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Lieferstopp für ICE4 - Bahn muss umdisponieren

Für den Fernverkehr der Deutschen Bahn soll der neue Zug das «Rückgrat» werden. Doch unter den Wagen sind Stahlträger fehlerhaft verschweißt - und es fehlt noch eine Lösung für das Problem.



ICE4
Ein ICE der vierten Generation steht im Bahnbetriebswerk in Berlin.   Foto: Maurizio Gambarini

Die Deutsche Bahn spürt seit dem Wochenende den Lieferstopp für den neuen ICE4. Eigentlich waren ab dem kleinen Fahrplanwechsel am Sonntag zusätzliche ICE-4-Leistungen vorgesehen, wie eine Bahnsprecherin sagte. Diese würden nun durch andere Fahrzeuge ersetzt. Konkretere Angaben machte sie nicht.

Damit müssen Fahrgäste länger auf neue Züge des Flaggschiffs im Fernverkehr warten, das mehr Sitzplätze und mehr Komfort verspricht. Die Sprecherin versicherte jedoch: «Aktuell gibt es deswegen keine Beeinträchtigungen für Kunden der DB.»

Vor zwei Monaten hatte die Bahn die Auslieferung der neuen Züge gestoppt. An den Wagen waren fehlerhafte Schweißnähte entdeckt worden. Die bis dahin ausgelieferten 25 Züge fahren aber weiter.

Nach Auskunft der Bahn, der Hersteller und von Gutachtern gebe es kein Sicherheitsrisiko, antwortete der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, auf eine Anfrage der FDP-Fraktion, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Die Fahrzeuge können weiter betrieben werden», betonte der Staatssekretär.

Die Bahn will aber keine weiteren Züge abnehmen, bis die Hersteller die Probleme nicht behoben haben. «Sobald uns ein mit dem Eisenbahnbundesamt abgestimmtes Ausbesserungskonzept vorliegt, werden wir die ICE 4 wieder abnehmen», teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Fehlerhafte Schweißnähte finden sich demnach im Mittelteil eines Untergestells der Wagen. Betroffen seien Schweißverbindungen an Stahlträgern - sogenannte Lang- und Mittenträger sowie Hauptquerträger am Wagenende. «Warum die vom Hersteller durchzuführenden Qualitätskontrollen den Fehler nicht bereits früher offenbarten, wird derzeit durch die Prüf- und Zertifizierungsstellen geprüft», heißt es weiter in der Antwort der Bundesregierung.

Eine Lösung für das Problem gibt es offenkundig noch nicht. «Wir haben die Hersteller aufgefordert, uns schnellstmöglich ein mit dem Eisenbahnbundesamt abgestimmtes Ausbesserungskonzept für die betroffenen Wagen vorzulegen», hieß es bei der Bahn. Eine Siemens-Sprecherin sagte, man stehe im Austausch mit der Behörde. Die Wagenkastenrohbauten bekommt Siemens von Bombardier Transportation.

Die Bahn hält am ICE4 fest. Alternativen würden nicht geprüft, erklärte Ferlemann. Der FDP-Abgeordnete Christian Jung forderte dagegen eine Neuausschreibung. Statt des fehlerhaften ICE4 sollte eine Doppelstock-Variante bestellt werden. Um wie geplant bis 2030 die Fahrgastzahl zu verdoppeln, sei ein jährliches Plus von 6 Prozent nötig. «Das ist mit einstöckigen Zügen im Fernverkehr nicht mehr zu schaffen.»

Aus Jungs Sicht sind auch Sicherheitsbedenken beim ICE4 nicht ausgeräumt. «Die Bundesregierung sollte deshalb eine weitere Untersuchung anordnen.»

Der Gesamtauftrag für den ICE4 umfasst sechs Milliarden Euro. Der neue Zug soll helfen, Verspätungen und Ausfälle verringern. Die ersten ICE4 sind seit Ende 2017 auf den Gleisen. Vereinbart ist, dass bis zum Jahr 2023 insgesamt 119 Züge geliefert werden.

Muss die Bahn auf die neuen Züge warten, geht das auch ins Geld. Denn um einen alten ICE einen Kilometer fahren zu lassen, gibt die Bahn 30 Euro aus, etwa für Strom, Trassengebühren und Abschreibungen. Beim ICE4 kalkulieren die Manager mit nur 25 Euro, weil der beispielsweise weniger Strom verbraucht.

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 06. 2019
16:43 Uhr

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11. 06. 2019
16:43 Uhr



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