Lade Login-Box.
Topthemen: KinderfilmfestAutonomes Fahren in OberfrankenBilder vom WochenendeBlitzerwarner

Wirtschaft

Weniger neue Azubis - Nachfrage nach Lehrstellen sinkt

Viele Firmen suchen händeringend Nachwuchs. Aktuelle Daten zeigen das erneut. Gleichzeitig finden aber auch Zehntausende Jugendliche keine Lehrstelle, die zu ihnen passt. Wie die Lücke geschlossen werden kann, darüber gehen die Meinungen auseinander.



Weniger neue Azubis
Freie Ausbildungsstellen zeigt die Bundesagentur für Arbeit auf der Berufsorientierungsmesse «Forum Berufsstart».   Foto: Martin Schutt/zb/dpa

Auch in diesem Ausbildungsjahr sind wieder Zehntausende Lehrstellen unbesetzt geblieben, während zur gleichen Zeit Zehntausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.

Die Nachfrage nach Lehrstellen sinkt außerdem. Das geht aus einer Bilanz des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor.

Aus Sicht der Wirtschaft sind die Zahlen ein weiterer Beleg für den Fachkräftemangel. Gewerkschaften dagegen sind der Meinung, die Probleme seien hausgemacht. Sie sehen die Unternehmen und den Staat in der Pflicht.

Der Bilanz des BIBB zufolge blieben zum Stichtag 30. September rund 53.000 und damit fast 10 Prozent aller von Betrieben angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt.

Nach jahrelangem Anstieg gab es in diesem Jahr einen leichten Rückgang bei den offenen Stellen (-4500). Fast 74.000 Jugendliche suchten auf der anderen Seite aber auch vergeblich nach einem ihnen passend erscheinenden Ausbildungsplatz.

Im laufenden Ausbildungsjahr wurden den Angaben zufolge 525.100 neue Ausbildungsverträge geschlossen, ein Minus von 6300 im Vergleich zu 2018. Die Nachfrage nach Lehrstellen - also die Zahl der neuen Azubis plus die Zahl der Bewerber, die noch keinen Platz gefunden hatten - sank laut BIBB zum ersten Mal unter 600.000.

Als Grund für die sinkende Nachfrage wird die demografische Entwicklung mit sinkenden Schulabgängerzahlen genannt. Bislang habe das durch eine wachsende Nachfrage junger Geflüchteter nach Ausbildungsplätzen ausgeglichen werden können. Der Anstieg in diesem Bereich ist den Angaben zufolge aber zum Stillstand gekommen.

Gewerkschaften forderten angesichts der Zahlen mehr Anstrengungen von Unternehmen und Politik: «Die Wirtschaft muss mehr betriebliche Ausbildungsplätze bereitstellen», mahnte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack.

Zudem müsse in Regionen mit einem angespannten Ausbildungsmarkt verstärkt auch außerbetriebliche - also staatliche - Ausbildung angeboten werden. «Nur so lassen sich weitere Brüche auf dem Ausbildungsmarkt vermeiden.»

Auch aus Sicht der IG Metall bieten die Unternehmen zu wenig Ausbildungsplätze an. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass die Zahl der unversorgten Bewerber höher ist als die Zahl der nicht besetzten Lehrstellen.

IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban sagte, die Ausbildung habe mit der positiven Beschäftigungsentwicklung der vergangenen Jahre in vielen Branchen nicht mitgehalten. «Die von Arbeitgebern häufig beklagten Engpässe sind hausgemacht.»

Aus Sicht der Wirtschaft stellt sich die Lage anders dar: Die Unternehmen hätten in diesem Jahr eine Rekordanzahl an Ausbildungsplätzen bereitgestellt, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Das Ausbildungsangebot sei «aus Sicht der Jugendlichen so gut wie noch nie» gewesen. «Der Fachkräftemangel bleibt in vielen Bereichen der Wirtschaft eine große Herausforderung.»

Dercks wies auch darauf hin, dass parallel zum Rückgang der Zahlen der im BIBB-Bericht abgebildeten Bereiche Industrie, Handel oder Handwerk die Auszubildendenzahlen in der Pflege und in den Erziehungsberufen anstiegen seien. «Ein breiterer Blick auf den Ausbildungsbereich ist daher erforderlich, um die Veränderungen richtig abzubilden», sagte er.

Jens Brandenburg, Sprecher für berufliche Bildung der FDP-Bundestagsfraktion, sagte, die sinkende Nachfrage nach einer beruflichen Ausbildung sei erschreckend. «Mit Theoretikern allein werden wir die Zukunft nicht gestalten.» Brandenburg forderte eine bessere Berufsberatung an den Schulen und «Azubi-Botschafter», die in Schulklassen aus der eigenen Ausbildung berichten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
15:56 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Ausbildungsplätze Auszubildende Beruf und Karriere Berufliche Ausbildung und Weiterbildung Berufsausbildungsverträge und Lehrverträge Demographie IG Metall Kinder und Jugendliche Offene Stellen Unternehmen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Immer mehr Flüchtlinge in Ausbildung

15.08.2019

Immer mehr Betriebe bilden Flüchtlinge aus

Gemessen an der Gesamtzahl der Azubis sind es nur wenige. Doch Unternehmen in Deutschland bilden zunehmend Flüchtlinge aus. Es gibt aber nach wie vor Herausforderungen. » mehr

Maurerhandwerk

06.01.2020

Handwerker: Sinkende Preise, aber weiter lange Wartezeiten

Der Handwerkspräsident verspricht: Die Rückkehr zur Meisterpflicht sorgt für mehr Kapazitäten, dadurch sinken Preise. Von der Politik fordert er Entlastungen für Azubis. » mehr

Handwerk sucht Azubis

01.08.2019

DIHK macht Azubi-Bewerbern Mut

Auch in diesem Jahr dürften viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Zugleich könnten zahlreiche Bewerber leer ausgehen. Doch auch nach dem Start des Ausbildungsjahrs gibt es für Bewerber noch Chancen. » mehr

"Start in die Zukunft"

01.09.2019

Mittelständler rechnen mit weniger Auszubildenden

Die mittelständischen Unternehmen bilden in Deutschland neun von zehn Lehrlingen aus. Im aktuellen Ausbildungsjahr zeichnet sich allerdings ein Rückgang der Azubi-Zahlen ab. » mehr

Stahlarbeiter

vor 19 Stunden

Jobsicherung: IG Metall nennt keine konkrete Lohnforderung

Mit einem ungewöhnlichen Signal geht die IG Metall in die anstehende Metall-Tarifrunde. Sie will über sichere Jobs und Investitionen sprechen, statt knallhart zusätzliche Lohnprozente herauszuholen. » mehr

Auszubildende

24.10.2019

Mindestlohn für Azubis und neue Titel für Abschlüsse

Künftige Azubi-Generationen sollen es besser haben: Sie bekommen einen «Mindestlohn». Außerdem ist ein Meister künftig nicht mehr nur ein Meister, sondern auch ein «Bachelor Professional» - das ist nicht unumstritten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

index2.jpg Schöneck

Frankenpost-Redakteurin läuft den "Winterhunderter“ | 25.01.2020 Schöneck
» 5 Bilder ansehen

Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas Marktredwitz

Gala-Abend Faschingsgilde in Marktredwitz | 18.01.2020 Marktredwitz
» 37 Bilder ansehen

Eisbären Regensburg - VER Selb 5:2 Regensburg

Eisbären Regensburg - VER Selb 5:2 | 24.01.2020 Regensburg
» 32 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 12. 2019
15:56 Uhr



^