Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Wirtschaft

Neuwagen verbrauchen weiter drastisch mehr als angegeben

Wer ein Auto kauft, achtet meist auch darauf, wie viel Sprit es auf 100 Kilometern schluckt. Mit dem realen Verbrauch im Alltag haben die Angaben der Hersteller aber oft wenig zu tun. Forscher beobachten und kritisieren das seit Jahren - nun tut sich etwas.



Autoauspuff
Der Kraftstoffverbrauch hängt direkt mit dem Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zusammen.   Foto: Hendrik Schmidt

Neuwagen in Europa verbrauchen einer Analyse zufolge immer noch viel mehr Sprit als von den Herstellern angegeben - es könnte aber eine Trendwende geben.

Experten stellten erstmals seit Jahren fest, dass die Kluft zwischen offiziellem Wert und tatsächlichem Alltagsverbrauch auf der Straße leicht zurückgegangen ist. Das geht aus einem neuen Bericht der Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) hervor, die bei der Aufdeckung des Diesel-Skandals eine Schlüsselrolle gespielt hat.

Demnach lag 2017 der reale Kraftstoffverbrauch neuer Pkw um durchschnittlich 39 Prozent höher als der von den Fahrzeugherstellern genannte Testverbrauch. Die Abweichung sei damit gegenüber dem Vorjahr erstmals leicht zurückgegangen, und zwar um einen Prozentpunkt. Die Daten für 2018 können die Experten erst Mitte dieses Jahres auswerten.

Das ICCT hatte 2012 mit einer jährlichen Untersuchung des Kraftstoffverbrauchs begonnen, seitdem war die Kluft Jahr für Jahr größer geworden. Trotz des Rückgangs ist der Unterschied zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch laut ICCT noch vier Mal so groß wie 2001.

Die Mehrausgaben für den zusätzlichen Sprit betragen demzufolge für einen durchschnittlichen Autofahrer rund 400 Euro pro Jahr. Der angegebene Kraftstoffverbrauch von Pkw wird unter einheitlichen Bedingungen in Testlabors ermittelt. Seit September 2018 gilt für alle Neuwagen allerdings das neue Testverfahren WLTP, das für realistischere Werte sorgen soll. Für neue Fahrzeugtypen ist es schon seit September 2017 in Kraft. Das Verfahren berücksichtigt verschiedene Situationen und Geschwindigkeiten im Straßenverkehr, aber auch verschiedene Arten der Ausstattung und Gewichtsklassen.

Darauf verwies auch der Verband der Automobilindustrie (VDA): Die Erkenntnisse der ICCT-Berichte zu dem Thema seien stets die gleichen. Der alte Labortest bilde die heutige Realität der Modelle und des Straßenverkehrs nicht mehr adäquat ab. Zudem unterschieden sich Emissionswerte von Fahrzeugen im Labor und auf der Straße grundsätzlich, weil im Labor Bedingungen wie Wetter, Verkehrslage oder Gelände nicht einbezogen werden könnten. Auch die individuelle Fahrweise habe erheblichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch. Das neue Messverfahren stelle Verbrauch und CO2-Werte realistischer dar und bringe den Kunden damit mehr Sicherheit.

Die ICCT-Forscher vermuten für den Rückgang der Werte zwischen dem offiziellen und realen Verbrauch ein verstärktes öffentliches Interesse an den Abgaswerten in Folge des Diesel-Skandals. Sie hatten durch ihre Untersuchungen die Abgas-Affäre bei VW mit aufgedeckt. Dabei ging es um den Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide (NOx), der ebenfalls oft viel höher liegt als in den Papieren angegeben.

Der Kraftstoffverbrauch hängt direkt mit dem Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zusammen. Die Klimaschutzvorgaben sollen in der EU deutlich verschärft werden. Bis 2030 soll die Autobranche nach einer Vorentscheidung von EU-Staaten, EU-Kommission und Europaparlament die CO2-Emissionen von Neuwagen im Schnitt um 37,5 Prozent senken. Ausgangsbasis sind die Vorgaben für 2021, also 95 Gramm CO2 pro Kilometer im Durchschnitt der jeweiligen Flotte. Die Regeln sollen helfen, Klimaschutzziele zu erreichen. Die Autobranche hatte die neuen Vorgaben als zu scharf kritisiert.

