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Wirtschaft

Warnstreiks an Flughäfen: Reisende müssen wieder gut planen

Der Tarifstreit beim Sicherheitspersonal an den Flughäfen geht weiter. Diesmal sind neben Deutschlands größtem Airport in Frankfurt fünf weitere Standorte betroffen. Es hagelt Kritik.



Reiseverkehr am Flughafen
Reisende stehen in langer Schlange vor einer Sicherheitskontrolle des Frankfurter Flughafens.    Foto: Andreas Arnold/Archiv

Auch in der neuen Woche müssen sich Reisende wegen des Warnstreiks beim Sicherheitspersonal auf Ausfälle und Verspätungen einstellen. Mindestens 220.000 Passagiere sind laut Flughafenverband ADV von den geplanten Arbeitsniederlegungen betroffen.

Neben Deutschlands größtem Airport Frankfurt am Main wurden Warnstreiks auch für Hamburg, München, Hannover, Bremen, Leipzig/Halle, Dresden und Erfurt angekündigt. Die Deutsche Luftverkehrswirtschaft und die Flughäfen warfen der Gewerkschaftsseite Rücksichtslosigkeit zulasten der Passagiere vor.

Anlass des Ausstands ist der laufende Tarifkonflikt. Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit 23.000 Beschäftigten im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Flughäfen eine einheitliche Bezahlung. Verdi verlangt brutto 20 Euro pro Stunde, der DBB fordert einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt.

Der erneute Streikaufruf sei notwendig geworden, weil der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) «weder auf das starke Signal der Beschäftigten durch die Warnstreiks in Berlin-Tegel und Schönefeld am vergangenen Montag noch auf die Warnstreiks in Düsseldorf, Köln-Bonn und Stuttgart am vergangenen Donnerstag mit einem verhandlungsfähigen Angebot reagiert» habe, sagte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. DBB-Verhandlungsführer Volker Geyer kommentierte: «Die Arbeitgeber lassen uns mit ihrer Blockadehaltung leider keine andere Wahl.»

Nach Verdi-Angaben hat der BDLS bei der jüngsten Verhandlungsrunde am 20./21. Dezember 2018 sein Angebot für eine Entgelterhöhung von 1,8 Prozent auf 2,0 Prozent pro Jahr bei einer zweijährigen Vertragslaufzeit erhöht. Die Lohnangleichung für ostdeutsche Bundesländer soll demnach erst nach fünf Jahren beendet sein.

Dem widersprach die Arbeitgeberseite: Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber liege bei bis zu 6,4 Prozent mehr Lohn pro Jahr. Bereits im Dezember habe der Verband zudem sehr deutlich kommuniziert, dass man zu einer weiteren Erhöhung und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei, erklärte der BDLS. «Die Gewerkschaft fordert weiterhin stur 20 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten und schädigt mit den völlig ausufernden Streikmaßnahmen Passagiere, Flughäfen und Fluggesellschaften massiv», kritisierte BDLS-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. «Die Gewerkschaft überspannt den Bogen mit diesen Maßnahmen zunehmend.»

Am Sonntagabend kündigte Verdi auch für Hamburg und München Arbeitsniederlegungen an: In der Hansestadt sind nach Gewerkschaftsangaben starke Einschränkungen zu erwarten. In München ist dagegen nicht die Passagierkontrolle betroffen, sondern die Personal- und Warenkontrolle. «Es wird sicherlich zu Einschränkungen kommen», sagte ein Sprecher des Flughafens. Entscheidend sei, wie die Fluggesellschaften auf den Streik reagierten.

Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, kritisierte Verdi scharf: «Es ist unverantwortlich von Verdi, die Streiks bis zum Exzess auszudehnen.» Jede Dimension eines Warnstreiks werde gesprengt. «Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass Verdi die Streiks auf dem Rücken der Reisenden, der Fluggesellschaften und der Flughäfen austrägt.»

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) äußerte sich ähnlich: «Das ist kein Warnstreik mehr, das ist völlig unverhältnismäßig», so Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Leidtragende dieser Aktion sind dem Verband zufolge die Passagiere, aber auch die Flughäfen und Fluggesellschaften.

Verdi spielte den Ball am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur an die Arbeitgeber zurück: Man sei sich der Härten für die Passagiere bewusst, sagte eine Sprecherin. Sie verwies aber zugleich darauf, dass die Gewerkschaft die Arbeitsniederlegungen stets frühzeitig angekündigt und auch die Ferien ausgeschlossen habe. Da die Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hätten, sei man nun gezwungen, die Warnstreiks fortzusetzen.

Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main bereitet sich entsprechend vor: Wie ein Sprecher des Flughafens sagte, soll sich ein spezielles Team um die Passagiere kümmern, die nicht wie geplant in einen Flieger steigen können. Dazu gehöre etwa die Bereitstellung von Verpflegung, Decken und Feldbetten. Der Ausstand könnte den Flughafen in Frankfurt weitgehend lahmlegen.

«Auch wenn wir gut vorbereitet sind, wir empfehlen Reisenden während des Streiks nicht zum Flughafen zu kommen», sagte der Sprecher. Besser sei es, wenn sich die Menschen bei den Airlines nach Umbuchungen oder sonstigen Alternativen erkundigten.

Reisende, die in Frankfurt zwischenlanden und bereits kontrolliert wurden, müssen - sofern sie im Sicherheitsbereich bleiben - nicht mit Komplikationen rechnen. Das seien etwa 60 Prozent aller Passagiere, sagte der Fraport-Sprecher. Wäre kein Streik, würden am kommenden Dienstag am Flughafen in Frankfurt normalerweise etwa 135.000 Passagiere abgefertigt.

Am 23. Januar wollen sich Verdi und Arbeitgeber in Berlin zu ihrer fünften Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt wieder an einen Tisch setzen. Der nächste Verhandlungstermin von DBB und BDLS ist für den 24. Januar 2019 ebenfalls in Berlin vereinbart.

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Veröffentlicht am:
13. 01. 2019
18:20 Uhr

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