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Ryanair zieht Flieger ab: Kritik von Verdi

Erst vor einigen Tagen haben Piloten und Flugbegleiter bei Ryanair gestreikt. Nun gibt das irische Unternehmen neue Einschnitte bekannt - Gewerkschafter sehen darin einen «Vergeltungsschlag».



Ryanair
Für Ryanair sind die zahlreichen Streiks teuer geworden.   Foto: Marcel Kusch

Der Billigflieger Ryanair zieht Maschinen aus Deutschland ab. Der Standort Bremen mit zwei stationierten Flugzeugen soll Anfang November schließen, wie die irische Gesellschaft ankündigte.

Im nordrhein-westfälischen Weeze werden künftig nur drei statt fünf geplanter Flugzeuge stationiert. «Alle betroffenen Kunden wurden benachrichtigt. Der Großteil der Strecken wird fortgeführt», teilte Sprecher Robin Kiely mit. Ab Bremen sollen ausländische Maschinen die meisten Strecken übernehmen, in Weeze sollen das die drei verbleibenden Flugzeuge machen. Ein Flughafensprecher rechnet damit, dass dort im Vergleich zu letztem Jahr 15 Prozent weniger Flüge angeboten werden.

Die Gewerkschaft Verdi warf der Airline vor, die Verlegung sei «ein Vergeltungsschlag» für die jüngsten Streiks. «Wir fordern Ryanair auf, diese Entscheidung sofort zurückzunehmen und nicht die Existenz der Beschäftigten zu bedrohen», teilte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle mit. An beiden Standorten hätten sich viele Beschäftigte an den Warnstreiks beteiligt.

«Die Drohung von Ryanair kann nur als Reaktion auf den Streik gewertet werden», hieß es auch bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Das Verhalten des Unternehmens sei nicht akzeptabel und diene dazu, die Piloten unter Druck zu setzen. «Anstatt konstruktiv zu verhandeln, werden die Mitarbeiter mit Standortschließungen und damit Versetzung und Kündigung bedroht», sagte VC-Vizepräsident Markus Wahl.

Nach Angaben von Verdi arbeiten in Bremen rund 90 Mitarbeiter für Ryanair. Die irische Airline will auch die Basis im niederländischen Eindhoven mit vier Maschinen dichtmachen. Die Standorte sollen nach Unternehmensangaben vom 5. November an dauerhaft geschlossen werden. Wie es für die Mitarbeiter weitergeht, ist noch unklar.

Die Fluggesellschaft hatte zuvor ihre Geschäftserwartungen gesenkt, etwa weil Treibstoff teurer geworden ist. Die vergangenen Streiks hätten zudem das Vertrauen der Kunden untergraben, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary. Am Freitag waren wegen der Ausstände bei Flugbegleitern und Piloten mindestens 250 Flüge ausgefallen.

Das fliegende Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen. Laut O'Leary musste der Billigflieger weniger Buchungen für die Herbstferien und die Weihnachtssaison verkraften. Auch die Ticketpreise fielen niedriger aus als gedacht. Die Airline verringert ihre Kapazitäten nun für die Wintersaison um ein Prozent.

Der Bremer Airport erwartet keine dramatischen Einschränkungen für Fluggäste. «Eine Schließung der Bremen-Basis im Winter bedeutet lediglich, dass die Bereitstellung der Crews der Ryanair-Maschinen in diesem Zeitraum nicht mehr aus dem Standort Bremen, sondern von anderen im Umlauf des Flugzeuges befindlichen Standorten erfolgt», sagte eine Sprecherin.

Am Flughafen Weeze nahe der niederländischen Grenze fliegen zum allergrößten Teil Ryanair-Maschinen. Dort seien in der vergangenen Wintersaison vier Ryanair-Flugzeuge stationiert gewesen - nun seien noch drei geplant, sagte ein Flughafensprecher. Der aktualisierte Flugplan liege noch nicht vor. Sie rechneten aber damit, dass nun etwa ein Siebtel weniger Flüge angeboten würde als vor einem Jahr. Ursprünglich hätte auf fünf Maschinen aufgestockt werden sollen.

Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. Die Maschinen fliegen mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern an. Im Geschäftsjahr 2017/2018 machten die Iren einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen die Geschäfte nun etwas schlechter ausfallen. Erwartet werden noch 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro Gewinn.

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dpa

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01. 10. 2018
19:42 Uhr

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