«Der Gesetzgeber hat aus früheren Fehlern gelernt», erklärte ICCT-Europa-Chef Peter Mock. Er verwies darauf, dass Hersteller ab 2021 verpflichtet werden sollen, den realen Verbrauch sowie die realen CO2-Emissionen mittels Verbrauchsmessgeräten zu protokollieren. Die EU-Kommission solle eine Methode entwickeln, um Hersteller, die sich durch unrealistisch niedrige Angaben einen Vorteil verschaffen wollten, zu bestrafen, forderte Mock. «Nur so kann es gelingen, die Abweichung zwischen offiziellen und realen Werten in den kommenden Jahren endlich wieder deutlich abzusenken.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 01. 2019
14:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgasskandale Autobranche CO2-Emissionen Diesel-Skandal Europäische Kommission Kohlendioxid Kraftstoffe Kraftstoffverbrauch Labors Neuwagen Produktionsunternehmen und Zulieferer VW Verband der Automobilindustrie
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
ID.3

10.09.2019

VW präsentiert Elektrowagen ID.3

Die Autoindustrie tut inzwischen einiges für die Umstellung auf E-Antriebe - nach Meinung von Klimaschützern jedoch bei weitem nicht genug. Bei der Automesse IAA betonen VW und der Branchenverband ihren Willen zum Wandel... » mehr

An der Fertigungsstrecke

21.08.2019

Neuer WLTP-Abgastest: Autobauer geben Entwarnung

Vor einem Jahr hat die Einführung des WLTP-Verbrauchstests die Autoindustrie in schwere Turbulenzen gestürzt. Am 1. September tritt schon die nächste Version in Kraft. Diesmal wird das Chaos jedoch ausbleiben, sagen die ... » mehr

Ladesäulen

04.09.2019

Nach Atom und Kohle: Kommt der Benzin- und Diesel-Ausstieg?

Die Klimadebatte verstärkt die Hoffnung, die auf E-Autos ruht. Eine Fülle neuer Modelle ist angekündigt. Doch elektrisch ist nicht sofort umweltfreundlicher. Und der Weg zum Verbrenner-Ausstieg ist lang. » mehr

Luftverschmutzung in Aachen

16.08.2019

Dieselskandal - grünes Licht für Hardware-Nachrüstung

Für immer mehr alte Diesel-Modelle können Hardware-Nachrüstungen angegangen werden. Nach einer ersten Betriebserlaubnis Ende Juli liegen für weitere Systeme Genehmigungen vor. Verbände und die Umweltministerin sehen die ... » mehr

Abgase

03.10.2018

EU-Parlament fordert schärfere CO2-Grenzwerte bei Neuwagen

Ein großer Teil der klimaschädlichen CO2-Emissionen in der EU wird von Autos verursacht. Nun hat das EU-Parlament für deutlich schärfere Grenzwerte gestimmt. Ist das das Aus für Europas Autoindustrie? Oder ein längst übe... » mehr

VW-Halbjahreszahlen

25.07.2019

VW verdient trotz Autokrise überraschend viel Geld

VW überrascht inmitten einer Krise der Autobranche mit guten Zahlen. Der Lauf im Tagesgeschäft gibt Chef Herbert Diess Rückendeckung für den grundlegenden Konzernumbau. Doch Hürden bleiben. Und ein Gerichtsurteil bringt ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Marina Seidel - Sono Italiano

Marina Seidel - Sono Italiano | 20.10.2019 Hof
» 46 Bilder ansehen

2000er-Party Weißenstadt

2000er-Party Susi Weißenstadt | 19.10.2019 Weißenstadt
» 46 Bilder ansehen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu Plauen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu | 19.10.2019 Plauen
» 69 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 01. 2019
14:17 Uhr



^