Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Wirtschaft

WEF-Treffen: Bolsonaro strebt Nutzung des Regenwaldes an

Über «Globalisierung 4.0» soll in Davos geredet werden. Doch manche Teilnehmer rücken beim Treffen des Weltwirtschaftsforums andere Themen in den Mittelpunkt.



Weltwirtschaftsforum in Davos
3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nehmen an dem Treffen in Davos teil.   Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE » zu den Bildern

Die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos steht gleich zu Beginn in der Kritik. Teilnehmer forderten zum Auftakt, das WEF-Treffen müsse konkrete Probleme ansprechen statt wolkige Konzepte zu diskutieren.

«Es gibt jedes Jahr ein bestimmendes Thema in Davos. Und in diesem Jahr müsste Klima dieses Thema sein», sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan der Deutschen Presse-Agentur. Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro trat bei seinem ersten internationalen Auftritt Befürchtungen entgegen, seine Regierung werde den Umweltschutz zurückfahren. Er machte aber zugleich deutlich, dass er eine stärkere wirtschaftliche Nutzung des Regenwaldes anstrebt.

WEF-Gründer Klaus Schwab rief bei der Eröffnung zur Zusammenarbeit auf. «Das Treffen wird den Zustand der Welt betrachten und zusammenarbeiten, um den Zustand der Welt zu verbessern», kündigte er in dem Alpenort an. «Wir sind an einer Kreuzung für die Menschheitsgeschichte, nun müssen wir die Zukunft gestalten.» Dies müsse zukunfts- und zweckorientiert geschehen.

Im Mittelpunkt des viertägigen Treffens stehen in diesem Jahr die «Globalisierung 4.0» und die Herausforderungen, die sich durch diese neue Phase der zunehmenden Vernetzung. Schwab forderte, der Mensch müsse stärker im Zentrum stehen. «Wir sind in gewisser Weise in einem Kampf zwischen Robotern und Menschen. Wir wollen keine Sklaven der neuen Technologien werden.»

Das WEF kümmere sich um nachhaltige Entwicklung und die Ethik automatischer Produktionsprozesse, aber adressiere grundlegende Fragen nicht, kritisierte indes Mohammed Hassan Mohamud, einer von sechs jungen Vorsitzenden des Jahrestreffens 2019. Ähnlich äußerte sich Greenpeace-Chefin Morgan. «Das ganze Konzept und der Ansatz hier sind unvereinbar mit der Realität des Klimawandels», sagte sie. «Man kann nicht über Globalisierung oder über industrielle Revolution 4.0 reden, ohne den Klimawandel als Rahmenbedingung zu setzen und zu verstehen.»

Junge Teilnehmer forderten eine stärkere Förderung örtlicher Projekte. «Alle Ideen müssen lokal umgesetzt werden», sagte die Japanerin Akira Sakano. Sie leitet in einer japanischen Stadt ein Projekt zur Abfallvermeidung. «Es ist Zeit, mutig und unbequem zu sein», sagte die Schwedin Noura Berrouba, Mitglied des europäischen Jugendparlaments, mit Blick auf drängende Fragen wie den Klimawandel. «Denn was sagt es über das weltweite Engagement aus, wenn wir die Lösungen haben, aber so wenig passiert?»

Der britische Naturfilmer Sir David Attenborough forderte die Teilnehmer zum Einsatz gegen den Klimawandel auf. Der Temperaturanstieg müsse gestoppt, und die Meere müssten gereinigt werden, sagte er am Montagabend. «Wir tun den Ozeanen sehr schlimme Dinge an.» Am Dienstag betonte Attenborough in einem öffentlichen Gespräch mit dem britischen Prinzen William: «Wir haben die Macht, wir haben das Wissen, um in Harmonie mit der Natur zu leben.»

Bolsonaro sagte, Brasilien tue sehr viel für Umwelt und Naturschutz. «Wir wollen Fortschritt erzielen und gleichzeitig Umweltschutz und Artenvielfalt erhalten», sagte der Ex-Militär. Allerdings betonte Bolsonaro auch, dass die größte Volkswirtschaft Südamerikas über zahlreiche natürliche Ressourcen verfüge, die wirtschaftlich genutzt werden könnten. Dem Kampf gegen die Klimaerwärmung wolle er sich aber nicht verweigern: «Wir wollen mit der ganzen Welt zusammenarbeiten, um die CO2-Emissionen zu senken.»

