Lade Login-Box.
Topthemen: Live-Ticker "Rock im Park"Mit Video: HöllentalbrückenSchlappentag

Wissenschaft

Forscher wollen Rheinschiffern helfen

Mancher Rheinfrachter rauscht den Fluss mit nur ein paar Zentimetern Wasser unterm Kiel hinunter. Auf einem besonders heiklen Flussabschnitt soll jetzt Abhilfe geschaffen werden.



Großmodell des Jungferngrund am Rhein
Alleine acht Monate habe der Aufbau des Modells gedauert.   Foto: Uli Deck

Der Rhein ist ein romantischer Mythos und gleichzeitig einer der wichtigsten Güterverkehrswege in Deutschland. Das vergangene Dürrejahr hat Probleme für die Binnenschifffahrt aufgezeigt und verschärft.

Im mittleren Rhein zwischen Wiesbaden/Mainz und St. Goar fehlen im Vergleich zu den angrenzenden Strecken 20 Zentimeter Tiefe in der Fahrrinne. Das klingt wenig, hat aber erhebliche Auswirkungen. Der Ausbau der knapp 50 Kilometer langen Strecke steht bereits im Bundesverkehrswegeplan.

Um die besten Möglichkeiten für die Umsetzung zu finden, arbeiten Wissenschaftler der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) in Karlsruhe nach Computeranalysen nun mit einem riesigen Modell. In einer Halle mindestens so groß wie ein Fußballfeld plätschert der Rhein im Maßstab 1:60 vor sich hin. Den Forschern geht es um den besonders engen und gefährlichen «Jungferngrund» südlich von St. Goar in Rheinland-Pfalz. Auf der Innenseite einer Flussbiegung liegt eine große Kiesbank, auf der Außenseite eine Insel.

Alleine acht Monate habe der Aufbau des Modells gedauert, berichtet Thorsten Hüsener von der BAW. Mit den Werten von Zigtausenden Messpunkten in der Natur - alle 50 Zentimeter einer - modellierten Fachleute den Untergrund des Flussbetts millimetergenau aus Beton. Der Maßstab in der Flusstiefe ist mit 1:50 etwas größer als in Länge und Breite. Das ist notwendig, um genug Wassertiefe für Messgeräte zu haben.

Fast geräuschlos fließt klares Wasser durch das Modell. Aus einem trichterförmigen Behälter rieseln kleine Kunststoffkügelchen. Sie stellen den Sand und Kies dar, den der Fluss stromabwärts transportiert. Deutlich ist zu sehen, wie sie langsam an der Gewässersohle entlangrollen und sich an bestimmten Stellen sammeln. Ein Jahr lang testeten die BAW-Wissenschaftler immer wieder neue Veränderungen am Modell, um herauszufinden, ob sich Ablagerungen in der Fahrrinne vermeiden lassen. Etwa durch Längs- oder Querbauwerke, wie sie sich bereits an vielen Stellen im Rhein befinden.

Warum ist das ganze so wichtig? Auf dem Mittelrhein fahren jährlich rund 50 000 Güterschiffe mit 60 Millionen Tonnen Ladung. Alleine der riesige Chemiekomplex von BASF in Ludwigshafen ist auf mehrere Millionen Tonnen Schiffsfracht im Jahr angewiesen. Die Bundesregierung geht von einer weiteren deutlichen Zunahme des Verkehrs in den nächsten Jahren aus.

Bis endgültig klar sei, welche Baumaßnahmen zum Beispiel am «Jungferngrund» für mehr Wassertiefe sorgen sollen, dauere es noch etwas, sagt der Leiter der BAW-Abteilung Wasserbau im Binnenbereich, Andreas Schmidt. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz muss alles noch unter ökologischen Gesichtspunkten bewerten. Denn die Kiesbank des «Jungferngrundes» zum Beispiel ist ein wertvoller Bereich für den Rhein und bietet Fischen eine Kinderstube. Erst nach der Bewertung beginnt das Planfeststellungsverfahren.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) sehnt die Verbesserung des Wasserstandes geradezu herbei. «Sämtliche Ausbaumaßnahmen an den Flüssen und Kanälen in Deutschland sind massiv verzögert», sagt BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen. Für die Binnenschiffer geht es auch um bares Geld. Nach der Mittelrheinvertiefung können die Schiffe bei niedrigem und mittlerem Wasserstand bis zu 200 Tonnen mehr Ladung transportieren. Das hat auch einen umweltpolitischen Aspekt, denn jedes Schiff kann so etwa zehn Lastwagenfahrten zusätzlich ersetzen. «Der volkswirtschaftliche Nutzen dieser Maßnahme ist überragend», sagt Schwanen.

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
19:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Schmidt BASF AG Binnenschifffahrt Bundesanstalt für Gewässerkunde Bundesanstalt für Wasserbau Bundesverkehrswegeplan Flussabschnitte Wasser Wasserbau Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Röntgenteleskop eRosita

14.06.2019

Teleskop eRosita auf dem Weg ins All

Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxien - das Röntgenteleskop eRosita soll diese in bisher unerreichter Auflösung erforschen. Die deutsch-russische Mission startet in Kürze; die Erwartungen sind hoch. » mehr

Vulkan auf Kamtschatka

14.06.2019

Vulkan auf Kamtschatka brodelt wieder

Ein Vulkan auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka galt lange als erloschen. Doch seit einiger Zeit rumort es wieder im Inneren. Ob es zu einem Ausbruch kommt, ist ungewiss. Er könnte gravierende Folgen haben. » mehr

Cannabis-Konsum

13.06.2019

Cannabis-Konsum vor 2500 Jahren

Hanfpflanzen wurden schon vor Jahrtausenden angepflanzt, um daraus Öle oder Stoffe herzustellen. Aber seit wann berauschen sich Menschen an Cannabis? Hinweise darauf liefert eine aktuelle Studie. » mehr

Die Vogelberinger von Helgoland

11.06.2019

Ringe für 180.000 Vögel jährlich

Tausende Vögel werden jährlich auf Helgoland mit einem Ring versehen. In speziellen Netzen werden sie gefangen. Bei der Erkundung der Vogelzüge setzen die Forscher künftig verstärkt auf Hightech. » mehr

Computerspiele

10.06.2019

Videospielende Kinder und Jugendliche sind nicht dicker

Couch-Potatos werden dick und übergewichtig. Dieses Vorurteil mag auf Fernseh-Stubenhocker zutreffen. Für Video- und Computerspiel-Zocker gilt das aber wohl nicht. » mehr

Rötelmaus

09.06.2019

Achtung, Mäusekot! Viele Hantavirus-Infektionen erwartet

Staubige Schuppen, Garagen oder Waldhütten - dort kann man sich in mehreren Regionen Deutschlands mit dem sogenannten Hantavirus anstecken. Das Risiko ist dieses Jahr höher - aber warum? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

121499141.jpg Weßling

Fotoshooting für den Jungbäuerinnenkalender 2020 | 19.06.2019 Weßling
» 8 Bilder ansehen

IndieMusik Festival 2019 Hof

In.Die.Musik-Festival | 15.06.2019 Hof
» 233 Bilder ansehen

14. Thonberglauf in Schauenstein

14. Thonberglauf in Schauenstein | 01.06.2019 Schauenstein
» 67 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
15. 03. 2019
19:25 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".