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Wirtschaft schrammt knapp an der Rezession vorbei

Handelspolitische Stürme, Probleme der Autoindustrie und der trockene Sommer bremsen Europas größte Volkswirtschaft. Auch Ende 2018 geht es nicht aufwärts. Das dämpft die Aussichten für dieses Jahr.



Einkaufstüten
Passanten mit Einkaufstüten. Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr etwas schwächer gewachsen als zunächst berechnet.   Foto: Henning Kaiser

Bremsspuren statt Rückenwind: Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung in die kommenden Monate.

Im vierten Quartal 2018 stagnierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) etwa auf dem Niveau des Vorquartals, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag anhand vorläufiger Daten mitteilte. Das dämpft die Aussichten für das laufende Jahr.

Ursprünglich war die Wiesbadener Behörde von einem leichten Plus ausgegangen, nachdem die Wirtschaftsleistung im dritten Vierteljahr sogar geschrumpft war.

Das Wachstum im Gesamtjahr 2018 fiel mit 1,4 Prozent etwas schwächer aus als zunächst berechnet. Im Januar waren die Statistiker noch von einem Anstieg des BIP von 1,5 Prozent ausgegangen. 2018 war das neunte Wachstumsjahr in Folge, allerdings hat sich das Tempo deutlich verlangsamt.

Vor allem internationale Handelskonflikte bremsten Europas größte Volkswirtschaft. Hinzu kamen im zweiten Halbjahr Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP sowie Niedrigwasser wegen der Sommerhitze, das den Transport etlicher Güter behinderte.

Angesichts der schwachen Entwicklung Ende 2018 haben sich die Aussichten für das laufende Jahr weiter eingetrübt. Mit einem Absturz der deutschen Konjunktur rechnen Ökonomen aber nicht. Dagegen spreche die Binnennachfrage, «die bis zuletzt - anders als in zurückliegenden Konjunkturabschwüngen - robust geblieben ist», argumentierte Commerzbank-Chevolkswirt Jörg Krämer.

Die Verbraucher sind angesichts der historisch niedrigen Arbeitslosigkeit und steigender Einkommen grundsätzlich in Kauflaune. Die Bürger zeigten sich weiter recht ausgabefreudig, hieß es in der jüngsten Konsumklima-Studie der GfK-Konsumforscher.

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt Deutschland der ING, verwies unter anderem auf die gut gefüllten Auftragsbücher der Unternehmen. Das sichert die Produktion über einen längeren Zeitraum und damit die Arbeitsplätze der Beschäftigten.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank geht davon aus, dass sich ein Teil der negativen Einflüsse in diesem Jahr wieder auflösen wird, «aber die Reisegeschwindigkeit der deutschen Konjunktur dürfte gemächlich bleiben».

Getragen wurde die Konjunktur im vierten Quartal 2018 dem Bundesamt zufolge vor allem von der Entwicklung im Inland. Die Unternehmen investierten deutlich mehr in Bauten sowie in Maschinen und andere Ausrüstungen als im dritten Vierteljahr. Die Konsumausgaben der Verbraucher stiegen leicht. Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, legten den Angaben zufolge deutlich zu. Der Außenhandel lieferte dagegen keine Wachstumsimpulse. Der Export leidet unter handelspolitischen Stürmen und der Abkühlung der Weltkonjunktur.

Die deutsche Wirtschaft schrammte damit Ende 2018 an einer leichten Rezession vorbei. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer «technischen Rezession». Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Variante. Anders sieht es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft.

In Europa zählte die langjährige Wachstumslokomotive Deutschland zu den Schlusslichtern. Nur Italien schnitt nach vorläufigen Zahlen von Eurostat mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent zum Jahresende schlechter ab. Insgesamt wuchs die Wirtschaft in der EU und im Euro-Raum im vierten Quartal leicht um jeweils 0,2 Prozent gegenüber dem dritten Vierteljahr.

Wirtschaftsforschungsinstitute, internationale Organisationen und die Bundesregierung hatten zuletzt ihre Wachstumsprognosen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft gesenkt. Als Gründe wurden vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft, internationale Handelskonflikte sowie die Unwägbarkeiten des Brexits genannt. Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent. In ihrer Herbstprognose war sie noch von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 02. 2019
12:36 Uhr

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14. 02. 2019
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