Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Wirtschaft

Paketbranche forciert Alternativen zur Haustürzustellung

Im Internet Klamotten oder Elektronik bestellen und dann nach Hause schicken lassen: Für viele Menschen ist das Shopping-Standard. Dumm nur, wenn man gar nicht zu Hause ist, wenn der Paketbote klingelt. Doch die Branche tüftelt an unkomplizierten Wegen zum Kunden.



DHL-Packstation
Ein Arbeiter baut eine Packstation von Deutsche Post DHL auf.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bonn (dpa) - Wer ein Paket bestellt, kann sich die Sendung in Deutschland an immer mehr Übergabepunkten fernab der eigenen Haustür abholen. Denn die Paketbranche kommt beim Ausbau ihres Netzes voran.

Es geht zum Beispiel um Kioske, die auch als Paketshops fungieren, sowie um Automaten, wo rund um die Uhr Pakete abgeholt werden können. Der Marktführer Deutsche Post DHL erhöhte die Zahl seiner Packstationen-Automaten seit Jahresbeginn von 3700 auf 4200, im ersten Quartal 2020 sollen es 5000 sein und 2021 schon 7000. «Wir wollen es den Menschen noch einfacher machen, an ihre Pakete zu kommen», so ein Post-Sprecher. Dafür seien solche Stationen wichtig.

Der Ausbau ist allerdings auch betriebswirtschaftlich motiviert. Denn die Haustürzustellung ist für die Dienstleister durchaus problematisch. Paketzusteller klingeln tagsüber häufig vergeblich bei Adressaten, die bei der Arbeit sind. Dann müssen die Zusteller bei Nachbarn anklopfen oder die Sendung in einen Paketshop bringen - das dauert und kostet die Logistikbranche viel Geld.

Seit langem feilen die Firmen daher an Alternativen zur Haustürzustellung, die teilweise aber eher verhalten von den Kunden angenommen werden. «Gerade wenn Paketempfänger nicht zu Hause sind und mehrere vergebliche Zustellversuche erfolgen, sind alternative Zustelloptionen die ökonomisch wie ökologisch nachhaltigere Variante», sagt ein Hermes-Sprecher.

Die Post-Konkurrenten haben nur wenige solcher Abholautomaten, sie setzen vor allem auf Paketshops zur Abholung von Sendungen. Deren Netz baute DPD zum Beispiel in einem Jahr um knapp 1000 auf 7000 aus. Auch Hermes und GLS meldeten Fortschritte bei solchen Paketübergabe-Punkten, ohne Zahlen zum Zuwachs zu nennen.

Deutschlands Paketbranche boomt wegen des Online-Handels - immer mehr Waren werden beim Surfen im Internet gekauft statt beim Bummeln durch die Innenstädte. So rechnet der Branchenverband Biek im diesjährigen Weihnachtsgeschäft mit 355 Millionen Paketsendungen und damit sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Der Marktführer Deutsche Post DHL erhöht bei seinen Paketstationen nun das Ausbautempo. Nachdem die knallgelben Anlagen bislang vor allem in Ballungsräumen aufgestellt wurden, errichtet der Bonner Konzern inzwischen immer mehr Packstationen auf dem Land.

Allerdings mangelt es vielerorts an geeigneten Standorten. «Die Suche ist schwierig», sagt der Postsprecher. Idealerweise sollten diese an Orten sein, wo täglich ohnehin viele Menschen vorbeigehen, etwa an Bahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten. Ein anderes wichtiges Kriterium vor allem auf dem Land ist die gute Erreichbarkeit mit dem Auto. Der Post-Sprecher berichtet, dass inzwischen auch Verantwortliche von Kommunen und Gewerbegebieten von sich aus auf seine Firma zukommen und solche Lagen anbieten. «Packstationen werten Standorte auf - die Menschen, die dort arbeiten, kommen leicht an Pakete, die in ihrem Alltag für sie immer wichtiger werden.»

Auch andere Alternativen gewinnen an Bedeutung. So setzt der Paketdienst GLS unter anderem auf eine «digitale Abstellgenehmigung», mit der Adressaten dem Zusteller unkompliziert einen Ablageplatz zuweisen und dort beim Nachhausekommen das Paket einsammeln können.

