Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wirtschaft

USA und China verhandeln trotz Eskalation weiter

Ungeachtet der Androhung neuer US-Zölle will China erst einmal weiter mit den USA reden. Greift Peking aber zu Vergeltungsmaßnahmen, wären auch deutsche Autobauer wie BMW und Mercedes schwer betroffen.



Handelsgespräche zwischen China und USA
Liu He (r) reist erneut in die USA, um mit Steven Mnuchin (M) und Robert Lighthizer zu verhandeln.   Foto: Andy Wong/AP POOL

Trotz der Eskalation in ihrem Handelskrieg setzen die USA und China ihre Verhandlungen auf Spitzenebene fort.

Nach den Irritationen über die Ankündigung neuer hoher US-Sonderzölle auf Einfuhren aus China wollen die Unterhändler mit einem Tag Verspätung am Donnerstag und Freitag in Washington zusammenkommen, wie beide Seiten bestätigten. Die chinesische Delegation werde unverändert von Vizepremier Liu He angeführt, teilte das Pekinger Handelsministerium mit.

Mit der Ankündigung wurde vorerst die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Handelsgespräche beseitigt, da die Verhängung neuer Zölle in Peking für erkennbare Verärgerung gesorgt hatte. «Zusätzliche Zölle werden keine Probleme lösen», sagte Außenamtssprecher Geng Shuang vor Journalisten in Peking. «Es ist völlig normal für beide Seiten, Differenzen zu haben.» China weiche Widersprüchen nicht aus und wolle die Gespräche ernsthaft fortsetzen.

Aus Unzufriedenheit über die chinesische Verhandlungsführung hatte US-Präsident Donald Trump am Sonntag überraschend angekündigt, die bereits geltenden Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar von diesem Freitag an zu erhöhen - von bisher 10 auf 25 Prozent. Dies soll in der Nacht zu Freitag in Kraft treten, eine Minute nach Mitternacht. Trump drohte auch damit, bald alle Einfuhren aus China im Wert von mehr als 500 Milliarden US-Dollar mit solchen 25-prozentigen Zöllen zu überziehen.

Die US-Regierung machte China für die Eskalation verantwortlich. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sagte, China habe in den Verhandlungen bereits gemachte Zusagen wieder zurückgenommen. Die «Washington Post» zitierte Lighthizer mit den Worten: «Das ist aus unserer Sicht inakzeptabel.» Die neuen Forderungen der Chinesen seien der US-Regierung Ende vergangener Woche übermittelt worden und hätten Trump wütend gemacht, berichtete das Blatt.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sieht in der jüngsten Eskalation zwischen den USA und China eine «Bedrohung für die Weltwirtschaft». «Wir hatten den Eindruck, dass diese Bedrohung nachließ, dass sich die Beziehungen verbesserten und dass wir uns auf ein Abkommen zubewegten», sagte Lagarde der Nachrichtenagentur AFP zufolge in Paris. Man hoffe, dass das immer noch der Fall sei. Aber die Gerüchte, Tweets und Kommentare würden im Moment nicht dafür sprechen.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerte sich besorgt und sagte am Dienstag in Brüssel, der Handelskonflikt zwischen den USA und China könne Investitionen auf beiden Seiten des Atlantik abschwächen. Angesichts internationaler Spannungen und Unsicherheiten geht die EU-Kommission im laufenden Jahr von einem schwächeren Wirtschaftswachstum in der Eurozone aus. Gründe sind vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft und zunehmende internationale Handelskonflikte, vor allem eben zwischen den USA und China.

Auf neue US-Sonderzölle könnte China mit Vergeltung in ähnlicher Höhe reagieren. Solche «Gegenzölle» würden dann auch deutsche Autobauer wie BMW und Mercedes sowie den amerikanischen Elektro-Auto-Hersteller Tesla hart treffen, warnte der Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Alle drei exportieren im großen Stil von Produktionsstätten in den USA nach China. BMW dürfte 2018 «deutlich mehr als 100.000 Fahrzeuge» nach China verschifft haben.

