Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

Wirtschaft

Whisky aus Schwaben darf nicht «Glen Buchenbach» heißen

Nach mehr als fünf Jahren Rechtsstreit haben die Schotten über die Schwaben gesiegt. Whisky mit dem Namen «Glen» darf nur aus den Highlands kommen. Doch vielleicht ist das letzte Wort nicht gesprochen.



Streit um Whisky-Namen
Eine Flasche des Whiskys «Glen Buchenbach».   Foto: Sebastian Gollnow

Der Whisky «Glen Buchenbach» darf nicht länger so heißen, weil er nicht aus Schottland kommt. Das Landgericht Hamburg urteilte, mit dem Namensbestandteil «Glen» werde die besonders geschützte geografische Angabe «Scotch» beeinträchtigt.

Es folgte damit einer Klage der Scotch Whisky Association (SWA) der schottischen Whisky-Produzenten, wie ein Gerichtssprecher in Hamburg mitteilte. Die Waldhornbrennerei Klotz aus Berglen bei Stuttgart hat nun einen Monat Zeit zu entscheiden, ob sie gegen die Entscheidung in Berufung geht. Dann müsste sich das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) mit dem Fall beschäftigen.

Das juristische Schlachtfeld, auf dem Schotten und Schwaben sich seit 2013 bekriegen, ist die EU-Spirituosenverordnung. Sie schützt Dutzende von regionalen Herkunftsbezeichnungen, von «Scotch Whisky» bis zu «Haselünner Korn». Von «Glen» ist im Anhang III der Verordnung keine Rede. Aber es ist auch festgelegt, dass die Anbieter von Spirituosen ihre Kunden nicht über den Ursprung ihrer Produkte in die Irre führen dürfen. Damit sollen nicht nur die Hersteller der Originalprodukte geschützt werden, sondern vor allem die Verbraucher in der EU.

Und «Glen», so die Schotten, stehe nun einmal für Whisky aus Schottland. «Unsere Mandanten sind glücklich», sagte Anwältin Wiebke Baars von der Rechtsanwaltsgesellschaft Taylor Wessing, die in dem Verfahren die schottische Seite vertrat. Es sei wichtig für die internationale Strategie der SWA, die schottische Whisky-Industrie zu schützen. Deshalb gehe sie auch im Ausland gegen Nachahmer und mögliche Irreführung vor. «Viele Gerichte quer durch viele Rechtssysteme haben geurteilt, dass Namen wie «Highland» und «Glen» oder Abbildungen wie Dudelsackspieler so stark mit Schottland und schottischem Whisky verbunden sind, dass ihre Benutzung in Verbindung mit anderem Whisky irreführend ist», sagte SWA-Direktor Alan Park.

Bei der Entscheidung des Hamburger Gerichts sei besonders hervorzuheben, dass falsche oder irreführende Angaben in der Bezeichnung des Produkts nicht durch klarstellende Hinweise auf der Verpackung ausgeglichen oder geheilt werden könnten. «Damit könnte man den Schutz der geografischen Herkunft zu leicht aushebeln», sagte Baars. «Der Gesetzgeber hat seinen Willen da sehr deutlich gemacht.»

Die Brennerei Klotz äußerte sich enttäuscht über das Urteil. «Zumal die Faktenlage aus unserer Sicht klar für die Waldhornbrennerei spricht», sagte Anwalt Sven Mühlberger. Nach Umfragen, die von der Gegenseite in Auftrag gegeben wurden, hätten kaum Verbraucher einen unmittelbaren Bezug zwischen «Glen» und «Scotch Whisky» hergestellt.

Zudem sei «Glen» kein schottisches, sondern ein englisches Wort, das aus dem Irischen stamme und weltweit benutzt werde. «Mit der gleichen Argumentation könnte die SWA nahezu jeden schottisch anmutenden Begriff wie 'Mac' oder 'Maria Stuart' für sich beanspruchen.»

Die Akte des langwierigen Rechtsstreits ist mittlerweile 5000 Seiten dick und umfasst zehn Ordner. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte den Fall (Rechtssache C44/17) bereits im Juni vergangenen Jahres auf dem Tisch und ihn an die deutsche Justiz zurückgeschickt.

Für Schottland und ganz Großbritannien hat die Whisky-Produktion große Bedeutung. Mit 128 Brennereien weist Schottland die größte Dichte an Whisky-Destillen weltweit auf. Sie exportierten 2017 rund 1,2 Milliarden Flaschen Whisky in alle Welt und erlösten damit 4,4 Milliarden Pfund (fünf Milliarden Euro). Nach Deutschland werden ungefähr 50 Millionen Flaschen exportiert. Mehr als 10.000 Beschäftigte arbeiten direkt in der schottischen Whisky-Industrie.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
14:57 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Europäischer Gerichtshof Landgerichte Maria Stuart Rechtsstreits Schotten Scotch Whiskey
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mercedes-Benz-Bank

16.03.2019

Wenig Aussicht auf Erfolg: Musterklage zum «Widerrufs-Joker»

Per Widerruf ihres Kreditvertrages versuchen viele Autobesitzer, ihren Diesel wieder loszuwerden. Im Musterverfahren gegen die Mercedes-Benz-Bank steht nun eine Entscheidung an. » mehr

Glyphosat

07.03.2019

Behörde muss Zugang zu Glyphosat-Studien gewähren

Lange stritten die EU-Staaten um die weitere Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat. Eine Rolle spielten dabei Studien zum Krebsrisiko des Mittels. Die EU-Lebensmittelbehörde muss diese nun nach einem Ur... » mehr

EZB

07.03.2019

Zinserhöhung im Euroraum in diesem Jahr vorerst vom Tisch

Das Wirtschaftswachstum schwächt sich ab. Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Jetzt steuert die Europäische Zentralbank gegen - und überrascht durchaus mit mancher Nachricht. » mehr

Demonstration für Klimaschutz in Brüssel

28.02.2019

Luftschadstoffmessung: EuGH-Gutachterin für strenge Vorgaben

Luftschadstoffe, Grenzwerte und Messstationen sind auch in Deutschland ein Streitthema, vor allem wenn es um Fahrverbote gehen könnte. Die Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof gibt nun eine weitreichende Einschätz... » mehr

Ausgeblutete Rinder

26.02.2019

EuGH: Kein EU-Bio-Siegel für Halal-Fleisch

Darf Fleisch aus rituellen Schlachtungen, bei denen die Tiere unbetäubt getötet werden, «bio» sein? Das oberste EU-Gericht hat nun eine klare Antwort gegeben. » mehr

Bundesarbeitsgericht

19.02.2019

Gericht: Nicht beantragter Urlaub verfällt nicht automatisch

Wer seinen Urlaub nicht beantragt, muss nicht automatisch damit rechnen, dass er verfällt. Eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts nimmt stattdessen Arbeitgeber stärker in die Verantwortung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vivi Vassilevas Universe of Percussion

Vivi Vassilevas Universe of Percussion | 20.03.2019 Hof
» 66 Bilder ansehen

Black Base mit DJ Kurbi

Black Base mit DJ Kurbi | 17.03.2019 Hof
» 54 Bilder ansehen

Playoff 3: Hannover Indians - Selber Wölfe 4:1 Hannover

Playoff 3: Hannover Indians - Selber Wölfe 4:1 | 19.03.2019 Hannover
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
14:57 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".