DPD wiederum kooperiert stärker als bisher mit dem Einzelhandel. So gibt es nach Angaben der Firma in 1300 Filialen der Textilkette NKD inzwischen einen «Pickup Paketshop» von DPD. Das sei für beide Seiten ein Gewinn, schließlich würden Online-Shopper dadurch als Paketabholer zurück in Einzelhandelsfilialen gebracht, so ein DPD-Sprecher. Der Paketdienstleister rechnet damit, «dass alternative Abgabepunkte wie Paketshops gegenüber der Haustürzustellung in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden».

Und wie geht es weiter? Klar ist, dass die ganze Branche die Alternativen zur Haustürzustellung weiter stärken wird. Der Hermes-Sprecher betont aber auch: «Eine Haustürzustellung wird es weiterhin geben, einfach weil es für die Mehrheit der Kunden die gelernte und bis dato präferierte Zustell-Lösung ist.»

Veröffentlicht am:
15. 11. 2019
08:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Branchenverbände DHL Deutsche Post AG Deutsche Presseagentur Dienstleister Elektronik und Elektrotechnik Industrie Internet Internethandel und E-commerce Kunden Logistikbranche Post und Kurierdienste Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Briefzusteller

03.12.2019

Montags keine Post mehr? Experten sind dafür

Wer auf einen dringenden Brief wartet, der sollte jeden Tag außer sonntags in den Briefkasten gucken. Bisher. Gut möglich, dass man an Montagen künftig gar nicht erst nachschauen muss. » mehr

DHL-Flugzeug

19.11.2019

Deutsche Post DHL investiert Milliarden in Expressdienste

Wie schnell ist mein Paket? Ein, zwei, drei Tage - so genau weiß man das nicht. Bei Express-Sendungen ist das anders, hier bekommt der Absender eine Liefergarantie für den nächsten Tag. Das Geschäft boomt. Das soll so bl... » mehr

Frank Appel

01.10.2019

Post will zwei Milliarden Euro in Digitalisierung stecken

Die gelben Fahrzeuge der Post sind überall in Deutschland zu sehen. Sowohl bei den Paketen als auch den Briefen ist der Bonner Konzern mit großem Abstand Marktführer. Auch global gesehen sind die Bonner gut aufgestellt. ... » mehr

Black-Friday-Rabattschlacht

28.11.2019

Black-Friday-Rabatte bringen Paketbranche ins Schwitzen

Ob mit Black Friday oder Cyber Monday - der Online-Handel rührt die Werbetrommel, damit der Konsument schon lange vor Weihnachten seine Shoppingtour beginnt. Das verschafft den Paketdienstleistern volle Auftragsbücher. D... » mehr

Pakete und Päckchen

26.06.2019

Paketboom geht weiter: 3,5 Milliarden Sendungen verschickt

Kein Ende der Paketflut in Sicht: Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Sendungen in Deutschland wieder deutlich zugenommen. Kommunen, Händler und Zusteller ringen weiter um Lösungen, um die Innenstädte zu entlasten. » mehr

Briefträger

20.10.2019

Keine Briefe mehr an Montagen? Diskussion nimmt Fahrt auf

Heute schon in den Briefkasten geguckt? Für viele Menschen ist das ein alltägliches Ritual - auch wenn Briefe im Digitalzeitalter an Bedeutung verlieren. Geht es nach der FDP, kann man sich das Nachschauen am Wochenanfan... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weihnachtsbasteln mit dem AZV Hof 2019 Helmbrechts

Weihnachtsbasteln mit dem AZV 2019 |
» 18 Bilder ansehen

Q11 MGF pres. Froh und Hacke! Schwingen 06.12.2019

Froh und hacke in Schwingen: Q11 MGF | 07.12.2019 Schwingen
» 65 Bilder ansehen

EC Peiting - Selber Wölfe

EC Peiting - Selber Wölfe | 08.12.2019 Peiting
» 36 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
15. 11. 2019
08:34 Uhr



^