Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Wirtschaft

Prüfung von Eon-Deal in Brüssel auf der Zielgeraden

Der Deal könnte den Energiemarkt in Deutschland umwälzen: Eon will mit der Übernahme von Innogy zum Champion bei Stromtransport und Stromverkauf werden. Verbraucherschützer sehen Chancen und Risiken.



Innogy
Das Logo bei einer Bilanzpressekonferenz in der Konzernzentrale.   Foto: Rolf Vennenbernd

Es könnte eine der letzten großen Entscheidungen von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager werden. Bis Freitag kommender Woche (20. September) läuft noch die Frist für die Prüfung des großen Deals zwischen den Stromriesen Eon und RWE.

Die beiden Essener Konzerne wollen die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und ihre Geschäftsfelder komplett neu aufteilen. Eon soll die Netze und das Endkundengeschäft von Innogy erhalten, RWE die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon.

Den RWE-Teil des Deals hat Vestager, deren Amtszeit am 31. Oktober endet, bereits durchgewunken. Die Prüfung der geplanten neuen Eon gilt als ungleich komplexer. Allein in Deutschland würde Eon nach der Innogy-Übernahme auf rund 14 Millionen Strom- und Gaskunden kommen. «Es drohen neue, kartellartige Strukturen, die die Liberalisierung des Strommarktes unterlaufen», warnte die Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus.

«Die neue Eon wird durch ihre Marktmacht den Energiemarkt auf den Kopf stellen», erwartet Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. «Ob das für die Privatkunden ein Nachteil wird, liegt vor allem an den Kunden selbst.» Sie müssten in Zukunft ihre Stromtarife noch genauer beobachten, bei Zusatzleistungen wie intelligenten Zählern oder Dienstleistungsangeboten auf die Gesamtkosten achten und von Wechselmöglichkeiten Gebrauch machen.

Das könnte künftig aber schwieriger werden, befürchtet eine Gruppe von Stadtwerken. Nach der Innogy-Übernahme werde Eon durch die Beteiligung an zahlreichen Regionalversorgern über rund 150 Marken verfügen, heißt es in ihrer Stellungnahme für das Fusionskontrollverfahren der EU. Eon könne dadurch Vergleichs- und Vermittlungsplattformen wie Check24 und Verivox in einer Form dominieren, «die praktisch einen Ausschluss der Wettbewerber von dieser Möglichkeit zur Kundenakquise bedeutet». Die EU müsse deshalb «den Verbrauchern Transparenz bei der Anbieterwahl» sichern.

Eon weist den Vorwurf zu großer Marktmacht zurück. Vorstandschef Johannes Teyssen betonte mehrfach, der Wettbewerb sei «in Deutschland in keiner Weise gefährdet». Es werde weiterhin einen scharfen Preiswettbewerb geben, weil die Kunden fast in jedem Postleitzahlengebiet unter rund 100 Anbietern auswählen könnten. Nach der Integration von Innogy könne Eon «allen Kunden schon bald verbesserte Leistungen und Produkte aus einer Hand anbieten». Um grünes Licht aus Brüssel zu erhalten, hat Eon einige Zugeständnisse gemacht. Unter anderem wollen sich die Essener in Deutschland von 260.000 Kunden trennen, die Heizstrom beziehen.

Der Wettbewerb auf dem Strommarkt müsse von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt «eng und kritisch» begleitet werden, forderte Verbraucherschützer Sieverding. Die beiden Behörden bräuchten deshalb ausreichend Personal und politische Rückendeckung. Wenn die Kontrolle gewährleistet sei, müsse die Fusion für die Verbraucher «nicht unbedingt ein Nachteil sein».

Vestager hatte sich zuletzt als durchaus kritisch gegenüber großen Fusionen erwiesen. Beim gescheiterten Zusammenschluss der Zug-Riesen Siemens und Alstom pochte sie darauf, den Wettbewerb im europäischen Markt für Hochgeschwindigkeitszüge zu sichern. Auch bei der geplatzten Stahl-Fusion zwischen Thyssenkrupp und dem indischen Konkurrenten Tata blieb Vestager hart, «um ernsthaften Schaden von europäischen Industriekunden und Verbrauchern abzuwenden». Zur Prüfung der Eon-Pläne hatte sie gesagt, die Übernahme von Innogy dürfe «keine Preiserhöhungen zur Folge» haben.

Veröffentlicht am:
07. 09. 2019
13:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alstom Alternative Energien Bundeskartellamt Bundesnetzagentur Energiemarkt Eon AG Innogy Johannes Teyssen Margrethe Vestager RWE AG Siemens AG Strommarkt Tata-Gruppe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
RWE und Eon

17.09.2019

Brüssel erlaubt Deal zwischen RWE und Eon unter Auflagen

Es ist einer der spektakulärsten Deals der vergangenen Jahre: Die beiden Platzhirsche der Strombranche, Eon und RWE, stecken ihre Reviere neu ab. Die EU-Wettbewerbshüter stellen Bedingungen - doch reichen diese? » mehr

Eon

13.05.2019

Eon sieht Innogy-Prüfung im Plan

Thyssenkrupp hat die EU-Kommission bei der Stahlfusion einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Essener Nachbar Eon ist zuversichtlich, dass es ihm bei der Innogy-Übernahme nicht ähnlich geht. » mehr

RWE-Tower

14.11.2019

Gute Geschäfte bei RWE: Konzern hebt Prognose erneut an

Der Braunkohleverstromer RWE hat finanziell schwere Zeiten hinter sich. Nach dem Einstieg in die erneuerbaren Energien sieht sich der Stromversorger aber für die Zukunft gerüstet. Aktuell geholfen hat auch eine Entscheid... » mehr

Eon

26.08.2019

Innogy-Übernahme: Stadtwerke wollen strenge Auflagen für Eon

Mehrere Stadtwerke und Regionalversorger haben die EU-Kommission aufgefordert, die Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch den Essener Energieriesen Eon zu untersagen. » mehr

RWE Zentrale

30.09.2019

RWE will mit Ökostrom weltweit wachsen

Das Ruhrgebiet und die Braunkohlefelder im Rheinland werden RWE zu klein. Nach dem Deal mit dem alten Rivalen Eon will der Energiekonzern weltweit wachsen. Beim Kohleausstieg ist ihm die Politik in Berlin zu langsam. » mehr

Steckdose

15.11.2019

Viele Haushalte bleiben dem örtlichen Stromlieferanten treu

Stromkunden werden in Deutschland kräftig umworben. Nachdem die Stadtwerke in den vergangenen Jahren Boden verloren haben, hat sich ihr Marktanteil stabilisiert. Durch einen Wechsel können die Verbraucher sparen, rechnet... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Turbine leuchtet in Kulmbach Kulmbach

Kulmbacher Turbinenhaus | 16.11.2019 Kulmbach
» 17 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
07. 09. 2019
13:00 Uhr



^