Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Wissenschaft

Erneuter Fehlstart von europäischer Vega-Rakete

Was für eine Blamage: Zum zweiten Mal innerhalb von anderthalb Jahren misslingt der Start einer Vega-Rakete. Anfangs sieht es noch so aus, als ob alles glatt gehen würde. Doch dann gibt es Probleme - die Rakete macht nicht, was sie soll. Die Satelliten an Bord: verloren.



Start einer Vega-Trägerrakete
Eine Vega-Trägerrakete auf dem europäischen Weltraumbahnhof Kourou. Zum zweiten Mal innerhalb von anderthalb Jahren ist ein Start der Rakete misslungen.   Foto: Stephane Corvaja/ESA/dpa/Archivbild

Es ist ein neuer Rückschlag für die europäische Raumfahrtindustrie: Zum zweiten Mal ist der Start einer europäischen Vega-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana gescheitert.

Eine mit zwei Satelliten beladene Vega-Rakete kam am frühen Dienstagmorgen deutscher Zeit kurz nach dem Start vom Kurs ab. Die Mission wurde daraufhin vom Betreiber Arianespace als gescheitert eingestuft, die Ladung gilt als verloren. Der Betreiber betont nun, dass es sich nicht um einen Designfehler der Rakete handele.

Der Lastenträger war zuvor in Kourou abgehoben. Acht Minuten später kam die Rakete vom Kurs ab. Das habe zum «Verlust der Mission» geführt, so Arianespace. Erst im Sommer 2019 war es zu einem Fehlstart einer Vega-Rakete gekommen. Es handelte sich damals um den ersten Fehlstart einer Vega überhaupt. Wahrscheinlicher Grund war ein Defekt im Triebwerk in der zweiten Raketenstufe. Die Rakete zerbrach in zwei große Teile.

Arianespace-Chef Stéphane Israël kündigte nun eine Untersuchungskommission nach dem neuerlichen Fehlstart an. «Wir sind in einer Situation, die nichts mit dem vorigen Fehlstart zu tun hat», betonte er in einer Telefonschalte mit Journalistinnen und Journalisten. «Der vorige Fehlstart geht auf einen Designfehler zurück», erklärte er. Dieses Mal sei die Situation eine andere.

Der Technikchef von Arianespace, Roland Lagier, sprach von einem Problem der Produktionsqualität und einer «Reihe menschlicher Fehler». Man habe nach der ersten Zündung des Triebwerks der Oberstufe eine Abweichung der Flugbahn festgestellt. Dieser Kontrollverlust sei dauerhaft gewesen. Kabel seien nach ersten Erkenntnissen falsch angeschlossen gewesen.

Die Vega ist mit 30 Metern Höhe der kleinste Lastenträger im Arsenal des europäischen Raketenbetreibers Arianespace. Sie ist für kleine Wissenschafts- und Erdbeobachtungssatelliten geeignet. Ihren erfolgreichen Erstflug absolvierte sie am 13. Februar 2012. Sie wird hauptsächlich in Italien vom Raketenbauer Avio hergestellt. Der Betreiber nutzt außerdem die Ariane 5 und die Sojus aus russischer Produktion.

Die Vega startet in der Regel pro Jahr drei bis vier Mal in den Weltraum - in diesem Jahr war dies auch wegen Corona aber nicht der Fall. Der erste Vega-Start nach dem Fehlstart im vergangenen Jahr fand nach monatelanger Verzögerung im September statt. Die nun gescheiterte Mission war der zweite Vega-Start in diesem Jahr.

Für die europäische Raumfahrt kommt der neuerliche Fehlstart zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 voraussichtlich erst 2022 starten wird. Sie ist Europas Hoffnungsträger im All. Ursprünglich sollte das Nachfolgemodell der Ariane 5 bereits in diesem Jahr abheben. Vor allem das private US-Unternehmen SpaceX macht den Europäern Konkurrenz, die sich auf dem umkämpften Markt behaupten wollen.

