Lade Login-Box.
Topthemen: KinderfilmfestAutonomes Fahren in OberfrankenBilder vom WochenendeBlitzerwarner

Wirtschaft

VW-Konzernchef: Autofahren mit Kohlestrom ist «Wahnsinn»

Was bringt es, klimafreundliche Elektroautos zu entwickeln, wenn der Strom dafür weiter aus Kohle erzeugt wird? Die Frage stellt sich auch nach dem CO2-Kompromiss der EU. Der VW-Chef hat eine klare Meinung. Aber die Autobranche muss aus Sicht mancher Manager aktiver werden.



Kohlekraftwerk und Windräder
Die Klimabilanz der ansonsten sehr sauberen Elektroautos wird maßgeblich auch dadurch beeinflusst, aus welchen Quellen der Strom für die Batterien in Betrieb und Produktion stammt.   Foto: Julian Stratenschulte

VW-Konzernchef Herbert Diess hat im Streit um schärfere Klimaschutzregeln für Autobauer den deutschen Energiemix angeprangert.

Das E-Auto werde mit dem Diesel bei der CO2-Bilanz auf langen Strecken auf absehbare Zeit auch deshalb nicht mithalten können, warnte er in der «Süddeutschen Zeitung». «Denn die Wahrheit ist: Sie stellen nicht auf Elektro um, sondern auf Kohlebetrieb.» Bei der Produktion einer Batterie mit Kohlestrom entstünden fünf Tonnen Kohlendioxid (CO2). «Und wenn Sie dann noch mit Kohlestrom fahren, wird E-Mobilität wirklich zum Wahnsinn.»

Die EU-Staaten hatten sich darauf verständigt, dass Neuwagen im Jahr 2030 im Schnitt 35 Prozent weniger CO2 ausstoßen sollen als 2020. Die Bundesregierung wollte ursprünglich nur 30 Prozent Minderung - was deutsche Autobauer als machbar erachteten. Andere Länder wollten eine Reduktion um 40 Prozent und mehr. Die Klimabilanz der ansonsten sauberen E-Autos wird maßgeblich dadurch beeinflusst, aus welchen Quellen der Strom für Batterien in Betrieb und Produktion stammt.

Um die CO2-Emissionen der Autoflotte bis 2030 um 30 Prozent zu senken, werde ein Drittel dieser Fahrzeuge vollelektrisch unterwegs sein müssen, erklärte Diess. Wäre sogar ein Rückgang um 40 Prozent angepeilt worden, müsste über die Hälfte der Autos rein elektrisch fahren. Ein Wandel in dem Tempo sei kaum zu managen, warnte er - binnen zehn Jahren müsse dann ein Viertel der Jobs bei VW entfallen. Aus seiner Sicht wird der Diesel auch in zehn Jahren noch gebraucht.

Auto-Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte dagegen dem NDR, die neuen Klimavorgaben beschleunigten den Wandel. Diess' Warnung mit Blick auf die Arbeitsplätze wies er zurück: «Ich glaube, das Gegenteil wird der Fall sein. Wenn die Vorgaben zu lasch wären, dann hätten wir das Risiko, dass wir 200.000 Jobs verlieren.» Die Trends E-Mobilität und Digitalisierung fordern die Hersteller stark. E-Autos sind aber noch weit davon entfernt, sich am Markt durchzusetzen.

Auch in der Energiebranche stieß der EU-Kompromiss auf Zustimmung. Der Verkehr sei nach der Energiewirtschaft zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasen und liege bei der Minderung «massiv im Rückstand», hieß es aus dem Verband BDEW. Bosch-Chef Volkmar Denner schrieb in einem Gastbeitrag für das «Handelsblatt», auch die Autobranche könne für den Klimaschutz mehr tun, als sie muss: «Wer für Klimaschutz ist, kommt auch um eine Kohlendioxid-Gesamtbilanz des Straßenverkehrs nicht herum.» Für das Klima zähle nicht nur der Ausstoß des Autos, sondern auch derjenige aus der Kraftstoff- und Stromerzeugung.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte sich gegen neue Grenzwerte ausgesprochen. Nicht wenige Politiker verlangten minus 50 oder 75 Prozent bis 2030: «Wenn das im Europäischen Parlament so beschlossen wird, dann können wir das Autobauen in Deutschland vergessen.»

