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Warnstreik an drei großen Flughäfen trifft Zehntausende

Die Sicherheitsschleusen sind ein Nadelöhr an den Flughäfen. Wenn dort die Arbeit ruht, geht fast nichts mehr an Airports - Passagiere kommen nicht durch, Koffer und andere Fracht können nicht überprüft werden. Das bekamen am Donnerstag viele Flugreisende zu spüren.



Passagiere am Stuttgarter Flughafen
Vom Streik betroffene Passagiere, warten am Flughafen Stuttgart auf einen Bus, der sie zum Baden-Airport bringen soll, um von dort aus auf einen Ersatzflug auszuweichen.   Foto: Marijan Murat » zu den Bildern

Ein Warnstreik an drei großen deutschen Airports hat zu Hunderten Flugausfällen geführt. Die meisten Sicherheitsleute an den Standorten Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart folgten am Donnerstag dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zu einer ganztägigen Arbeitsniederlegung.

Damit untermauerten sie ihre Forderung nach einer deutlich besseren Bezahlung. Mehr als 600 Starts und Landungen fielen aus - in Düsseldorf waren es 370 von 580, in Köln/Bonn 131 von 199 und in Stuttgart 142 von 275. Verdi zeigte sich zufrieden - die Beteiligung an der Arbeitsniederlegung sei sehr hoch gewesen.

Ursprünglich waren an den drei Airports am Donnerstag insgesamt rund 110.000 Passagiere erwartet worden - viele von ihnen hatten sich aber vorab informiert und den Weg zum Flieger gar nicht erst angetreten. Auswirkungen gab es auch an anderen Flughäfen, wo Maschinen aus den drei Arbeitskampf-Standorten erwartet wurden oder dorthin geschickt werden sollten - an den Berliner Flughäfen gab es rund 100 Absagen. Etwa gleich viele waren es in München, dort teilweise aber auch witterungsbedingt.

Am Düsseldorfer Flughafen demonstrierten in den frühen Morgenstunden Hunderte Warnstreikende lautstark mit Trillerpfeifen und Plakaten. Auf einem war etwa zu lesen: «Mehr Lohn? Mit Sicherheit!» Anzeigentafeln zeigten zahlreiche annullierte Flüge. Die zuständige Verdi-Fachbereichsleiterin Andrea Becker zog eine positive Zwischenbilanz, die Beteiligung habe beim Düsseldorfer Sicherheitspersonal bei 70 bis 80 Prozent gelegen. «Die Beschäftigten stehen hinter der Forderung und haben das Signal an die Arbeitgeber gesendet, jetzt ist Schluss mit dem Spiel auf Zeit.» Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen wertete den ganztägigen Warnstreik als «völlig überzogen».

Im Gegensatz zu anderen Standorten gibt es in Köln/Bonn kein Nachtflugverbot. Nachts ist der rheinische Airport besonders für die Frachtflieger von DHL, UPS und Fedex wichtig. Auch sie betrifft der Warnstreik - ihre Piloten und Ladungen müssen ebenfalls durch die Sicherheitschecks. Die Arbeitnehmer blockierten kurz nach Mitternacht ein Zufahrtstor für Lastwagen mit Fracht an Bord, woraufhin es einen Rückstau bis zur Autobahn gab. Später entspannte sich die Lage.

Der Warnstreik traf auch den Stuttgarter Flughafen. Die Schlangen seien länger als sonst, sagte ein Verdi-Sprecher. «Aufgrund der vielen Annullierungen sind allerdings auch weniger Passagiere erschienen», sagte er.

Verdi fordert für die 23.000 Kontrolleure von Passagieren, Fracht, Waren und Flughafen-Beschäftigten eine bundesweit einheitliche Bezahlung von 20 Euro pro Stunde. Das wäre ein Plus im teilweise hohen zweistelligen Prozentbereich - derzeit ist die Bezahlung je nach Region und Tätigkeit unterschiedlich. Die Arbeitgeber halten das für unrealistisch, sie bieten nach eigener Darstellung ein Plus von bis zu 6,4 Prozent.

Für Verdi ist das zu wenig - nach Berechnung der Gewerkschaft wäre das nur ein Plus von 2 Prozent für das Gros der Beschäftigten. Bereits zu Wochenbeginn hatte Verdi Warnstreiks an den Berliner Flughäfen ausgerufen, die Folgen dieser nur wenige Stunden dauernden Arbeitsniederlegung waren aber deutlich schwächer als am Donnerstag.

Am 23. Januar treffen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter zur nächsten Verhandlungsrunde. «Wenn dann der Knoten nicht durchgehauen wird, sind die Beschäftigten bereit für eine weitere Auseinandersetzung», sagte Verdi-Fachbereichsleiterin Becker. Soll heißen: Dann könnte es zu weiteren Arbeitsniederlegungen und dadurch bedingten Flugausfällen kommen. Bis dahin also kein Arbeitskampf? Auch Warnstreiks in den nächsten zwei Wochen seien «nicht ausgeschlossen», so Becker. Reisende müssen sich also wohl auf weitere Turbulenzen im Flugplan einstellen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 01. 2019
15:08 Uhr

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10. 01. 2019
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