Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeStromtrasse durch die RegionBlitzerwarnerVER Selb

Wirtschaft

Post-Kritiker nehmen Briefversand unter die Lupe

Wie schnell ist die Post? Schnell genug, ist die Meinung des Bonner Konzerns. Doch ein Verband, in dem sich Post-Kritiker formiert haben, ist anderer Auffassung.



Deutsche Post
Laut Gesetz müssen 80 Prozent der Briefe am nächsten und 95 Prozent am übernächsten Werktag ausgeliefert sein.   Foto: Monika Skolimowska/ZB/dpa

Mit einer aufwendigen Briefstudie will ein Zusammenschluss von Post-Kritikern die Qualität des Bonner Konzerns unter die Lupe nehmen.

Eine sogenannte Laufzeit-Messung soll klären, wie schnell und wie zuverlässig Geschäftspost beim Adressaten ankommt - die Untersuchung startet nach einer einmonatigen Anlaufphase am 1. April und geht bis Ende März 2020. 72.000 Test-Sendungen sollen verschickt und die Zeit bis zur Zustellung gemessen werden. So eine repräsentative Untersuchung gab es noch nie - bisher gibt es keine umfassenden Erkenntnisse vor, wie schnell Firmenpost ankommt.

Der Deutsche Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT) führt die Analyse zusammen mit einem technischen Dienstleister durch. Der Verband wirft der Post schlechte Arbeit vor.

«Wir haben eine zunehmende Unzufriedenheit bei unseren Mitgliedsunternehmen», sagte DVPT-Vorstand Klaus Gettwart. Verbandsmitglieder sind unter anderem Versicherungen, Banken und kommunale Unternehmen, die viele Originaldokumente, Urkunden, Eintrittskarten oder Bescheinigungen verschicken. In bisherigen Tests einzelner Firmen habe man teilweise mehrwöchige Wartezeiten auf Sendungen festgestellt, kritisiert der DVPT.

Laut Gesetz müssen 80 Prozent der Briefe am nächsten und 95 Prozent am übernächsten Werktag ausgeliefert sein. Diese Vorgabe gilt zwar nur für Universalpost, also vor allem Privatpost. Firmen-Großkunden gehen aber auf Basis von Gesprächen mit der Post davon aus, dass auch ihre Sendungen schnell ankommen. Ob solche guten Laufzeit-Werte aber Wirklichkeit sind, daran haben die Firmen teilweise starke Zweifel.

Aus Sicht von DVPT-Chef Gettwart hat die Untersuchung möglicherweise auch positive Folgen für den Verbraucher. «Sie dient im Endeffekt auch den Verbrauchern, denn wir wollen das Netz transparenter und die Qualität erhöhen.» Das Kalkül: Das Ergebnis der Studie könnte 2020 eine Debatte anfachen, wodurch der Druck auf die Post steigt und der Konzern daraufhin seine Zustellung beschleunigt und verbessert.

Frank Eckart, Vorsitzender des DVPT-Arbeitskreises Großversender, monierte gravierende Mängel in der Sendungszustellung. Zu dem Kreis gehören 54 Firmen, darunter die Versicherungen Axa, Ergo und Barmenia sowie die Commerzbank - sie kommen insgesamt auf eine Menge von einer Milliarde Briefe im Jahr. Zum Vergleich: 2017 entfielen auf die Deutsche Post nach eigenen Angaben 18,4 Milliarden Briefsendungen. Es sei ein Unding, dass die Post keine Rechenschaft ablegen müsse über eine Leistung, die von den Firmen bezahlt wird, sagte Eckart. «Wir möchten wissen, ob die Leistung adäquat erbracht wird.»

Bezahlt wird die aufwendige Untersuchung von dem Verband, von teilnehmenden Firmen und von der Bundesnetzagentur. Klaus Knab von der Bonner Regulierungsbehörde sagte, die in der Laufzeitmessung erhobenen Daten eröffneten seinem Haus «die Möglichkeit, die Qualität noch präziser zu beurteilen als wir es bisher getan haben».

Knab verwies auf den Unmut über die Post, den Bürger seiner Behörde gegenüber kundtun. 2018 waren es 12.615 Beschwerden über verspätete oder ungenaue Zustellungen von Briefen und Paketen sowie über ungünstige Filial-Öffnungszeiten. Mehr als die Hälfte dieser Wortmeldungen bezog sich auf Briefe. In einem Jahr hatte sich die Gesamt-Beschwerdezahl etwa verdoppelt. Dieses Jahr könnte die Zahl der Beschwerden weiter ansteigen, schaut man auf Zahlen der Monate Januar und Februar: Bis zum 25. Februar waren es allein 2600 Beschwerden über die Post.

