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Wirtschaft

Nach neuen US-Zöllen: Chinas Premier wirbt für Freihandel

US-Präsident Trump hat den Handelskonflikt mit China dramatisch verschärft. Chinas Regierungschef hält sich mit direkter Kritik zurück - und umwirbt internationale Investoren. Die deutsche Wirtschaft verfolgt den Streit dennoch mit großer Sorge.



Handelsstreit
Containerverladung im Hafen von Oakland. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA eskaliert.   Foto: Ben Margot/AP

Vor dem Hintergrund des Handelsstreits mit den USA hat Chinas Premierminister Li Keqiang den globalen Freihandel verteidigt.

«Es ist wichtig, dass wir die Grundprinzipien des Multilateralismus und des Freihandels aufrechterhalten», sagte er auf dem «Sommer-Davos» genannten Weltwirtschaftsforum in Tianjin. Ohne den sich zuspitzenden Handelskonflikt seines Landes mit den USA direkt anzusprechen, sagte Li, dass Streitigkeiten durch Gespräche gelöst werden müssten. Die Abschottung einzelner Staaten sei keine Lösung.

Der deutsche Außenhandelsverband BGA warnte, Chinas Gegenreaktion auf den jüngsten Eskalationsschritt der US-Regierung könnte - auch jenseits neuer Zölle - drastisch ausfallen und die Risiken für die gesamte Weltwirtschaft erhöhen.

Mit seiner Rede umwarb der chinesische Premier die Investoren und anderen Teilnehmer des jährlichen Treffens, das zum zwölften Mal in China stattfindet. Er versicherte den Anwesenden, dass sein Land die Öffnung seiner Wirtschaft «mit größerer Geschwindigkeit» fortsetzen und Hürden für ausländische Firmen reduzieren werde. Zudem werde China das durchschnittliche Zollniveau weiter senken.

Li machte seine Bemerkungen nur Stunden, nachdem der Handelsstreit der beiden größten Volkswirtschaften der Welt eine neue Eskalationsstufe erreicht hatte. US-Präsident Donald Trump hatte den Konflikt durch neue Sonderzölle auf China-Importe im Wert von weiteren 200 Milliarden Dollar befeuert. Das Handelsministerium in Peking reagierte umgehend und kündigte Vergeltung an. So sollen US-Importe im Wert von 60 Milliarden Dollar mit Extrazöllen belegt werden. China kann Vergeltung mit eigenen Strafzöllen auf Importe aus den USA allerdings nur begrenzt üben, weil das Land deutlich weniger Waren aus den Vereinigten Staaten einführt als andersherum.

Der Zollstreit zwischen den Wirtschaftsgroßmächten verunsichert auch den deutschen Außenhandel. Nach der Verkündung der neuen US-Zölle sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, der «Rheinischen Post»: «Bisher war ich vorsichtig optimistisch, dass Handelsgespräche zu einem positiven Ergebnis führen könnten. Dass Trump nun tatsächlich noch diesen Zoll-Hammer rausholt, versetzt mich in tiefe Unruhe.»

Die Regierung in Peking habe bislang vergleichsweise besonnen agiert, sagte er. «Ich will mir aber gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn die Chinesen zu anderen, härteren Mitteln greifen würden. Sie könnten zum Beispiel im großen Umfang Kapital aus den USA abziehen», warnte Bingmann. «Dann müssten die USA auf einmal Hunderte Milliarden zurückzahlen. Das würde eine weltwirtschaftliche Krise auslösen.»

Trump hatte bereits zuvor erklärt, er werde im Fall chinesischer Vergeltung «die dritte Phase» einleiten und weitere Waren im Wert von 267 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen belegen. Das wäre dann praktisch das gesamte Einfuhrvolumen der USA aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Trump verfolgt das Ziel, das immense Handelsdefizit der USA mit China einzudämmen. Die Verhängung zusätzlicher Zölle hat bisher allerdings nicht dazu geführt. Im Juli und August war das Handelsdefizit gegenüber China noch gewachsen.

Angesichts der Abschottungspolitik von Trump und internationaler Handelskonflikte korrigierte das Institut der deutschen Wirtschaft seine Konjunkturprognose nach unten. Für 2018 gehen die Forscher jetzt nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent aus, das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr erwartet. Vor allem die «America first»-Politik von Trump sowie der Handelskonflikt mit China wirkten sich spürbar auf den Welthandel und damit auf die deutsche Wirtschaft aus, erklärte das arbeitgebernahe Institut in Köln. Zusätzlich gebremst werde die Konjunktur durch teurere Energie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 09. 2018
16:12 Uhr

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19. 09. 2018
16:12 Uhr



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