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Wirtschaft

Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler wollen fusionieren

Vom Opel Corsa bis zum Maserati - ein neuer Auto-Riese mit europäischen Wurzeln will die kriselnde Branche aufmischen. Mit der Fusion der Superlative sollen aber auch hausgemachte Probleme überwunden werden.



Fiat Chrysler
Ein Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Logo.   Foto: Uli Deck/dpa

Die Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler bereiten eine Mega-Fusion vor. Sie wollen den viertgrößten Autohersteller der Welt mit riesigen Produktions- und Absatzzentren in Europa und Amerika schmieden.

Beide verständigten sich auf offizielle Fusionsgespräche, wie die Konzerne in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Der neue Konzern könne 8,7 Millionen Fahrzeugen pro Jahr absetzen. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund wären größer als der neue Auto-Gigant. Er käme auf einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als 11 Milliarden Euro - ohne die Marken der Zulieferer Magneti Marelli und Faurecia. Beschäftigt würden rund 400.000 Menschen, wie das französische Wirtschafts- und Finanzministerium ergänzte.

Die Konzerne versicherten, dass sich mit einer Fusion Spareffekte in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erzielen ließen, ohne eine Fabrik zu schließen. Die Effizienzgewinne, die sich etwa aus Einsparungen beim gemeinsamen Einkauf ergäben, ließen sich nach vier Jahren zu 80 Prozent heben. Allerdings wird die angepeilte Fusion auch richtig Geld kosten: PSA und Fiat Chrysler rechnen mit einmaligen Kosten von 2,8 Milliarden Euro.

Der Zusammenschluss der Superlative ist kein Zufall, denn die Branche steht unter einem enormen Druck. Autobauer müssen Milliarden in autonome Autos und Elektromobilität investieren. In der Branche wurde immer wieder auf die besonderen Probleme von Fiat Chrysler hingewiesen. Der Hersteller hatte unter der Führung des verstorbenen Sergio Marchionne auf große Investitionen in Elektroantriebe verzichtet. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den großen Spritschluckern der Marken Jeep und Ram in den USA erfolgreich.

Nun ist FCA tief in die roten Zahlen gefahren. Im dritten Quartal lag der Verlust des Konzerns unter dem Strich bei 179 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Fiat Chrysler noch einen Gewinn von 564 Millionen Euro verbucht. In der kriselnden Europasparte fielen Abschreibungen auf das Modellangebot bei Kleinwagen und bei Alfa Romeo ins Gewicht. Zudem gab es in Europa, beim Luxusautobauer Maserati und in Asien operative Verluste. Das starke Nordamerikageschäft konnte das nicht wettmachen.

Es ist vor allem das gut ausgebaute Vertriebsnetz in Nordamerika, das FCA in den gemeinsamen neuen Konzern mit einbringen kann. Es würde den Markteinstieg von Peugeot in Amerika erheblich erleichtern. PSA ist dafür in Europa stärker. Auch bei der Entwicklung von Hybrid- und Batterie-Fahrzeugen sind die Franzosen weiter als die Italoamerikaner.

Im neuen Unternehmen wird ein Zusammenschluss «unter Gleichen» mit einem ausgewogen besetzten Vorstand angestrebt. PSA-Chef Carlos Tavares (61) soll Vorstandsvorsitzender werden. Der Portugiese hat sich als knallharter Sanierer sowohl bei Peugeot als auch bei der Tochter Opel einen Namen gemacht. Der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann (43) würde diese Rolle auch bei dem neuen Unternehmen einnehmen. Er ist der Enkel das legendären Fiat-Bosses Giovanni «Gianni» Agnelli (1921-2003) und Ururenkel des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli senior (1866-1945). Das italienische Traditionsunternehmen war 2014 in Fiat Chrysler Automobiles aufgegangen.

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler umfasst die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati. Opel gehört seit gut zwei Jahren zu PSA und wird mit harter Hand auf Effizienz und Gewinne getrimmt.

Die Märkte reagierten am Donnerstag uneinheitlich auf die Ankündigung. Die FCA-Papiere am der Böse in Mailand gingen weiter nach oben. Die PSA-Anleger jedoch reagierten ernüchtert: Der Aktienkurs fiel kräftig.

Frankreich begrüßt die Fusionspläne ausdrücklich. «Das ist eine gute Nachricht für die französische Industrie, das ist eine gute Nachricht für die europäische Industrie», erklärte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Er verlangte aber, alle industriellen Standorte im Land zu erhalten. Der französische Staat als Anteilseigner von PSA werde auch bei der Beschäftigung sehr wachsam sein. Die französischen Gewerkschaften FO und CFTC betrachten laut Nachrichtenagentur AFP die Fusion eher als «Chance», während sich die Hardliner-Gewerkschaft CGT beunruhigt zeigte.

In Rom sagte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte, dass es sich um eine «Marktoperation» handele. «Ich kann das Abkommen nicht beurteilen, aber was der Regierung am Herzen liegt ist, dass das Produktions- und Beschäftigungsniveau in Italien gesichert ist», sagte Conte. Die Bürgermeisterin der Fiat-Stadt Turin, Chiara Appendino, sagte, die Kommune verfolge die Entwicklung «mit großer Aufmerksamkeit».

In Deutschland reagierte die IG Metall vorsichtig auf die geplante Fusion. Spekulationen über mögliche negative Folgen für die deutschen Opel-Standorte seien «kontraproduktiv und schädlich», erklärte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger, in Frankfurt. Die IG Metall werde sich daher daran nicht beteiligen.

Die hessische Landesregierung warnte unterdessen vor Folgen für Opel. «Die Zukunftsfähigkeit von Opel muss gesichert sein», forderten Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in Wiesbaden. Ein Zusammenschluss berge Chancen, dürfe aber nicht zu Lasten des Autobauers und der deutschen Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach gehen, forderten sie.

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dpa

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Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
16:40 Uhr

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31. 10. 2019
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