Zum Streit über die - nun gestoppte - Rodung des Hambacher Forsts meinte Diess, es sei «völlig unverständlich», nur daran zu denken, ein Braunkohle-Abbaugebiet zu erweitern. «Was die Energiewirtschaft da machen will, führt unsere ganze Elektrifizierungsstrategie ad absurdum», sagte er. Es sei nicht sinnvoll, Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn der Strom für sie aus Kohle stamme: «Dann fahren wir mit Kohle statt Erdöl und produzieren mehr CO2 als heute.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
12:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autobranche Autofahren Autofirmen Bernd Osterloh Elektroautos Europäische Kommission Ferdinand Dudenhöffer Herbert Diess Klimaschutz Kohlendioxid Norddeutscher Rundfunk VW VW-Chefs Wahnsinn Wirtschaftsbranche Energieerzeugung und -Versorgung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
VW-Betriebsrat fordert EU-Quote für E-Ladestationen

24.01.2020

VW-Betriebsrat fordert EU-Quote für E-Ladestationen

Der Wandel hin zu digital vernetzten Elektroautos stellt die deutsche Autoindustrie vor große Hürden. Damit die E-Autos aber auch gekauft werden, müssen schnell mehr Ladestellen her, sagt VW-Betriebsratschef Osterloh - u... » mehr

Elon Musk

23.01.2020

Tesla an der Börse erstmals mehr wert als Volkswagen

Die Schwelle ist zunächst einmal nur symbolischer Natur: Der Börsenwert des US-Elektroautobauers Tesla überschritt die Marke von 100 Milliarden Dollar. Damit zieht die Firma an VW vorbei. Doch wie viel Substanz steckt da... » mehr

Golf 8 vorgestellt

24.10.2019

Golf 8 soll «Maßstab» setzen - aber ohne E-Variante

Viele Verbraucher stehen Elektroautos noch skeptisch gegenüber. Das zentrale VW-Modell Golf kommt nun mit verbesserten Verbrennern und Hybridmotoren auf den Markt. Reicht das, um zum Vorreiter zu werden? » mehr

Audi

26.11.2019

Audi streicht Tausende Stellen in Deutschland

Audi steht unter Druck. Nun einigt sich das Unternehmen mit seinem Betriebsrat auf ein weitreichendes Paket, Abbau Tausender Stellen inklusive. Davon verspricht sich der Autohersteller Einsparungen in Milliardenhöhe. » mehr

Merkel in Zwickau

04.11.2019

VW-Werk Zwickau beginnt mit Produktion des Elektroautos ID.3

Mit seinem ersten vollelektrischen Fahrzeug will VW den Wandel zur Elektromobilität schaffen. In Zwickau rollen nun die ersten Exemplare des ID.3 vom Band. Die Erwartungen sind groß. » mehr

Hildegard Müller

27.11.2019

Ex-Strom-Managerin Müller soll Deutschlands Autolobby lenken

Der Autoverband VDA agierte zuletzt eher glücklos, auch intern war man sich oft nicht einig. Nun ist eine Nachfolgerin für Präsident Mattes gefunden. Die Wahl will die gescholtene Branche auch als Signal verstanden wisse... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Tödlicher Unfall bei Selbitz Selbitz

19-Jähriger stirbt bei Unfall | 25.01.2020 Selbitz
» 11 Bilder ansehen

Q11 CVG pres. Mehr Party! Schwingen 24.01.2020

Q11 CVG pres. Mehr Party! in Schwingen | 25.01.2020 Schwingen
» 46 Bilder ansehen

Eisbären Regensburg - VER Selb 5:2 Regensburg

Eisbären Regensburg - VER Selb 5:2 | 24.01.2020 Regensburg
» 32 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
12:57 Uhr



^