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Wissenschaft

Entzündungshemmer hilft bei schwerem Covid-19-Verlauf

Dexamethason ist ein seit langem etablierter Wirkstoff bei der Behandlung von Entzündungen. Kann er auch schwere Verläufe bei Covid-19 mildern? Vorläufige Studienergebnisse lassen es vermuten, eine abschließende Beurteilung steht aber noch aus.



Entzündungshemmer hilft bei schwerem Covid-19
Ein Patient mit schwerem Covid-19-Verlauf auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Vorläufigen Studienergebnissen zufolge könnte ein Entzündungshemmer die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken.   Foto: Peter Kneffel/dpa

Der Entzündungshemmer Dexamethason könnte die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken. Darauf weisen vorläufige Ergebnisse einer klinischen Studie hin, die noch nicht veröffentlicht sind und bisher nicht von anderen Experten begutachtet wurden.

Bei Patienten, die künstlich beatmet wurden und das Medikament bekamen, sank die Sterberate um ein Drittel, wie die federführenden Wissenschaftler von der Universität Oxford in einer Pressemitteilung berichten.

«Dexamethason ist das erste Medikament, von dem gezeigt wurde, dass es das Überleben bei Covid-19 verbessert», erklärte Peter Horby, einer der Leiter der «Recovery»-Studie. «Dexamethason ist kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden, um weltweit Leben zu retten.»

Als «hochinteressant» bezeichnet Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, die Ergebnisse. Eine Wirksamkeit des Entzündungshemmers sei nachvollziehbar. «Das macht pathophysiologisch durchaus Sinn, es handelt sich ja um Patienten mit schwersten Entzündungen.»

Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover warnt unterdessen vor vorschneller Euphorie. Das Ergebnis klinge beeindruckend, aber bisher liege nur eine Pressemitteilung vor. «Bevor man das vollständige, durch unabhängige Gutachter beurteilte Manuskript gesehen hat, kann man die Wertigkeit der Studie nicht beurteilen», so der Pneumologe. Es sei vor allem wichtig zu sehen, dass die beiden Gruppen vergleichbar seien, also die Dexamethason-Gruppe und die Vergleichsgruppe.

In der «Recovery»-Studie untersuchen Wissenschaftler die Eignung verschiedener bereits zugelassener Medikamente als Mittel gegen Covid-19. Insgesamt sind den Angaben zufolge mehr als 11.500 Patienten aus über 175 Kliniken in Großbritannien in die Studie aufgenommen. Der Dexamethason-Teil der Studie umfasste demnach insgesamt 2104 Patienten, die für zehn Tage einmal täglich 6 Milligramm Dexamethason bekamen. 4321 Patienten dienten als Kontrollgruppe.

Die Sterblichkeit nach 28 Tagen war unter den künstlich beatmeten Patienten am höchsten. Sie lag ohne Dexamethason-Behandlung bei 41 Prozent. In der Versuchsgruppe sank sie um ein Drittel. Bei den Patienten, die Sauerstoff bekamen, aber nicht künstlich beatmet wurden, sank sie um ein Fünftel. Bei den Patienten, die gar keinen Sauerstoff benötigten, zeigte die Behandlung keine Wirkung.

Basierend auf den Zahlen würde bei der Behandlung von acht schwerkranken Covid-19-Patienten durch Dexamethason ein Todesfall verhindert, heißt es in der Mitteilung. «Diese vorläufigen Ergebnisse der «Recovery»-Studie sind sehr eindeutig - Dexamethason reduziert das Sterberisiko bei Patienten mit schweren Atemkomplikationen», erklärte Martin Landray, ein weiterer Studienleiter.

Nick Cammack, Covid-19-Forschungsbeauftragter bei der Wellcome-Stiftung, sprach in einem Statement von einem Durchbruch. Das Medikament müsse den Tausenden von schwer Erkrankten weltweit nun zugänglich gemacht werden. Die in London ansässige Wellcome-Stiftung setzt sich für die Verbesserung der weltweiten Gesundheit ein. Der oberste medizinische Berater der britischen Regierung, Chris Whitty, sprach vom bisher wichtigsten Ergebnis in Zusammenhang mit Covid-19.

Dexamethason wird seit mehr als 50 Jahren in der Medizin eingesetzt. Der Wirkstoff ist in einer Vielzahl von Medikamenten enthalten, die das Immunsystem unterdrücken, um allergische und entzündliche Prozesse zu stoppen. Der Wirkstoff wird unter anderem in der Neurologie (bei Hirnödem), bei Atemwegserkrankungen (Asthma), in der Dermatologie, Infektiologie, Onkologie, Rheumatologie und Ophthalmologie angewendet. Er kann innerlich wie äußerlich verabreicht werden. Bei kurzzeitiger Gabe ist das Risiko von Nebenwirkungen im Allgemeinen gering.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
16. 06. 2020
17:29 Uhr

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