An Bord hatte die Vega-Rakete den Erdbeobachtungssatelliten «Seosat» und den Satelliten «Taranis» für die französische Raumfahrtbehörde CNES. «Seosat» sollte hochauflösende Bilder der Erde liefern und so Informationen für Anwendungen in den Bereichen Kartographie, Landnutzung, Stadtmanagement, Wassermanagement, Umweltüberwachung und Risikomanagement bereitstellen. «Taranis» sollte etwa elektromagnetische Phänomene bei Unwettern beobachten.

«Der Fehlstart der Vega erinnert uns einmal mehr daran, dass wir eine sehr schwierige Arbeit leisten, bei der die Grenze zwischen Erfolg und Misserfolg extrem schmal ist», erklärte Jean-Yves Le Gall, der Präsident der französische Raumfahrtbehörde CNES. Spaniens Zentrum für industrielle technologische Entwicklung beklagte auf Twitter den Verlust des Satelliten. Während man diesen betrauere, sei man aber der Europäische Weltraumorganisation (Esa), Arianespace oder Airbus dankbar für ihre Leidenschaft und ihr durchgehendes Engagement.

Arianespace gehört zur ArianeGroup, die wiederum ein Gemeinschaftsunternehmen des europäischen Luftfahrtkonzerns Airbus und des französischen Triebwerkherstellers Safran ist.

© dpa-infocom, dpa:201117-99-359984/3

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 11. 2020
17:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Airbus GmbH Ariane 5 Arianespace Europäische Weltraumorganisation Konkurrenz Luftfahrtkonzerne Raketen Raumfahrt Raumfahrtbehörden Risikomanagement Satelliten SpaceX Twitter Weltraumbahnhöfe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ariane 5

04.08.2020

Ariane-5-Rakete soll nun am 14. August starten

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Raumfahrt. Nach mehrfachen Verschiebungen soll Ariane 5 nun aber endgültig Mitte August ins All aufbrechen. » mehr

Raketenstart in Kourou

11.07.2019

Erster Fehlstart für europäische Vega-Rakete

Anfangs sieht es aus, als ob alles glatt gehen würde - doch dann gibt es plötzlich Probleme: Die Rakete mit einem Satelliten als Ladung kommt nicht im All an. Besonders groß dürfte das Entsetzen in Abu Dhabi sein. » mehr

Internationale Raumstation

31.03.2020

Die Corona-Krise und das Weltall

Auf der Erde hat die Corona-Krise das Leben vielerorts komplett verändert - und im Weltraum? Die Internationale Raumstation ist derzeit einer der wohl am sichersten Corona-freien Orte. Aber viele Raumfahrt-Pläne sind von... » mehr

Start der «Cheops»-Mission

18.12.2019

«Cheops»-Mission startet verspätet ins All

Es hat nicht sofort geklappt mit dem Raketenstart - doch 24 Stunden später dann Aufatmen: Das Weltraumteleskop «Cheops» ist unterwegs ins All. Die Mission soll Wissenschaftlern dabei helfen, ferne Planeten besser zu vers... » mehr

ArianeGroup-Deutschland-Chef Pierre Godart

20.10.2019

Ariane 6 auf Kurs - Bremer Oberstufen-Zentrum startklar

Wie bei der Ariane 5 kommt auch beim Nachfolge-Modell Ariane 6 die Oberstufe aus Bremen. Ende 2020 soll der Erststart der Trägerrakete erfolgen. Die Ingenieure fiebern dem Countdown schon jetzt entgegen. » mehr

Söder

07.09.2020

Raketen-Start-up Isar Aerospace startet Produktion

In Ottobrunn bei München beginn das Start-up Isar Aersopace seine Raketenproduktion. 2021 soll die erste starten. Währenddessen prüft das Wirtschaftsministerium Pläne für einen deutschen Weltraumbahnhof in der Nordsee. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Weihnachtsbeleuchtung in der Marienstraße wird angebracht Hof

Weihnachtsbeleuchtung in der Hofer Marienstraße | 26.11.2020 Hof
» 12 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 11. 2020
17:41 Uhr



^