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Wirtschaft

Wieder kein gutes Jahr für Bauern

Die Corona-Krise machte auch den deutschen Landwirten zu schaffen - sie war aber 2020 nicht ihr größtes Problem. Dass die Erntebilanz erneut durchwachsen ausfällt, alarmiert den Bauernverband. Die Risiken des Klimawandels will man nun «strategisch angehen».



Ernte 2020
Mähdrescher ernten nach Sonnenuntergang ein Roggenfeld ab. Die deutschen Landwirte ziehen eine Bilanz der diesjährigen Ernte.   Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Viele Bauern in Deutschland müssen ein drittes Jahr in Folge mit einer mäßigen Ernte leben. Vor allem das Wetter habe den Landwirten in vielen Regionen zu schaffen gemacht, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin.

Die Corona-Krise bringe auch Probleme, etwa bei der Beschäftigung von Erntehelfern. Die Auswirkung der Pandemie auf die erneut unterdurchschnittliche Erntebilanz sei aber gering. Um die Risiken des Klimawandels in Zukunft besser abzufedern, wollen die Bauern eine neue Versicherung aufbauen - und fordern dafür Milliardenhilfen vom Staat.

Schon der nasse Herbst 2019 habe die Aussaat von Wintergetreide schwierig gemacht, sagte Rukwied. Aber vor allem die lange Trockenzeit ab März, die in manchen Gegenden bis Juni angehalten habe, sei der Hauptgrund für die maue Ernte. Auffallend seien die regionalen Unterschiede. Selbst innerhalb einer Gemeinde sei es vorgekommen, dass Erträge um bis zu 40 Prozent schwankten.

Beim besonders wichtigen Getreide Winterweizen erwarte auch die EU insgesamt eine geringere Ernte als im Vorjahr, sagte der Präsident des Bauernverbands. Weltweit liege aber die Erzeugung über dem Verbrauch. Beim Mais decke die Produktion etwa den Verbrauch. Die Versorgungslage sei also gut. Allerdings mache das den Bauern zusätzlich zu schaffen, weil die Preise unter Druck seien.

Rukwied lenkte den Blick auf die Folgen der Erderwärmung: «Was wir als Landwirte feststellen müssen: Der Klimawandel manifestiert sich», sagte er. «Wir dreschen deutlich früher, wir haben nicht mehr die Stabilität der Ernteerträge, die wir vor 10, 15 Jahren noch hatten.» Auch die regionalen Unterschiede würden stärker. Mit einer neuen Versicherung wolle man das Thema nun «strategisch angehen».

Konkret fordern die Bauern, eine freiwillige sogenannte Mehrgefahrenversicherung aufzubauen, um sich gegen die steigenden Risiken abzusichern. Dazu brauchen sie Hilfe vom Staat, wie Rukwied sagte: Jährlich 400 Millionen bis 500 Millionen Euro Anschubfinanzierung für mindestens drei Jahre von Bund und Ländern.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium reagierte zurückhaltend. «Was die Vorsorge angeht, so sind die Landwirte in der Pflicht, selbst Risikomanagement gegen Wetterextreme zu betreiben, etwa durch Anpassung ihrer Wirtschaftsweisen - sie sind Unternehmer», teilte eine Sprecherin mit. Eine solche Versicherung über das Programm Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) zu fördern, wie der Bauernverband vorschlägt, halte man für «schwierig». Das sei «vorrangig Aufgabe der Länder». Das Ministerium verwies auf bisherige Unterstützung, etwa die Steuersenkung bei der Dürreversicherung.

Der Anteil der Corona-Krise an dem durchwachsenen Jahr ist aus Sicht des Bauernverbands klein. Probleme gab es etwa bei Kartoffeln, weil die Gastronomie dicht war und der Absatz von Pommes Frites einbrach. Dass es gelungen sei, 40.000 Saison-Arbeitskräfte aus dem Ausland einreisen zu lassen, habe Engpässe vermieden, sagte Rukwied. Die Hygienevorschriften umzusetzen, bleibe aber eine Herausforderung und bedeute höhere Kosten für die Landwirte.

Ein Überblick über wichtige Früchte:

GETREIDE: Insgesamt rechnet der Bauernverband mit einer Ernte von 42,4 Millionen Tonnen, knapp fünf Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Von der wichtigsten Art Winterweizen kamen 21,1 Millionen Tonnen herein, im Vorjahr waren es knapp 23 Millionen. Im Bundesdurchschnitt lag der Ertrag von 7,6 Tonnen pro Hektar etwas über dem Schnitt von 2019 - allerdings schrumpfte die Anbau-Fläche. Problematisch seien die regionalen Unterschiede, sagte Rukwied: «Es gab Landwirte, die haben keine fünf Tonnen pro Hektar einfahren können.» Bei anderen seien es mehr als zehn Tonnen gewesen.

RAPS: Die wichtigste Ölpflanze in Deutschland ist Winterraps. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anbaufläche um etwa 12 Prozent zu, allerdings war sie 2019 wegen der Trockenheit stark zurückgegangen. Die Erträge stiegen im Vergleich zum Vorjahr von 3,3 auf 3,5 Tonnen pro Hektar und lagen damit über dem Fünf-Jahres-Schnitt von 3,4 Tonnen. Probleme mache, dass Pflanzenschutzmittel nicht zur Verfügung stünden, sagte Wolfgang Vogel, Vizepräsident des Bauernverbands. Da brauche es in der EU Wettbewerbsgleichheit. Raps sei wichtig für die Fruchtfolge, lockere den Boden auf und schütze ihn vor Erosion.

OBST UND GEMÜSE: Bei Äpfeln dürfte die Ernte mit etwa 950.000 Tonnen «ordentlich» ausfallen, sagte Rukwied. Zwiebeln lägen etwa im Schnitt, das gelte auch für den Wein, für dessen Qualität die kommenden Wochen ausschlaggebend seien. Einen Rückgang habe es beim Spargel und bei Erdbeeren gegeben - in beiden Fällen, weil sie auf weniger Fläche angebaut worden seien.

© dpa-infocom, dpa:200818-99-207144/5

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18. 08. 2020
15:33 Uhr

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