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Wirtschaft

Wegen Jobbbau setzt Airbus Bundesregierung unter Druck

Was war das für eine Schreckensnachricht: Airbus will mehr als 5000 Stellen in Deutschland streichen. Keine 24 Stunden später heißt es, dass durchaus weniger Stellen wegfallen könnten - wenn die Bundesregierung dem Flugzeugbauer entgegenkommt.



Airbus
Weltweit will Airbus wegen der Coronakrise 15.000 Stellen streichen.   Foto: Andy Rain/EPA/dpa

Airbus übt angesichts der geplanten Stellenstreichungen Druck auf die Bundesregierung aus. Der Flugzeugbauer versucht die Politik zu einer Verlängerung der Kurzarbeit-Regelung zu bewegen, um deutlich weniger Stellen streichen zu müssen.

Während an den deutschen Standorten nun die Sorge vor Entlassungen wächst, bekommt der Konzern Gegenwind von Gewerkschaften und Politik.

Wenn das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1500 der 5100 gefährdeten Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte erhalten, sagte Produktionschef Michael Schöllhorn am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Medienvertretern. Staatliche Forschungsgelder für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könnten weitere 500 Stellen sichern.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnte vor einer Benachteiligung deutscher Standorte. Er machte deutlich, dass die Bundesregierung davon ausgehe, dass bei der Umstrukturierung des europäischen Flugzeugbauers kein Land bevorzugt und kein Land benachteiligt werde. Schöllhorn betonte, die Reduzierung sei «ausgewogen«. Frankreichs Regierung kritisierte, dass der Flugzeugbauer in seiner Planung nicht alle staatlichen und betrieblichen Maßnahmen berücksichtigt habe und deutlich weniger Stellen streichen könnte.

Airbus hatte am Dienstagabend angekündigt, wegen der Luftfahrt-Krise weltweit rund 15.000 Stellen streichen zu wollen. Allein 5100 davon sind in Deutschland. Auch in anderen Ländern setzt der Konzern den Rotstift an: In Frankreich sollen 5000 Stellen wegfallen, in Spanien 900, 1700 in Großbritannien und 1300 an weiteren weltweiten Standorten. «Es ist die schwerste Krise der Luftfahrt seit ihrem Bestehen», sagte Schöllhorn. «Und ja, so dramatisch gesagt, es geht ums Überleben.»

Besonders im Norden mit seinen großen Produktionsstätten ist die Sorge vor Entlassungen groß. Der Jobabbau trifft nach Angaben von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) alle norddeutschen Standorte. Die Konzernleitung habe signalisiert, möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen. Die Gewerkschaft IG Metall Küste warnte Airbus vor einem überzogenen Stellenabbau und einem Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten. «Der angekündigte Abbau von Arbeitsplätzen wäre eine Katastrophe für die Menschen und die Standorte», sagte der Bezirksleiter IG Metall Küste, Daniel Friedrich.

Airbus beschäftigt weltweit 135.000 Menschen, davon arbeiten 90.000 in der Verkehrsflugzeugsparte. In Deutschland hat Airbus nach eigenen Angaben rund 46 000 Mitarbeiter an fast 30 Standorten - etwa in Hamburg-Finkenwerder, Stade oder Bremen. In der Verkehrsflugzeugsparte arbeiten hier demnach mehr als 28.000 Menschen.

Airbus wollte sich nicht im Detail zu betroffenen Standorten äußern. Es werde die Betriebe unterschiedlich treffen, je nachdem wie stark sie in welchem Programm vertreten sind. Eine Zusammenlegung von Standorten sei aber kein Thema, so Schöllhorn. Er zeigte sich auch offen dafür, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit auch ohne staatliche Hilfsgelder reduzieren und im gleichen Maß auf Gehalt verzichten, bis das Geschäft wieder anzieht. Über mögliche Lösungen wolle der Konzern in den kommenden Wochen und Monaten mit der Arbeitnehmervertretern beraten.

Der Produktionschef signalisierte, dass die Nachfrage auf der Kurzstrecke schneller wieder wachsen werde als auf der Langstrecke. Die A320-Flieger, die etwa in Hamburg montiert werden, würden eher wieder an den Start gehen als Flieger für die Langstrecke. «Die verlängerte Kurzarbeit, die sehen wir vor allem als extrem sinnvoll in der Single-Aisle, bei der A320. Und damit würden dann natürlich auch Hamburg - aber auch andere deutsche Standorte - davon profitieren», so Schöllhorn.

Thomas Pretzl, Gesamtbetriebsratschef der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte von Airbus, wirft dem Konzern vor, die Zahlen «schöngerechnet» zu haben. Man müsse das bereits laufende Sparprogramm bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec von 900 Stellen und die Abbaupläne bei der Airbus-Verteidigungssparte Defence and Space mit 930 Stellen dazuzählen, sagte Pretzl dem «Donaukurier». «Insgesamt geht es in Deutschland also um knapp 7000 Arbeitsplätze.» «Dazu sage ich, dass man Äpfeln mit Äpfeln vergleichen muss», betonte Schöllhorn. Wenn man auf den Anpassungsbedarf aufgrund von Corona schaue, seien die Zahlen Frankreich und Deutschland ähnlich.

Eine wirkliche Überraschung sind die Stellenstreichungen nicht - bei Airbus schrillen schon länger die Alarmglocken. Airbus-Chef Guillaume Faury hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, dass der Konzern für zwei Jahre seine Produktion und seine Auslieferungen um 40 Prozent drosseln werde. Beim Stellenabbau hätte es also durchaus noch schlimmer kommen können, so der Franzose. Schließlich habe Airbus nicht 40 Prozent der Stellen in der Verkehrsflugzeugsparte gestrichen.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-627081/5

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01. 07. 2020
16:32 Uhr

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