Allerdings ist nicht ganz klar, ob die höheren Beschwerdezahlen mit einer schlechteren Leistung der Post korrespondieren - oder ob es auch daran liegt, dass die Möglichkeit zur Beschwerde bekannter wird und dadurch mehr Bürger ihren Frust ablassen bei der Netzagentur.

Wenig begeistert reagierte die Deutsche Post auf die Laufzeit-Messung. Der Bonner Konzern stellte in Frage, ob die Untersuchung wesentliche neue Erkenntnisse bringen wird. «Wir bezweifeln, dass die Laufzeitmessung des DVPT aussagekräftiger ist als das seit vielen Jahren bewährte Verfahren, das vom TÜV zertifiziert ist», sagte ein Konzernsprecher. Hierbei bezog er sich auf die Untersuchungen zur Privatpost durch eine neutrale Firma. Hierbei sei ermittelt worden, dass 93 Prozent der Privatpost bereits am nächsten Werktag beim Empfänger seien, so der Post-Sprecher.

Die Post-Kritiker bezweifeln aber, dass auch die Geschäftspost einen so hohen Prozentwert hat. Im Frühjahr 2020 dürfte die Situation etwas klarer sein, wenn Ergebnisse der Untersuchung bekanntgegeben werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
15:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Axa Bundesnetzagentur Commerzbank Deutsche Post AG Konzerne Post und Kurierdienste TÜV Verbände
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
DHL-Paketzusteller

01.01.2020

Nur noch ein Paketzusteller pro Straße? Post fände das gut

Ob gelb, rot, hellblau, dunkelblau oder braun - auf den Straßen sind die Farben vieler Paketdienste zu sehen. Warum eigentlich, fragt ein Branchenvertreter - statt DHL, DPD, Hermes, GLS und UPS reiche doch bloß ein einzi... » mehr

Briefzusteller

03.12.2019

Montags keine Post mehr? Experten sind dafür

Wer auf einen dringenden Brief wartet, der sollte jeden Tag außer sonntags in den Briefkasten gucken. Bisher. Gut möglich, dass man an Montagen künftig gar nicht erst nachschauen muss. » mehr

Briefträger

20.10.2019

Keine Briefe mehr an Montagen? Diskussion nimmt Fahrt auf

Heute schon in den Briefkasten geguckt? Für viele Menschen ist das ein alltägliches Ritual - auch wenn Briefe im Digitalzeitalter an Bedeutung verlieren. Geht es nach der FDP, kann man sich das Nachschauen am Wochenanfan... » mehr

Frank Appel

01.10.2019

Post will zwei Milliarden Euro in Digitalisierung stecken

Die gelben Fahrzeuge der Post sind überall in Deutschland zu sehen. Sowohl bei den Paketen als auch den Briefen ist der Bonner Konzern mit großem Abstand Marktführer. Auch global gesehen sind die Bonner gut aufgestellt. ... » mehr

Briefträger

19.04.2019

Briefporto wird teurer - Anhebung auf 90 Cent möglich

Wer verschickt im Internetzeitalter eigentlich noch Briefe? Glaubt man der Statistik, sind es gar nicht so wenige - rund 8 Milliarden Briefe waren es 2018 in Deutschland, ohne die klassische Werbepost. Künftig wird das P... » mehr

Streetscooter der Post

06.09.2019

Große Auslandspläne: Streetscooter steuert China und USA an

In Sachen klimaschonende Paketzustellung fährt die Deutsche Post DHL vorneweg - schon jeder fünfte Transporter in Deutschland fährt elektrisch. Dennoch war der Streetscooter bisher keine lupenreine Erfolgsgeschichte. Doc... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neujahrsempfang in Schwarzenbach an der Saale Schwarzenbach an der Saale

Neujahrsempfang in Schwarzenbach an der Saale | 19.01.2020 Schwarzenbach an der Saale
» 71 Bilder ansehen

Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas Marktredwitz

Gala-Abend Faschingsgilde in Marktredwitz | 18.01.2020 Marktredwitz
» 37 Bilder ansehen

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 Lindau

EV Lindau - Selber Wölfe 3:2 | 19.01.2020 Lindau
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 02. 2019
15:18 Uhr



^