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Wirtschaft

Thyssenkrupp will 6000 Stellen streichen

Thyssenkrupp sagt nach Gegenwind aus der EU-Kommission die Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata ab. Das hat weitreichende Folgen - vor allem für die Beschäftigten.



Stahlfusion gescheitert
Nach der geplatzen Stahlfusion plant Thyssenkrupp die Streichung von 6000 Stellen, 4000 davon in Deutschland.   Foto: Marcel Kusch » zu den Bildern

Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat bei der Sanierung des kriselnden Industriekonzerns einen schweren Rückschlag erlitten. Die schon weit vorangetriebene Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata sei «am Widerstand der Europäischen Kommission gescheitert», sagte Kerkhoff.

In den kommenden drei Jahren will der Essener Konzern jetzt 6000 Stellen streichen, 4000 mehr als bisher geplant. Entlassungen schließt er dabei nicht aus. Auch Tata rechnet mit einem Nein der Wettbewerbshüter zu der Stahlfusion.

Wegen des erwarteten Vetos aus Brüssel sagte Kerkhoff auch die geplante Aufspaltung von Thyssenkrupp in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter ab. «Der Konzern bleibt als Ganzes erhalten», kündigte er an. Um neues Geld in die Kasse zu bekommen, will Kerkhoff jetzt die profitable Aufzugssparte des Konzerns an die Börse bringen. Das hatten Investoren immer wieder gefordert. An der Börse kam die Ankündigung gut an. Der Aktienkurs des Dax-Unternehmens legte zeitweise um mehr als 20 Prozent zu.

Die Fusion galt als ein Kernstück des geplanten Konzernumbaus. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Thyssenkrupp wollte damit die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet.

Für die rund 27.000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp beim Stahl sei das Veto der EU-Kommission «ein harter Schlag», sagte Kerkhoff. Ihnen hätte die Fusion mit Tata «eine Zukunftsperspektive gegeben». Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht.

Dieser Tarifvertrag werde jetzt nicht in Kraft treten, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bei einem Abbauprogramm dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen werden. Von den 6000 Stellen sollen 4000 in Deutschland abgebaut werden. Weltweit hat der Konzern rund 160.000 Mitarbeiter. Die Verwaltungskosten will Thyssenkrupp von derzeit 380 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren nahezu halbieren.

Die IG Metall forderte auch unter den neuen Bedingungen «langfristige Sicherheiten» für die Beschäftigten. Einnahmen aus dem Börsengang der Aufzugssparte dürften nicht an die Aktionäre ausgeschüttet werden, sagte der nordrhein-westfälische Bezirksleiter Knut Giesler. Das Geld müsse für die Stabilisierung des Konzerns eingesetzt werden. Thyssenkrupp will nach den Worten von Kerkhoff eine Mehrheitsbeteiligung an der Aufzugssparte halten.

Die Lage von Thyssenkrupp hatte sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Thyssenkrupp sei trotz aller Anstrengungen «noch immer kein starker Industriekonzern», klagte Kerkhoff. Der Aktienkurs war seit Ende vergangenen Jahres um 40 Prozent eingebrochen. Die Aufspaltung des Konzerns sei an der Börse immer mehr infrage gestellt worden, räumte der Vorstandschef ein.

Schwache Zahlen im bisherigen Geschäftsjahr und eine wohl deutlich höher als erwartet ausfallende Kartellstrafe beim Stahl kämen hinzu. Unter diesen Rahmenbedingungen sei die Teilung des Konzerns nicht mehr die beste Lösung. «Den von uns beabsichtigten Neustart bekommen wir so nicht mehr hin», sagte Kerkhoff.

Um die Genehmigung aus Brüssel zu erhalten, wollten Thyssenkrupp und Tata kleinere Werke verkaufen. Auch weitere wirtschaftlich gerade noch vertretbare Angebote hätten die Bedenken nicht ausgeräumt, sagte Kerkhoff, der am Morgen mit Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager gesprochen hatte. «Wir machen keinen wirtschaftlichen Unfug», betonte der Vorstandsvorsitzende.

Die EU-Kommission wollte die Ankündigung von Thyssenkrupp am Freitag nicht kommentieren. Ein Sprecher von Vestager sagte, der Fall sei noch nicht abgeschlossen. Aktuell sei eine Entscheidung bis zum 17. Juni vorgesehen.

Den Aufsichtsrat, in dem die Krupp-Stiftung und der schwedische Investor Cevian die größten Aktienpakete vertreten, sieht Kerkhoff auf seiner Seite. Cevian-Co-Chef Lars Förberg forderte, bei Thyssenkrupp sei eine fundamentale Neuausrichtung dringend notwendig. Es dürfe «keine historischen oder politischen Tabus mehr geben». Die Krupp-Stiftung versicherte, sie stehe «nach wie vor an der Seite des Unternehmens und seiner Mitarbeiter». Das Unternehmen müsse in allen Geschäftsfeldern wettbewerbsfähig aufgestellt sein, «mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen Dividendenfähigkeit».

Die turbulenten Zeiten bei Thyssenkrupp gehen mit dem Aus für Stahlfusion und Aufspaltung weiter. Im vergangenen Sommer hatte zunächst der damalige Vorstandschef Heinrich Hiesinger, der die Fusion eingefädelt hatte, überraschend das Handtuch geworfen. Kurz darauf folgte ihm Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, der mangelndes Vertrauen der großen Aktionäre als Grund für sein Ausscheiden nannte.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 05. 2019
16:16 Uhr

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10. 05. 2019
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