch Investoren aus China verlässt der langjährige Konzernchef Till Reuter überraschend das Unternehmen.

Reuter werde seinen Posten als Vorstandsvorsitzender im Dezember beenden, teilte Kuka am Montag am Unternehmenssitz in Augsburg mit. Am Wochenende waren bereits die Verhandlungen zur Vertragsauflösung zwischen Reuter und Aufsichtsratschef Andy Gu bekannt geworden, Reuters Vertrag lief noch bis 2022.

Angaben über die Gründe machte das Unternehmen nicht. Auch von Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek, dem stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, gab es zunächst keine Stellungnahme. Aus Unternehmenskreisen verlautete, die Chinesen wollten im Tagesgeschäft stärker durchgreifen. Das Verhältnis zwischen Reuter und den Investoren habe sich zuletzt verschlechtert, hieß es.

Der Abgang Reuters ist der zweite Fall eines spektakulären Chefwechsels nach der Übernahme durch einen chinesischen Investor. So hatte erst im September der gesamte Vorstand des bayerischen Autozulieferers Grammer vor der Übernahme durch den chinesischen Konzern Ningbo Jifeng eine Ausstiegsklausel genutzt. Vorstandschef Hartmut Müller und Finanzvorstand Gérard Cordonnier wollen zum Jahresende ihre Ämter niederlegen, Technikvorstand Manfred Pretscher im Februar 2019.

Reuter war sei 2009 Chef bei Kuka und führte das damals wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen aus der Krise. Im Frühjahr 2017 hatte Aufsichtsratschef Gu den Vertrag von Reuter noch vorzeitig um zwei weitere Jahre verlängert, zuvor war Reuter bis zum Jahr 2020 als Vorstandschef bestellt. Vorher hatte der chinesische Hausgerätehersteller Midea den Kuka-Aktionären ein lukratives Übernahmeangebot mit 115 Euro pro Aktie gemacht und so nach langem Ringen rund 95 Prozent der Anteile an den Augsburgern übernommen.

Reuter war damals ein vehementer Befürworter des Einstiegs der Chinesen. Er lobte, dass Midea eine weitreichende Investorenvereinbarung abgeschlossen und damit bis 2023 beispielsweise den Mitarbeitern eine Jobgarantie gegeben hatte. «Uns ist wichtig, dass Kuka unabhängig bleibt», sagte Reuter damals.

Für Kontinuität soll nun Finanzvorstand Peter Mohnen sorgen. Er werde den Vorstandsvorsitz interimsweise ab dem 6. Dezember übernehmen, berichtete der Konzern. Zugleich soll Manager Andreas Pabst in dem zweiköpfigen Kuka-Vorstand vorläufig das Finanzressort übernehmen. Die Kuka-Aktie verlor nach dem Bekanntwerden der Ablösung Reuters etwa 2,5 Prozent und notierte bei etwa 67 Euro.

Kuka ist einer der technologisch führenden Hersteller von Robotern für die Industrie, insbesondere für Automobilhersteller. Die Übernahme durch die Chinesen hatte für Schlagzeilen gesorgt, da chinesische Unternehmen verstärkt in deutsche Hightech-Unternehmen investieren. Politiker in Brüssel und Berlin hatten sich dagegen ausgesprochen, dass Spitzentechnologien in chinesische Hände fallen.

Aus Unternehmenskreisen verlautete, die Chinesen wollten die Integration vorantreiben und die Kontrolle auch auf das operative Geschäft von Kuka ausweiten. Die Eigentümer wollten ihre Vorstellungen durchsetzen und stärker die Führung übernehmen.

Zuletzt hatte das Augsburger Unternehmen mit 13 710 Beschäftigten nach einer langen Wachstumsphase seine Jahresprognose wegen eingetrübter Aussichten gesenkt. Zu einer schlechteren Entwicklung im Geschäft mit Autos kämen Unwägbarkeiten im chinesischen Automatisierungsmarkt hinzu, hatte Kuka bei Vorlage der Quartalszahlen Ende Oktober mitgeteilt.

Für 2018 werde ein Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro erwartet statt der zuvor angepeilten Erlöse von mehr als 3,5 Milliarden Euro. Vorstandschef Reuter hatte angekündigt, «auf die verschärften konjunkturellen Rahmenbedingungen» zu reagieren und einen «stärkeren Fokus» auf das Effizienzprogramm zu legen. 2015 hatte er erstmals eine Fünf-Jahres-Prognose vorgelegt und erklärt, dass der Umsatz bei Kuka bis zum Jahr 2020 auf 4 bis 4,5 Milliarden Euro etwa verdoppelt werden soll.

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26. 11. 2018
14:01 Uhr

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