Zahlreiche Sicherheitskräfte sind in der ganzen Schweiz wegen der Konferenz im Einsatz. Außer der Polizei können bis zu 5000 Soldaten eingesetzt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 32 Millionen Schweizer Franken (28 Mio Euro), wie örtliche Medien berichteten. Der Luftraum über Davos ist in einem Umkreis von 46 Kilometern und bis zu 6000 Metern Höhe gesperrt. Viele Staats- und Regierungschefs werden mit Helikoptern in das Tal eingeflogen.

An der Tagung nehmen mehr als 3000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teil. An diesem Mittwoch wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Davos erwartet. US-Präsident Donald Trump hatte seinen Besuch wegen des Haushaltsstreits abgesagt, auch eine US-Delegation mit mehreren Ministern stornierte deshalb die Reise.

Trump beklagte sich am Dienstag auf Twitter über Kritik an seinem Fernbleiben. «Als ich beim letzten Mal nach Davos gefahren bin, sagten die "fake news", ich solle nicht hinfahren», schrieb er dort. «In diesem Jahr habe ich mich entschieden, wegen des "Shutdowns" nicht hinzufahren, und die "fake news" sagten, ich solle dort sein.»

Wegen des teilweisen Regierungsstillstands in den USA blieb auch die übrige amerikanische Regierungsdelegation der Konferenz fern. US-Außenminister Mike Pompeo ließ sich aber per Videoübertragung nach Davos zuschalten. Dort verteidigte er zum einen Trumps umstrittenen «America first»-Kurs («Amerika zuerst»), der zum Bruch mit diversen internationalen Abkommen und zu beispiellosen Handelskonflikten geführt hat. Zum anderen betonte Pompeo, die USA seien weiterhin in vielen Politikfeldern Teil verschiedener Koalitionen. Die Frage, ob die USA international inzwischen isoliert seien, wies er zurück.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 01. 2019
17:42 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Annegret Kramp-Karrenbauer António Guterres Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU David Attenborough Deutsche Presseagentur Donald Trump Emmanuel Macron Globalisierung Handelskonflikte Haushaltsstreit Industrielle Revolution Klimaveränderung Konferenz Kritik Mike Pompeo Ozeane Petrobras Polizei Regenwald Sebastian Kurz Theresa May Twitter Ueli Maurer Umweltschutz Weltwirtschaftsforum
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Donald Trump

26.08.2019

USA und China bemühen sich um verbale Abrüstung

Gerade erst flogen noch die Fetzen zwischen Washington und Peking: Beide Seiten verkündeten neue, schmerzhafte Strafmaßnahmen. Nun schlagen sie plötzlich betont warme Worte an, und Trump äußert Hoffnung auf ein Abkommen.... » mehr

Deutscher Arbeitgebertag 2019

12.11.2019

Gegenwind für Wirtschaft - was nun? Koalition uneins

Eine Rede auf dem Arbeitgebertag ist für Spitzenpolitiker ein Muss - noch dazu in wirtschaftlich unruhigeren Zeiten. Eine Schlüsselrolle hat derzeit der Mann, der für die Bundeskasse zuständig ist. » mehr

Hans-Paul Bürkner

19.01.2019

Experte: Davos-Treffen ohne Trump muss auf Dialog setzen

Nach der Absage von US-Präsident Donald Trump für das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos setzt ein langjähriger Beobachter darauf, dass den Inhalten der Tagung mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. » mehr

US-Präsident Trump

10.01.2019

Trump sagt Reise nach Davos wegen Haushaltsstreits ab

US-Präsident Donald Trump hat seine Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos wegen des Haushaltsstreits in den USA abgesagt und den Demokraten die Schuld dafür gegeben. » mehr

Verkehr in Moskau

16.01.2019

«Schlafwandelnd in die Katastrophe»: WEF warnt vor Risiken

Der neueste Risikobericht des Weltwirtschaftsforums liest sich wie ein Horror-Thriller. Demnach geht es an verschiedenen Fronten für die Welt ums Überleben. Hoffnung macht die Organisation nicht. » mehr

FedEx

03.06.2019

Scharfe Töne aus Peking: Trump führt «Wirtschaftskrieg»

Im Handelskrieg mit den USA unterstellt China dem US-Präsidenten politische Motive. Die Führung in Peking richtet sich auf einen langen Konflikt ein - und warnt seine Bürger vor einem Studium in Amerika. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Turbine leuchtet in Kulmbach Kulmbach

Kulmbacher Turbinenhaus | 16.11.2019 Kulmbach
» 17 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 Garmisch-Partenkirchen

SC Riessersee - Selber Wölfe 4:1 | 17.11.2019 Garmisch-Partenkirchen
» 29 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 01. 2019
17:42 Uhr



^