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Wirtschaft

Tui erhält Milliardenkredit vom Staat

Der Reiseriese Tui will mit einem Staatskredit die Corona-Krise überbrücken. Aber das Urlaubsgeschäft liegt am Boden, viele Beschäftigte sind in Kurzarbeit. Auch andere Unternehmen ächzen. Reicht die Unterstützung aus?



TUI-Logo
Das Logo des Reiseunternehmens TUI neben einem geschlossenen Reisebüro.   Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Der Weg für ein staatliches Hilfspaket an den von der Corona-Krise schwer getroffenen Reisekonzern Tui ist frei. Mehrere Banken erklärten ihre Zustimmung zu einem vom Bund in Aussicht gestellten Kredit über 1,8 Milliarden Euro, wie der weltgrößte Reiseanbieter mitteilte.

Das Geld kommt von der staatlichen Förderbank KfW. Der entsprechende Vertrag mit der KfW ist unterschrieben und hat zunächst eine Laufzeit bis Oktober 2021, die sich bis Juli 2022 verlängern kann. Weil damit eine schon bestehende Kreditlinie für Tui im Wert von 1,75 Milliarden Euro aufgestockt werden soll, waren auch Vertragsanpassungen und ergänzende Beratungen mit einem Bankenkonsortium notwendig.

Man wolle nun die «weltweite Ausnahmesituation überbrücken» und bereite sich «intensiv auf die Zeit nach der Corona-Krise vor», sagte Tui-Vorstandschef Fritz Joussen.

Touristikfirmen gehören neben Airlines und dem Gastgewerbe zu den Branchen, die die Krise am härtesten trifft. Viele Länder haben den Flugverkehr ausgesetzt, Urlaubsbuchungen sind eingebrochen. Tui selbst hatte Mitte März nahezu das gesamte Programm aus Pauschalreisen, Flügen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb gestoppt.

Ein Ende der Einschränkungen ist noch nicht in Sicht. Nach Überzeugung von Ärztepräsident Klaus Reinhardt wird auch der Sommerurlaub in Deutschland noch mit massiven Einschränkungen verbunden sein. «Ich glaube nicht, dass die Deutschen in diesem Sommer schon wieder Urlaubsreisen machen können», sagte der Präsident der Bundesärztekammer den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ein Tui-Sprecher betonte dagegen, dass das Unternehmen derzeit mit den Regierungen von Mittelmeerländern darüber spreche, wie eine Wiederaufnahme des Tourismus noch im Sommer aussehen könnte.

Dennoch versucht Tui, die Kunden bereits heute auf die Hauptsaison 2021 einzustimmen. Der Flugplan für Mitte kommenden Jahres wurde für Buchungen freigeschaltet. Reisende könnten ihren Urlaub nun schon «langfristig umplanen». Auch beim Konkurrenten DER Touristik läuft die Aktualisierung der Reiseangebote für Sommer, Herbst und Winter auf Hochtouren. Und der Veranstalter Alltours betont, derzeit könne niemand absehen, wie sich die Lage entwickle. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wegen der Corona-Krise gilt vorerst bis Ende April.

«Wir teilen den Wunsch vieler Urlauber, dass auch das Reisen im Rahmen der Lockerungen bald wieder möglich sein wird», hieß es am Mittwoch von Tui. Zur Überbrückung haben die Hannoveraner mit dem neuen Kredit jetzt rund 3,1 Milliarden Euro zur Verfügung. Vor einigen Wochen lag die Liquidität noch bei 1,4 Milliarden Euro.

Noch größer als bei Tui ist der Finanzbedarf aber bei der Lufthansa. Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern verhandelt mit dem Bund über milliardenschwere Beihilfen, wie auch die ausländischen Konzerntöchter bei ihren Regierungen in Österreich, Belgien und der Schweiz angeklopft haben. Es geht dabei wohl um einen Mix selbst beschaffter Anleihen und direkter staatlicher Stützmaßnahmen. Eine komplette Verstaatlichung der Lufthansa haben Regierungsvertreter und Vorstandschef Carsten Spohr bislang ausgeschlossen.

Haupthindernis einer Einigung ist weiter die mit der EU-Kommission umstrittene Frage, ob Lufthansa ihre Kunden zunächst mit Gutscheinen abspeisen darf, statt ihnen die stornierten Tickets sofort zu erstatten. Fließt dieses Geld schnell ab, würde eine noch größere Finanzlücke entstehen. Mitte März hatte Lufthansa die vorhandene Liquidität auf gut fünf Milliarden Euro beziffert. Seinen Sparwillen hat der Vorstand am Dienstag demonstriert, als rund ein Zehntel der Konzernflotte ausgemustert und zudem das Ende der Tochter Germanwings eingeleitet wurde. Weitere Einschnitte sollen folgen.

Eine Unbekannte ist zudem die Zukunft des Ferienfliegers Condor, der eigentlich noch im April in den Besitz der polnischen Luftfahrt-Holding PGL wechseln sollte. Würde der Deal aus Vor-Corona-Zeiten platzen, könnte sich der Bund auch bei Condor zur Rettung gezwungen sehen. In mehreren Medien wurde für diesen Fall bereits über eine Integration in den Lufthansa-Konzern spekuliert.

Der Tui-Konzern mit rund 70.000 Beschäftigten traut sich derweil eine Prognose der weiteren Geschäftsentwicklung in diesem Jahr nicht mehr zu, nachdem der Januar noch der buchungsstärkste Monat der Unternehmensgeschichte war. Für zahlreiche Mitarbeiter wurde Kurzarbeit angezeigt - teils bis in den September hinein. Während der Laufzeit des neuen Kredits darf der Konzern zudem keine Dividende an die Aktionäre auszahlen. Schon im Geschäftsjahr 2019 war der Gewinn wegen des Flugverbots für die Boeing 737 Max deutlich geschrumpft.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, betonte, dass viele Unternehmen der Reisebranche gleich doppelt von den Folgen der Pandemie betroffen seien. «Einerseits haben sie keine Einnahmen mehr, andererseits müssen sie noch zusätzlich Gelder für stornierten Reisen und Flüge zurück erstatten», sagte er. «Dafür muss die Liquidität überbrückt werden.»

Das gelte aber nicht nur für die großen Player, auch viele kleine und mittelständische Unternehmen seien betroffen. Wenn die Hilfe jetzt wirke, könne es für die Betriebe dennoch eine Zukunft geben. «Die Touristik wurde als erste Branche mit voller Wucht getroffen. Ich bin aber auch davon überzeugt: Sie wird auch als erste wieder anlaufen, sobald die Beschränkungen wieder enden», sagte Bareiß.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
08. 04. 2020
16:54 Uhr

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