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Wirtschaft

VW-Konzern schreibt Milliardenverlust und spart an Dividende

Geschlossene Autohäuser, stillgelegte Fabriken, maue Absatzmärkte: Volkswagen bekommt die Corona-Krise zu spüren. Ganz abschreiben will der Konzern das Jahr aber nicht.



Volkswagen
DaS VW-Logo auf dem Dach des Markenhochhauses im Volkswagen Werk Wolfsburg.   Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Volkswagen-Konzern muss in der Corona-Krise schwere Einbrüche verkraften. Im zweiten Quartal machten sich die vielerorts geschlossenen Autohäuser und die stillgelegte Produktion so deutlich bemerkbar, dass der weltgrößte Autobauer wie erwartet einen Milliardenverlust einfuhr.

Der Dividendenvorschlag für die Aktionäre wird wieder auf das Niveau vom letzten Jahr gekürzt, um die Kasse zu schonen. Die im Dax notierte Vorzugsaktie rauschte am Donnerstag deutlich ab.

«Das erste Halbjahr 2020 war durch die Covid-19-Pandemie eines der herausforderndsten in unserer Unternehmensgeschichte», sagte Finanzvorstand Frank Witter in Wolfsburg. Volkswagen hatte die Produktion seit Mitte März über Wochen stillgelegt, weil in den Autohäusern sowieso keine Autos verkauft werden konnten. Abrufe bei den Zulieferern wurden auf Eis gelegt, damit die Lager nicht überquollen. Zehntausende Mitarbeiter wurden in Deutschland in Kurzarbeit geschickt, ähnliche Maßnahmen ergriff der Konzern mit seinen Tochtermarken in anderen Ländern.

Zwar war das zweite Quartal Witter zufolge letztlich etwas besser gelaufen als befürchtet, auch weil die ergriffenen Maßnahmen bei den Kosten und bei der Finanzlage ihre Wirkung zeigten. Die Zahlen, die er präsentieren musste, sprachen dennoch eine deutliche Sprache.

Zwischen April und Juni fuhr VW einen auf die Aktionäre entfallenden Nettoverlust von 1,6 Milliarden Euro ein, nachdem der Konzern hier im Vorjahreszeitraum noch knapp 4 Milliarden Gewinn gemacht hatte. Weil die Bänder vor allem im April stillstanden und in Europa sowie Amerika lange kaum Autos abgesetzt werden konnten, sackte der Umsatz im Jahresvergleich um 37 Prozent auf 41,1 Milliarden Euro ab. Die Auslieferungen an Kunden waren konzernweit um fast ein Drittel auf 1,89 Millionen Fahrzeuge gesunken.

Obendrauf kamen Sondereinflüsse aus der Dieselaffäre in Höhe von 687 Millionen Euro - damit wächst die Rechnung für den 2015 aufgeflogenen Abgasbetrug auf rund 32 Milliarden Euro. Als Grund nannte das Unternehmen Rechtsverfahren rund um die Dieselautos. Witter verwies auch auf Entscheidungen am Bundesgerichtshof. Im Mai hatte der BGH festgestellt, dass der Einsatz illegaler Abgastechnik in Millionen Autos sittenwidrig war und vielen Käufern Schadenersatz zusteht.

Die Vorzugsaktie fiel als einer der schwächsten Werte im Dax um 5,9 Prozent auf 129,48 Euro. VW kürzte den Dividendenvorschlag für das vergangene Jahr wieder um 1,70 Euro auf 4,86 Euro je Vorzugsaktie, um die Kasse nicht noch stärker zu belasten.

Auch im zweiten Quartal fraß sich die Krise weiter in die Finanzen: So flossen im laufenden Automobilgeschäft des Konzerns netto 2,3 Milliarden Euro flüssige Mittel ab. Dank der Aufnahme von 3 Milliarden Euro mit einer Hybridanleihe konnte der Konzern die Nettoliquidität aber in den drei Monaten bis Ende Juni um 900 Millionen Euro auf 18,7 Milliarden Euro erhöhen.

Dennoch: Der Spardruck ist hoch. «Jede Ausgabe und jede Auszahlung haben wir sozusagen in Manndeckung genommen», sagte Witter im Fußballjargon. VW habe das Jahr keineswegs schon abgeschrieben. Vor Beginn der dreiwöchigen Werksferien unter anderem im Stammwerk Wolfsburg Anfang dieser Woche habe die Auslastung der deutschen Werke nachfragebedingt bei rund 60 bis 70 Prozent gelegen, so Witter. Das dürfte sich auch nach den Betriebsferien nicht sprunghaft bessern.

Vertriebsmanager Christian Dahlheim schätzt den weltweiten Nachfragerückgang nach Neufahrzeugen dieses Jahr auf 15 bis 20 Prozent. VW soll zwar etwas besser als der Markt abschneiden. Dennoch geht das Management weiter von einem deutlichen Rückgang bei Umsatz und Auslieferungen aus. Das operative Ergebnis soll gravierend unter dem Vorjahreswert landen, aber immerhin noch positiv ausfallen.

Der Lichtblick in den Zahlen war China. Das anteilige operative Ergebnis der chinesischen Gemeinschaftsunternehmen lag im zweiten Quartal mit 1,13 Milliarden Euro rund 10 Prozent über dem Vorjahreswert.

Weniger gut sah es bei vielen Marken des Konzerns aus. Die Kernmarke Volkswagen Pkw musste im zweiten Quartal einen Umsatzeinbruch von mehr als der Hälfte verkraften, der um Dieselkosten bereinigte operative Verlust lag bei fast zwei Milliarden Euro. Audi erging es etwas besser, der Umsatz schmolz um fast die Hälfte, beim bereinigten operativen Ergebnis stand ein Verlust von fast 0,7 Milliarden Euro. Porsche konnte in seinem Autogeschäft zwischen April und Ende Juni hingegen einen operativen Gewinn verbuchen mit rund 600 Millionen Euro - der allerdings nur noch halb so hoch war wie vor einem Jahr.

Die Nutzfahrzeugholding Traton, die vor allem die Marken von MAN und Scania bündelt, fuhr im ersten Halbjahr im industriellen Geschäft einen operativen Verlust von 0,3 Milliarden Euro ein. Das konjunkturanfällige Lkw-Geschäft stand schon vor der Pandemie vor einem Abschwung. Bei MAN wurde einen Stellenabbau eingeleitet.

Die jüngst in Wolfsburg aufgekommene Abhöraffäre sei extrem hoch im Vorstand aufgehängt. «Das hat uns alle schockiert», sagte Witter. Nach dem Einreichen der Strafanzeige hoffe er nun, dass die staatlichen Behörden mit ihren Ermittlungsmöglichkeiten Aufklärung leisten könnten. Am Wochenende war bekannt geworden, dass ein unbekannter Spitzel Gespräche einer VW-internen Arbeitsgruppe rund um die Behandlung des ehemaligen Lieferanten Prevent mitgeschnitten hatte, mit dem VW seit Jahren vor Gerichten im Clinch liegt.

© dpa-infocom, dpa:200730-99-975803/5

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Veröffentlicht am:
30. 07. 2020
14:41 Uhr

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