Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

Tüv-Gutachten: NO2-Messstellen in Deutschland stehen richtig

Die Stadtluft ist vielerorts weiterhin zu stark mit Stickoxid aus Diesel-Abgasen belastet. Im Streit um Diesel-Fahrverbote heißt es oft, in Deutschland werde zu streng gemessen. Nun hat der Tüv sich das genauer angeschaut.



NO2-Messstelle
Eine NO2-Messstelle misst die Luftqualität an der Leipziger Straße in Berlin.   Foto: Britta Pedersen

Die Messstellen für gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) in Städten sind nach einer Tüv-Untersuchung insgesamt vorschriftsmäßig aufgestellt.

Bei 66 von 70 Messstellen, die im Zuge des Streits um Diesel-Fahrverbote überprüft wurden, gab es demnach keine Auffälligkeiten. Drei weitere liefern nach Einschätzung des Tüv Rheinland repräsentative Ergebnisse, obwohl die Standorte leicht von den EU-Vorschriften abweichen. Die Ergebnisse stellten Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Tüv-Experte Peter Wilbring am Mittwoch in Berlin vor.

Für eine Messstelle im Berliner Stadtteil Neukölln, die vier Meter näher an einer verkehrsreichen Kreuzung steht als erlaubt, empfehlen die Experten zwar weitere Untersuchungen.

Sie schließen die Eignung aber nicht aus. Der Tüv Rheinland hatte 70 Messstellen in verkehrsreichen Gebieten untersucht, darunter alle, an denen 2017 der zulässige Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten wurde. In Nordrhein-Westfalen wurde nicht nochmal überprüft, da der Tüv das dort bereits erledigt hatte.

Zu hohe NO2-Werte sind der Grund für Fahrverbote für ältere Diesel, denn Dieselautos sind in Städten für einen großen Teil der Belastung verantwortlich. Wo gemessen wird, schreibt eine EU-Richtlinie vor, die allerdings einen gewissen Spielraum lässt.

Kritiker hatten immer wieder behauptet, in Deutschland werde zu streng gemessen. Die Tüv-Befunde entlarvten «die Nebelkerzen, die Ablenkungsmanöver, als das, was sie wirklich waren», sagte Ministerin Schulze, «eine unnötige Verunsicherung der Menschen.» In der Zeit hätte man stattdessen mehr für saubere Stadtluft tun können.

Untersucht wurden Messstellen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Die Experten prüften unter anderem den Strandort, die Höhe des Lufteinlasses, Windverhältnisse und andere Quellen für NO2, die Einfluss auf die Werte haben könnten. Sie prüften meistens anhand von Dokumenten und in 19 Fällen vor Ort. Nicht komplett korrekt positioniert, aber trotzdem gültig sind laut Gutachten Messstellen im baden-württembergischen Pleidelsheim, am Münchener Stachus und in Wiesbaden.

Die FDP im Bundestag gibt sich mit der Tüv-Untersuchung nicht zufrieden - es hätte in jedem Fall vor Ort nachgemessen werden müssen, sagte Verkehrspolitiker Oliver Luksic der dpa. Außerdem müsse der Spielraum der Verordnung so weit wie möglich ausgenutzt werden. «Rechtskonform bedeutet nicht verhältnismäßig.» Messungen einen Meter höher oder weiter vom Fahrbahnrand entfernt machten den Unterschied, ob es am Ende zu Fahrverboten komme oder nicht.

Tüv-Experte Wilbring merkte an, dass die EU-Richtlinie und die entsprechende deutsche Verordnung teils «wenig präzise gefasst» seien mit Blick auf die Repräsentativität der Standorte. Die Bundesländer gingen damit unterschiedlich um, die Methoden seien «alle gut» und «in sich stichhaltig».

Trotz weiterer Verbesserungen war 2018 noch in 57 deutschen Städten die NO2-Belastung zu hoch. Die Bundesregierung versucht unter anderem mit Förderprogrammen, Fahrverbote zu vermeiden. Die deutschen Hersteller sind dabei, die Motorsoftware älterer Diesel zu erneuern, damit Abgas besser gereinigt wird. Autobesitzer sollen mit Prämien zum Kauf saubererer Wagen bewegt werden. Für Pkw-Nachrüstungen der Abgasreinigung direkt am Motor hat die Berliner Koalition die rechtlichen Grundlagen gelegt, sie sind aber noch nicht angelaufen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
16:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgase Bundesumweltministerium Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Dieselautos Dieselfahrverbote FDP Minister Oliver Luksic Ortsteil Produktionsunternehmen und Zulieferer Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Svenja Schulze Umweltbundesamt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Dieselfahrverbot

09.06.2020

Dieselabgase belasten Luft weniger: 25 Städte über Grenzwert

Monatelang bestimmte NO2 aus dem Auspuff von Dieselautos die Schlagzeilen, vom VW-Skandal über den Streit um Nachrüstungen bis zu Fahrverboten. Nun hat das Umweltbundesamt gute Nachrichten für Stadtbewohner. » mehr

Auto-Produktion

06.09.2020

Staatsfonds für Autofirmen angeregt

In der Autobranche geht es vor allem kleineren Zulieferfirmen in der Corona-Krise schlecht. Für sie dringt die Gewerkschaft IG Metall auf eine besondere Hilfe des Staates. Am Dienstag steht das nächste Spitzentreffen bei... » mehr

Andreas Scheuer

09.09.2020

Autobranche steht vor schwierigem Umbruch

Das «K-Wort» taucht nicht auf im Ergebnispapier des «Autogipfels» - eine Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotor. Helfen soll nun ein Fonds. Die Lage der Autoindustrie aber bleibt angespannt. » mehr

Verbot von Einweg-Plastik

24.06.2020

Verbot für Einweg-Plastik kommt Mitte 2021

Imbissbuden ohne Plastik-Gabel, Partys ohne Plastik-Trinkhalme, der Kaffee auf die Hand ohne Plastik-Rührstäbchen: Das soll in der EU ab Sommer 2021 Alltag werden. Das Verbot ist in Brüssel längst besiegelt. An der Umset... » mehr

Containerterminal im chinesischen Qingdao

24.06.2020

IWF senkt globale Wirtschaftsprognose erneut

Es ist die schwerste globale Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Corona-Pandemie führt auch in Industrieländern zu einem verheerenden Wachstumseinbruch. Für nächstes Jahr gibt es aber Hoffnung. » mehr

Emissionen

13.09.2020

CO2-Werte bei Autos sollen bis 2030 nochmals deutlich sinken

Die Autoindustrie steht im Umbruch - hin zu mehr Elektro und mehr digitaler Technik. Doch neue EU-Klimaziele könnten den Druck auf die Hersteller noch erhöhen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

A 9: Wohnmobil überschlägt sich Münchberg/Gefrees

A 9: Wohnmobil bei Unfall völlig zerstört | 18.09.2020 Münchberg/Gefrees
» 16 Bilder ansehen

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik Hof

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik | 29.08.2020 Hof
» 35 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
16:47 Uhr



^