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Wirtschaft

Kunden müssen immer länger auf Handwerker warten

Der Wasserhahn tropft, das Rohr ist verstopft, Kabel müssen verlegt oder die Wohnung tapeziert werden - da sind Handwerker gefragt. Bis sie kommen, kann es dauern. Das hat vor allem einen Grund.



Handwerker
Im Handwerksgewerbe können viele Facharbeiterstellen nicht besetzt werden.   Foto: Patrick Pleul

Kunden müssen wegen des Fachkräftemangels immer länger auf Handwerker warten. Teilweise können die Betriebe Aufträge gar nicht mehr annehmen.

«Manche Lebensmittelbetriebe wie Bäcker und Fleischer schließen bereits einen Tag in der Woche, weil sie keine Fachkräfte kriegen», sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Quer durchs Handwerk haben wir einen Vorlauf von neun Wochen, bis der Handwerker den Auftrag beim Kunden beginnen kann, bei den Bau- und Ausbaubetrieben sogar noch länger, bis zu 13 Wochen.»

Die Betriebe arbeiteten angesichts einer brummenden Konjunktur an ihren Kapazitätsgrenzen, sagte Wollseifer: «Es findet sich nicht genügend Personal, der Wettbewerb und die Konkurrenz um Fachkräfte ist groß und als Ergebnis all dessen: Die Wartezeiten für die Kunden werden länger.»

Der Fachkräftemangel sei eine Wachstumsbremse, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der selbst Maler- und Lackierermeister ist. Aufträge könnten wegen fehlender Mitarbeiter nicht übernommen und abgearbeitet werden. «Wir warnen seit Jahren vor dieser Situation, aber das war wohl nur Rufen in den Wald», sagte Wollseifer: «Das gefällt auch unseren Betrieben ganz und gar nicht. Zumal in einer Zeit, in der wir mehr Wohnraum schaffen müssen, in der noch mehr gemacht werden muss, um die Energieeffizienz zu erhöhen oder die Breitbandversorgung sicherzustellen. Das alles geht nicht ohne Handwerk.»

Wirtschaftlich geht es dem Handwerk gut. «Wir werden den Umsatz des gesamten Handwerks auf rund fünf Prozent in diesem Jahr steigern, nach 3,1 Prozent im vergangenen Jahr», sagte Wollseifer. «Für das nächste Jahr erwarten wir ein Plus von drei bis vier Prozent.»

Wollseifer erneuerte seine Forderung nach einem Berufsbildungspakt: «Der steht nach jahrelangen Forderungen des Handwerks jetzt endlich im Koalitionsvertrag, passiert ist bisher allerdings nichts. Es ist nun wirklich an der Zeit, den Berufsbildungspakt mit Leben zu füllen. Und um es ganz klar zu sagen: Da muss Geld rein. Wenn ich mir aber das Budget des Bildungsministeriums anschaue, wird für die berufliche Bildung wohl nicht viel abfallen. Die Berufsschulen sind teils in einem erbärmlichen Zustand.»

Berufsschulen und auch die Bildungszentren des Handwerks müssten modernisiert werden: «Wir brauchen mehr Mittel, um sie so auszustatten, dass das noch der technologischen und digitalen Entwicklung entspricht - und wir brauchen mehr Lehrer in den Berufsschulen.»

Wer seinen Meister machen wolle, der müsse dafür immer noch erheblich draufzahlen, in einer Größenordnung von bis zu 15.000 Euro. «Das ist kein Pappenstiel», sagte Wollseifer. «Wer ein Studium absolviert, kann das in der Regel ohne Gebühren. Von der überall zumindest als Ziel proklamierten Gleichwertigkeit kann hier keine Rede sein. Auch die Meisterausbildung sollte kostenfrei sein.»

Dem Handwerk gehe es nicht um ein «Akademiker-Bashing», ganz im Gegenteil. «Wir brauchen ein Miteinander, eine ausgewogene Balance von beruflich wie akademisch Ausgebildeten, sonst wird das Fundament unserer Wirtschaft brüchig.» Es bedürfe einer Bildungswende, forderte er: «Wir müssen wegkommen von einem Bildungsideal, wonach möglichst viele akademische Abschlüsse als Indiz für Bildungsgerechtigkeit verstanden werden.»

Nach einer Bilanz, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Mitte Dezember vorgelegt hatte, sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz zwar derzeit so gut wie lange nicht mehr. Allerdings nahm aktuell auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zu - ihre Zahl stieg demnach um 17,7 Prozent weiter an. «Besonders starke Besetzungsprobleme waren erneut im Handwerk zu verzeichnen», heißt es in der Studie.

Veröffentlicht am:
22. 12. 2018
13:17 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
22. 12. 2018
13:17 Uhr



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