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Wirtschaft

Sewing: Spürbarer Jobabbau bei Deutscher Bank auch im Inland

«Respektlos», «kein Verständnis» - Deutsche Bank-Chef Sewing findet klare Worte für das Verhalten von zwei Mitarbeitern in London. Zugleich macht er klar: Beim Konzernumbau werden auch in Deutschland im größeren Umfang Stellen gestrichen.



Deutsche Bank
Dunkle Wolken sind über der Zentrale der Deutschen Bank aufgezogen.   Foto: Arne Dedert/Illustration

Der radikale Konzernumbau bei der Deutschen Bank wird auch eine größere Zahl von Mitarbeitern im Inland ihren Job kosten.

«Natürlich wird auch in Deutschland eine substanzielle Zahl an Stellen wegfallen», sagte Vorstandschef Christian Sewing dem «Handelsblatt» (Freitag). Wie viele es sein werden, sagte er nicht. Als «respektlos» bezeichnete Sewing das Verhalten von Mitarbeitern in der Londoner Niederlassung Anfang der Woche. Sie hatten einen Maßschneider bestellt, während Kollegen über ihre Kündigung informiert wurden.

Deutschlands größtes Geldhaus hat sich unter dem seit April 2018 amtierenden Vorstandschef einen radikalen Konzernumbau verordnet. Das Institut will sich unter anderem aus dem Aktienhandelsgeschäft zurückziehen. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen weltweit rund 18.000 von zuletzt rund 91.000 Vollzeitstellen gestrichen werden. In Deutschland hatte die Bank Ende März 2019 insgesamt gut 41.500 Vollzeitjobs.

Mit Blick auf Einschnitte auf dem Heimatmarkt sagte Sewing, es sei wichtig zu wissen, «dass der schon zuvor geplante Abbau im Zuge der Integration der Postbank bereits in der Gesamtzahl enthalten ist». Erst kürzlich war ein weiterer Abbau von gut 2000 Stellen im Privatkundengeschäft vereinbart worden, zu dem die Postbank gehört. Die Deutsche Bank habe in der Vergangenheit sozialverträgliche Lösungen gefunden. «Das werden wir auch in Zukunft tun», betonte Sewing.

Der Betriebsrat der Deutschen Bank dringt auf rasche Klarheit. «Wir erwarten, dass der Vorstand bald mit konkreten Abbauplänen für Deutschland auf uns zukommen wird», sagte Konzernbetriebsratschef Frank Schulze jüngst. «Wir sind zuversichtlich, dass wir den Stellenabbau ohne Kündigungen und sozialverträglich hinbekommen werden.» In Asien, aber auch in London und New York waren dagegen bereits am Montag die ersten Mitarbeiter vor die Tür gesetzt worden.

Beim angestrebten internen Kulturwandel sieht Sewing die Bank längst nicht am Ziel. «Wir als Führungskräfte müssen aufmerksam bleiben. Denn es passieren immer noch Dinge, die uns nicht gefallen können. Da müssen wir sofort eingreifen und gegensteuern», sagte er.

Sewing sprach auch einen Vorfall zu Wochenbeginn bei der Deutschen Bank in London an: «Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, dass in unserer Niederlassung in London am Montag jemand Schneider bestellt hat, um Maßanzüge auszumessen», sagte Sewing. «Am gleichen Tag mussten wir vielen Mitarbeitern im Aktienhandel sagen, dass sie gehen müssen, weil wir ihre Abteilung schließen.» Dass jemand an so einem Tag einen Schneider kommen lasse, sei respektlos. «Dieses Verhalten steht in keiner Weise im Einklang mit unseren Werten», ergänzte der Vorstandschef. Er gehe davon aus, «dass die beiden Kollegen meinen Anruf nicht vergessen werden».

Zugleich räumte Sewing ein, dass die umstrittenen millionenschweren Bonuszahlungen in der Vergangenheit «viel zu hoch und viel zu sehr an kurzfristige Erfolgsmaßstäbe geknüpft» gewesen seien. «Das war ein Grund für die kulturellen Probleme in unserer Bank.»

Nachdem ein Zusammengehen mit der Commerzbank nicht für sinnvoll erachtet wurde, will Sewing die Deutsche Bank erst einmal alleine voranbringen: «Es bringt nichts, jetzt über einen dritten oder vierten Fusionsanlauf mit der Commerzbank zu sprechen. Wir haben uns für diesen Alleingang entschlossen, jetzt lassen Sie uns bitte erst mal machen», sagte er. «Wenn es dann zu einer Konsolidierung kommen sollte, fände ich europäische Zusammenschlüsse logischer als nationale. Aber das ist Zukunftsmusik», sagte Sewing.

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dpa

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Veröffentlicht am:
12. 07. 2019
12:55 Uhr

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