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Wirtschaft

Triebwerksbauer Rolls-Royce will Töchter losschlagen

Der Einbruch des weltweiten Luftverkehrs könnte Rolls-Royce noch stärker treffen als andere Triebwerkshersteller. Der Konzern will sich jetzt Geld beschaffen.



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Rolls-Royce will Unternehmensbeteiligungen verkaufen.   Foto: Felix Kästle/dpa

Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce will sich nach einem Milliardenverlust in der Corona-Krise mit dem Verkauf von Geschäftsteilen Geld beschaffen.

Der Verkauf von Beteiligungen wie dem spanischen Hersteller ITP Aero könne mehr als zwei Milliarden britische Pfund (2,2 Mrd Euro) einbringen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in London mit. Die Erholung des Geschäfts auf das Vorkrisenniveau dürfte einige Jahre dauern, schätzt das Management.

Angesichts der schweren Krise, in die die Pandemie die gesamte Luftfahrtbranche gestürzt hat, versucht Rolls-Royce-Chef Warren East die Bilanz des Konzerns zu stärken. Einschließlich ungenutzter Kreditlinien verfügte Rolls-Royce Ende Juni über eine Liquidität von 6,1 Milliarden Pfund. Seitdem hat sich das Unternehmen einen weiteren Kredit über 2 Milliarden Pfund gesichert.

Im ersten Halbjahr brach der Umsatz um mehr als ein Viertel auf 5,8 Milliarden Pfund ein. Nachdem das Unternehmen bereits ein Jahr zuvor in den roten Zahlen gesteckt hatte, schwoll der Nettoverlust nun von 909 Millionen auf 5,4 Milliarden Pfund an. Neben einem Verlust im laufenden Geschäft trug dazu vor allem eine Wertberichtigung auf Geschäfte zur Absicherung von Währungskursen bei.

Die Not des Konzerns trifft auch die Belegschaft. Insgesamt sollen bis zu 8000 Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte wegfallen, rund ein Drittel der Belegschaft aus der Zeit vor der Pandemie. In der Verwaltung stehen weitere 1000 Stellen auf der Streichliste. Mehr als 4000 Mitarbeiter hätten Rolls-Royce bereits verlassen, hieß es nun.

Der Einbruch des weltweiten Luftverkehrs und die Notlage vieler Airlines droht Rolls-Royce noch stärker zu treffen als andere Triebwerkshersteller. Im Gegensatz zu General Electric aus den USA, Safran aus Frankreich, dem US-Unternehmen Pratt & Whitney und der deutschen MTU haben sich die Briten ganz auf Antriebe für Großraumflugzeuge von Boeing und Airbus verlegt, die auf Langstreckenverbindungen zum Einsatz kommen.

Airline-Manager und Flugzeughersteller erwarten, dass sich das Geschäft mit Fernflügen als Letztes von der Krise erholt. Boeing und Airbus haben ihre Produktionspläne für die nächsten Jahre kräftig zusammengestrichen. Dabei fallen die Kürzungen bei Großraumjets wie der Boeing 787 «Dreamliner» und dem Airbus A350 noch deutlich stärker aus als bei den Mittelstreckenjets wie dem Airbus A320neo und der Boeing 737 Max. Auch bei den Flugzeugherstellern stehen deshalb Tausende Jobs auf der Streichliste.

Entsprechend düster schätzt die Rolls-Royce-Führung die Geschäftsaussichten ein. Für das laufende Jahr rechnet das Management auf vergleichbarer Basis mit einem Umsatzrückgang um 25 bis 30 Prozent. In den Jahren 2020 bis 2022 soll der Konzern nach den jetzigen Plänen jeweils etwa 250 neue Triebwerke ausliefern und damit nur knapp halb so viele wie im Jahr 2019. Für die Zeit danach erwartet der Rolls-Royce-Chef zwar, dass sich das Geschäft schrittweise erholt. Bis Mitte des Jahrzehnts dürften die Auslieferungen unter dem Niveau von 2019 bleiben.

Auch die Tatsache, dass viele Airlines Langstreckenjets derzeit kaum einsetzen, kostet Rolls-Royce Umsatz. Denn der Konzern lässt sich die Antriebe oft in Vollserviceverträgen nach absolvierten Flugstunden bezahlen. Die Einsatzstunden dürften im laufenden Jahr aber nicht einmal halb so hoch ausfallen wie 2019, schätzt die Konzernspitze. Und vor 2023 dürfte das alte Niveau nicht wieder erreicht werden.

Auch die in Friedrichshafen ansässige Tochter Rolls-Royce Power Systems machte angesichts eines Nachfrageeinbruchs schlechtere Geschäfte. Der Antriebssysteme- und Großmotorenhersteller verbuchte im ersten Halbjahr nur noch einen um Währungsdifferenzen und Sondereffekte bereinigten Vorsteuergewinn von 22 Millionen Pfund (rund 25 Mio Euro). Das waren 79 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie die Firma mitteilte. Zum Nettogewinn machte das Unternehmen keine Angaben. Der bereinigte Umsatz sackte um 11 Prozent auf 1,25 Milliarden Pfund (rund 1,4 Mrd Euro) ab. Finanzchefin Louise Öfverström begründete den Einbruch mit einer «spürbaren Zurückhaltung» der Kunden infolge der Corona-Pandemie.

© dpa-infocom, dpa:200827-99-330062/3

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 08. 2020
14:48 Uhr

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27. 08. 2020
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