Lade Login-Box.
Topthemen: Mordfall OttingerKneipennachtBayern HofVideo: Waldfriedhof Frankenwald

Wissenschaft

Ethikrat: Eingriffe in Erbgut von Nachkommen unzulässig

Die Möglichkeiten für Genmanipulationen an werdenden Menschen nehmen rasant zu. Doch was ist überhaupt zu verantworten? Wissenschaftler, die den Bundestag beraten, mahnen - vorerst - zu Zurückhaltung.



Bild mit Video von Qin Jinzhou
Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui behauptet, er habe geholfen, die ersten genetisch veränderten Babys der Welt zu zeugen.   Foto: Mark Schiefelbein/AP/Archiv

Der Deutsche Ethikrat hält gezielte gentechnische Veränderungen des Erbguts ungeborener Babys bis auf weiteres für unzulässig. Solche Eingriffe seien wegen ihrer unabsehbaren Risiken derzeit unverantwortlich, teilte das unabhängige Beratergremium am Donnerstag in Berlin mit.

Bundesregierung und Bundestag sollten sich für einen verbindlichen internationalen Stopp klinischer Anwendungen beim Menschen einsetzen. Grundsätzlich ethisch auszuschließen seien sogenannte Keimbahneingriffe aber nicht. Voraussetzung müsste dann jedoch eine hinreichende Sicherheit und Wirksamkeit sein. Auch in Deutschland sei eine grundlegende Debatte über das Thema nötig.

Für weltweites Aufsehen und Empörung hatte die im November 2018 in China bekannt gegebene Geburt der ersten «Designer-Babys» gesorgt. Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui verkündete, die beiden Zwillingsmädchen durch eine vorgeburtliche genetische Manipulation lebenslang vor einer Ansteckung mit HIV geschützt zu haben.

Der Vorsitzende des Ethikrats, der Theologe Peter Dabrock von der Universität Erlangen-Nürnberg, machte die Dimension deutlich: «Es gibt den Menschen nun als GVO, als gentechnisch veränderten Organismus.» Der ungeheuren Dynamik der Entwicklung gelte es Rechnung zu tragen. Der Ethikrat hatte bereits 2017 mit Arbeiten für die nun vorgelegte Stellungnahme begonnen. Dabei gehe es um mehr als eine Abschätzung von Risiko und Chancen, sagte Dabrock.

Konkret benennt das Gremium ethische Maßstäbe, die als Orientierung dienen sollen - darunter sind die Menschenwürde, der Lebensschutz, Freiheit, Natürlichkeit, das Vermeiden von Schädigungen, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung. Daraus ergebe sich «keine kategorische Unantastbarkeit der menschlichen Keimbahn», sagte Alena Buyx von der Technischen Universität München. Sie erläuterte, mit einem globalen Moratorium seien nicht die Aktivitäten «jeder Hütte» zu kontrollieren. Dies sei aber «eine rote Linie». Jeder, der dagegen verstoße, bewege sich außerhalb des akzeptierten Standards. Auch Forschungsförderung sei nicht mehr möglich. «Das ist nicht nichts.»

Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin erläuterte, dass es zu manchen Aspekten auch unterschiedliche Auffassungen gebe. So könnten Gen-Eingriffe Paaren mit schweren Erbkrankheiten die Chance auf ein gesundes Kind eröffnen. Für eine Minderheit im Rat sei das Ziel legitim, aber nicht hochrangig genug, um Aufwand und Risiken für Kinder und Kindeskinder zu rechtfertigen. Er betonte zugleich, die Keimbahn sei nicht «sakrosankt» und besitze keine fundamentale Würde wie sie der Mensch insgesamt habe.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
14:34 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chinesische Wissenschaftler Deutscher Bundestag Erbinformationen Forschungsförderung Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Genetik Genetische Erkrankungen Genom-Technik Ludwig-Maximilians-Universität München Nationaler Ethikrat Säuglinge und Kleinkinder Technische Hochschulen Technische Universität München Theologinnen und Theologen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Genveränderte Affen

25.01.2019

China klont erstmals genveränderten Affen

Gerade erst erschütterte China ein Skandal um genveränderte Babys. Jetzt wurden die ersten genveränderten Klonaffen verkündet. Diesmal soll alles nach internationalen Regeln abgelaufen sein. » mehr

Forscher fordern Verzicht auf Schaffung von Designer-Babys

13.03.2019

Forscher gegen Schaffung von Designer-Babys

Biowissenschaftler und Ethiker aus sieben Ländern fordern einen weltweiten befristeten Verzicht auf die Schaffung von Designer-Babys mit gentechnischen Methoden wie der Genschere Crispr/Cas9. » mehr

Tedros Adhanom Ghebreyesus

04.12.2018

Babys mit manipuliertem Genom: WHO-Chef will Standards

Der Bericht über Genommanipulationen an Embryos aus China hat weltweit Empörung ausgelöst. Die WHO beruft jetzt Experten ein. Ausschließen will der WHO-Chef solche Verfahren nicht von vornherein. » mehr

Mark und Scott Kelly

11.04.2019

Zwillingsstudie zeigt Folgen eines längeren All-Aufenthalts

Fast ein ganzes Jahr verbrachte Scott Kelly auf der Internationalen Raumstation. Sein Zwillingsbruder Mark Kelly blieb währenddessen auf der Erde. Beide wurden in dieser Zeit intensiv untersucht - jetzt sind erste Ergebn... » mehr

Bachforellen-Sterben

28.11.2018

Forscher lüften Geheimnis um Bachforellen-Sterben

Ein Forellensterben im Alpenraum sorgte für Rätselraten. Nun haben Forscher die Ursache geklärt: ein bislang unbekanntes Virus. Aber Fragen bleiben: Wo kommt der Erreger her? » mehr

Kinderkrankenhaus in China

11.02.2019

Künstliche Intelligenz für Diagnosen in der Kindermedizin

Systeme mit Künstlicher Intelligenz könnten künftig Kinderärzte unterstützen und auch bei Erwachsenen seltene Erbkrankheiten erkennen. Allerdings müssen dazu genügend Daten zur Verfügung stehen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Chemikalien-Fund in Schwarzenbach an der Saale Schwarzenbach an der Saale

Chemikalien-Fund in Schwarzenbach an der Saale | 18.05.2019 Schwarzenbach an der Saale
» 13 Bilder ansehen

90er-Closing Susi Weißenstadt

90er-Closing Susi Weißenstadt | 18.05.2019 Weißenstadt
» 28 Bilder ansehen

Gemeinsam stark - Hof macht Sport

Gemeinsam stark - Hof macht Sport | 18.05.2019 Hof
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 05. 2019
14:34 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".