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Thyssenkrupp-Stahlkocher fordern sichere Jobs

Bei Thyssenkrupp wächst die Unruhe. Die Stahlarbeiter fühlen sich als «Schmuddelkinder» des Konzerns behandelt. Jahrelang sei nicht in moderne Anlagen investiert worden. Das räche sich jetzt.



Stahlarbeiter von Thyssenkrupp demonstrieren in Duisburg
Beim angeschlagenen Industriekonzern Thyssenkrupp bangen die Beschäftigten der Stahlsparte um ihre Arbeitsplätze.   Foto: Marcel Kusch/dpa » zu den Bildern

Bei den Stahlarbeitern von Thyssenkrupp wächst die Wut. Vor einer Aufsichtsratssitzung der Stahlsparte des angeschlagenen Industriekonzerns machten sie am Dienstag ihrem Unmut lautstark Luft und forderten den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Thyssenkrupp will bis zu 2000 der insgesamt 27.000 Arbeitsplätze beim Stahl abbauen. Ein Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, läuft Ende des Jahres aus. Nach Angaben der IG Metall waren 6000 Mitarbeiter vor das Verwaltungsgebäude von Thyssenkrupp Steel in Duisburg gezogen.

Der Vorstand der Stahlsparte wollte in der Aufsichtsratssitzung sein Konzept für die Zukunft des größten deutschen Stahlproduzenten vorstellen. Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass der Kündigungsschutz verlängert wird. Thyssenkrupp mit weltweit 162.000 Mitarbeitern hatte bereits den konzernweiten Abbau von 6000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Der Ruhrkonzern steckt seit langem in der Krise und schreibt rote Zahlen. Zuletzt musste er sogar den führenden Börsenindex Dax verlassen. Auch die Stahlsparte steht unter Druck, weil die geplante Stahlfusion mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkonzerns Tata von der EU untersagt worden war. Der Bau von zwei Stahlwerken vor über zehn Jahren in Brasilien und den USA hatte den Konzern an den Rand des Ruins gebracht und belastet ihn noch heute.

Redner von IG Metall und Betriebsrat warfen dem Management vor, mit Blick auf die Fusion jahrelang notwendige Investitionen in den Stahl unterlassen zu haben. «Der Stahlbereich ist durch fehlende Investitionen der letzten Jahre regelrecht ausgehungert», sagte der frühere IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssenkrupp Steel ist. Das Unternehmen erklärte, angesichts der wirtschaftlichen Situation sei der finanzielle Spielraum begrenzt. Für den Stahlbereich seien aber bereits Investitionen von 570 Millionen Euro jährlich geplant. Arbeitnehmervertreter hatten eine fast dreimal so hohe Summe gefordert.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel, Tekin Nasikkol, machte die Führung des Konzerns für die Misere beim Stahl verantwortlich. «Dieser Konzern wurde von unfähigen Managern zugrunde gewirtschaftet», sagte er. Jahrelang seien die Stahlarbeiter als «Schmuddelkinder des Konzerns» behandelt worden. Sogar Reparaturen seien unterlassen oder nur notdürftig durchgeführt worden. Dabei habe der Stahl in den vergangenen zehn Jahren 3,5 Milliarden Euro an Gewinnen in die Konzernkasse überwiesen. «Jetzt ist es an der Zeit, dass dieses Geld wieder zurückfließt», forderte Nasikkol.

Zu der Kundgebung waren Thyssenkrupp-Beschäftigte aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Duisburg gekommen. Michael Faust war aus dem Siegerland angereist, wo er in einer Bandbeschichtungsanlage arbeitet. «Die Stimmung unter den Kollegen ist schlecht», berichtete er. «Vom Vorstand gibt es keine klaren Aussagen zur Zukunft.» Jörg Jakob, der aus der Kokerei des Stahlwerks gekommen war, forderte: «Wir brauchen frisches Geld. Jahrelang hat es nur Sparprogramme gegeben.»

Nach der Aufsichtsratssitzung teilte die IG Metall am Abend mit, das vom Vorstand vorgelegte Strategiepapier beinhalte «Investitionsplanungen in erheblichem Umfang, aber auch Restrukturierungsmaßnahmen». Gewerkschaft und Betriebsrat würden das Konzept jetzt prüfen. Dafür sei Zeit gewonnen, weil es die Zusage gebe, dass der Ende des Jahres auslaufende Kündigungsschutz um mindestens drei und maximal sechs Monate verlängert werde. Für die Gewerkschaft bleibe klar: «Am Ende darf der gesamte Prozess nicht zu betriebsbedingten Kündigungen führen», sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler.

Die erst seit Anfang Oktober amtierende neue Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz muss einen Strategieschwenk beim Stahl einleiten. Das Joint Venture mit Tata sollte die Abhängigkeit des Konzerns vom konjunkturabhängigen Stahlgeschäft deutlich verringern. Jetzt könnte die Bedeutung des Stahls für den Konzern wieder wachsen - und das in schwierigen Zeiten. Allein bis Ende Oktober ist die Rohstahlproduktion in Deutschland nach Angaben des Branchenverbands um 4,6 Prozent gesunken. Hinzu kommt, dass der Klimaschutz immense Summen erfordert. Thyssenkrupp kalkuliert mit Investitionen von rund 10 Milliarden Euro in den kommenden 30 Jahren.

Geld für den Umbau des Konzerns soll die profitable Aufzugssparte bringen. Ob dies über einen Börsengang, einen Komplett- oder einen Teilverkauf geschehen soll, ist nach Unternehmensangaben noch offen. Auch bei den Mitarbeitern des Aufzugsgeschäfts herrscht Verunsicherung. Sie haben für Mittwoch eine Kundgebung vor der Konzernzentrale in Essen angekündigt. Die Zeiten bei Thyssenkrupp bleiben unruhig.

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 12. 2019
21:56 Uhr

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