Bei einem Zollkrieg müsste BMW mit Verlusten «von deutlich mehr als 500 Millionen Euro» im operativen Ergebnis rechnen. «Keine schöne Aussicht», meinte Dudenhöffer. Auch für Mercedes stelle der Handelskrieg «ein Gewinn-Risiko von 200 bis 300 Millionen Euro» dar, errechnete der Branchenfachmann. Der Export von Daimler aus den USA nach China dürfe etwa bei 40.000 Autos liegen.

Besonders dürfte der US-Elektrohersteller Tesla getroffen werden, der nächstes Jahr seine Fabrik in China starten will. In diesem Jahr dürfte mit der Einführung des Model S geplant werden, rund 150.000 Autos in China zu verkaufen - mehr als ein Drittel der Verkäufe weltweit. Bei der schwierigen Lage von Tesla gibt es laut Dudenhöffer damit ein «zusätzliches, außerordentlich hohes Unternehmensrisiko».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
15:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autofirmen BMW Christine Lagarde Daimler AG Donald Trump Euro Europäische Kommission Ferdinand Dudenhöffer Handelsgespräche Handelskonflikte Handelskriege Internationaler Währungsfonds Jean-Claude Juncker New York Stock Exchange (NYSE) Präsidenten der Europäischen Kommission Präsidenten der USA Steven Mnuchin Tesla Motors US-Regierung Universität Duisburg-Essen Weltwirtschaft Währungsfonds Zoll (Außenwirtschaft)
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Erste Einigung

15.01.2020

China und USA besiegeln erstes Handelsabkommen

Rechtzeitig zum US-Wahljahr einigen sich Peking und Washington auf ein erstes Handelsabkommen. Viele Probleme bleiben damit weiter bestehen. Doch vorerst ist keine weitere Eskalation zu befürchten. Und Trump feiert sich ... » mehr

Juncker erwartet keine Autozölle von Trump

08.11.2019

Entspannung im Streit um Autozölle mit USA?

US-Präsident Trump droht seit Monaten mit Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU. Vor allem deutsche Hersteller würde das heftig treffen. In wenigen Tagen fällt die Entscheidung - ein «vollinformierter Mann» ist gelassen... » mehr

Greta Thunberg

23.01.2020

Trump will sich EU vorknöpfen - und gibt Thunberg Tipps

Trotz eines ersten Gesprächs mit EU-Kommissionschefin von der Leyen gibt sich US-Präsident Trump im Handelsstreit hart. «Sie müssen sich jetzt beeilen», ruft er den Europäern zu. Aber auch für eine andere Kritikerin hat ... » mehr

Export

23.07.2019

IWF: Handelskonflikte bremsen Wachstum der Weltwirtschaft

Die globale Wirtschaft wächst schwächer. Die von US-Präsident Trump angetriebenen Handelskonflikte belasten die Konjunktur. Der Weltwährungsfonds sieht aber auch andere Risiken. » mehr

Container-Inspizierung

08.12.2019

Handelskrieg mit den USA bremst Chinas Ausfuhren

Die gegenseitigen Strafzölle lassen den Handel zwischen China und den USA einbrechen. Der Konflikt hat Auswirkungen auf die Konjunktur weltweit. Und US-Präsident Trump droht mit neuen Zwangsabgaben auf Konsumgüter. » mehr

US-Präsident Trump

17.05.2019

Trump verschiebt Entscheidung über Autozölle

Die Autobauer in Deutschland und Japan können vorerst aufatmen. US-Präsident Trump lässt sich ein halbes Jahr mehr Zeit, um über Autozölle zu entscheiden. Und auch in einem anderen Handelsstreit gibt es Entspannung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vermisstensuche bei Zell Zell

Vermisstensuche bei Zell | 10.07.2020 Zell
» 17 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
15:49 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.