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Wirtschaft

Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

«Eure Untätigkeit heizt die Flammen an»: Greta Thunberg verschärft beim Treffen des Weltwirtschaftsforums den Ton in der Klimadebatte noch einmal. Dafür gibt es viel Applaus. Einen lässt das alles kalt.



Greta Thunberg
«Unser Haus brennt noch immer», sagte Greta Thunberg beim Weltwirtschaftsforum in Davos.   Foto: Michael Probst/AP/dpa » zu den Bildern

US-Präsident Donald Trump und Klimaaktivistin Greta Thunberg haben sich in Davos ein Fernduell um den Klimaschutz geliefert.

«Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und die Vorhersagen einer Apokalypse ablehnen», sagte Trump bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF). «Dies ist keine Zeit für Pessimismus, dies ist eine Zeit für Optimismus», sagte er. Man dürfe sich nicht von den Schwarzsehern beeinflussen lassen. Thunberg und andere Aktivisten mahnten dagegen sofortiges Handeln an.

«Unser Haus brennt noch immer. Eure Untätigkeit heizt die Flammen stündlich an», rief Thunberg den Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu. «Wir sagen euch immer noch, dass ihr in Panik geraten und so handeln sollt, als ob ihr eure Kinder über alles liebt.» Sie kritisierte, «leere Worte und Versprechen» sollten den Eindruck erwecken, dass etwas für das Klima getan werde, sie brächten aber nichts gegen die Klimakrise.

Trump und Thunberg sprachen kurz nacheinander in unterschiedlichen Räumen. Die 17-jährige Schwedin hatte sich vor ihrer Rede den Auftritt des US-Präsidenten im Publikum angehört. Ein Treffen der beiden galt aber als ausgeschlossen.

Trump nahm weder das Wort Klimawandel noch den Namen Thunberg in den Mund. Die USA hätten Wachstum, Kreativität und die Bereitschaft, jeder Herausforderung zu begegnen, betonte er. «Dies ist keine Zeit für Pessimismus, dies ist eine Zeit für Optimismus», sagte er. Trump hatte früher den Klimawandel einen «Scherz» genannt. Davon ist er mittlerweile abgerückt. Aber er bezweifelt immer noch, dass die Klimaveränderungen menschengemacht sind. Auch Prognosen zu drastischen Auswirkungen des Klimawandels stellt er in Frage.

Grünen-Chef Robert Habeck nannte Trumps Rede ein Desaster für die Konferenz. Nach dem Auftritt des US-Präsidenten sei «noch klarer» zu sehen, dass die Richtung gewechselt werden müsse: «Wir müssen den Kampf mit Donald Trump aufnehmen, er steht auf der anderen Seite.»

US-Botschafter Richard Grenell kritisierte anschließend über die «Bild»-Zeitung Habeck. «Er hätte besser zuhören sollen. Dann hätte er vielleicht verstanden, wie man eine Wirtschaft massiv wachsen lassen und zeitgleich den CO2-Ausstoß senken kann - zwei Dinge, die er noch lernen muss», sagte Grenell nach Angaben des Blattes.

Die Hilfsorganisation Oxfam betonte: Es sei beschämend, dass der Präsident eine Verkaufsrede für die amerikanische Öl- und Gasindustrie halte, statt Bedrohungen des Klimanotstands zu begegnen.

Trump traf sich auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Danach teilte das Weiße Haus mit, beide Seiten seien sich einig, globalen Herausforderungen wie «Chinas unfairen Handelspraktiken» gemeinsam zu begegnen. Die US-Regierung erwarte «in naher Zukunft messbare Fortschritte» beim Abschluss eines Handelsabkommens. Von der Leyen zeigte sich einer Mitteilung zufolge «überzeugt, dass wir uns auf eine positive US-EU-Agenda für Handel, Technologie, Energie und vieles mehr einlassen können». Sie freue sich, mit Trump «an den vor uns liegenden Chancen und Herausforderungen zu arbeiten». Angela Merkel wird Trump nicht begegnen: Wenn er am Mittwoch abreist, ist die Kanzlerin noch nicht da.

Der US-Präsident steht wegen des Amtsenthebungsverfahrens, dessen inhaltlicher Teil am Dienstag beginnt, innenpolitisch unter großem Druck. Doch anstatt sich im Weißen Haus zu verstecken, sucht er knapp zehn Monate vor der US-Präsidentenwahl das globale Rampenlicht.

In weiten Teilen klang Trumps Rede wie eine seiner Wahlkampfreden. Er lobte ausführlich die gute Wirtschaftsentwicklung und niedrige Arbeitslosigkeit in den USA, die er auf seine Politik zurückführte. «Amerika wächst und gedeiht, und ja: Amerika gewinnt wieder wie niemals zuvor», sagte Trump. Im Vergleich zu der Vorgängerregierung mit geringem Wachstum und stagnierenden oder fallenden Löhnen sei die Entwicklung nun «spektakulär». Für die Zukunft prognostizierte er «gewaltige» Chancen für die US-Wirtschaft. Trump rief andere Länder dazu auf, sich ein Beispiel an den USA zu nehmen. Das «amerikanische Modell» werde die größten Gewinne im 21. Jahrhundert erzeugen.

Er lobte auch die Beziehungen zu China nach Abschluss eines ersten Handelsdeals. «Unsere Beziehungen zu China sind besser als je zuvor», sagte Trump. Mit Blick auf Chinas Präsident Xi Jinping, den er als guten Freund bezeichnete, sagte er: «Er ist für China, ich bin für die Vereinigten Staaten. Aber ansonsten lieben wir uns.» Vergangene Woche hatten die USA ein lange verhandeltes erstes Abkommen mit Peking für neue Bedingungen im bilateralen Handel geschlossen.

Chinas Vizeministerpräsident Han Zheng machte sich in Davos für Globalisierung und offene Märkte stark. «Unilaterale und protektionistische Praktiken, die gegen den weltweiten Trend laufen, führen nirgendwo hin», sagte er, ohne die konfrontative Handelspolitik von Trump direkt zu nennen. Er versprach mehr Marktzugang für ausländische Unternehmen: «China wird sich der Welt weiter öffnen.» Er begrüßte das Teilabkommen über die erste Phase im Handelskonflikt mit den USA als «gut für China, gut für die USA und gut für die Welt». Die zugesagten zusätzlichen Einfuhren von US-Waren nach China würden nicht zu Lasten anderer Handelspartner gehen.

Im Mittelpunkt des viertägigen Treffens in den Schweizer Alpen mit rund 3000 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stehen der Kampf gegen den Klimawandel sowie geopolitische Krisen etwa im Nahen Osten und in Libyen. Papst Franziskus rief die Teilnehmer zur Zusammenarbeit auf. «Der übergeordnete Gedanke, der nie vergessen werden darf, ist, dass wir alle Mitglieder der einen menschlichen Familie sind», hieß es in einem Grußwort des Kirchenoberhaupts.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 01. 2020
20:26 Uhr

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