Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER SelbGerch

Wissenschaft

Handel mit Wildtieren: Eine Lösung für deren Schutz?

Immer mehr wildlebende Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht. Können die Jagd oder ein nachhaltiger Handel ihnen beim Überleben helfen? Darüber streiten Tierschützer und Regierungen.



Löwe
Ein Asiatischer Löwe im Londoner Zoo.   Foto: Aaron Chown/PA Wire

Elefantenschädel als Jagdtrophäen, Elfenbein für Schmuck: Geht es nach dem Willen mehrerer Länder im südlichen Afrika, soll mehr Handel mit Elefanten erlaubt werden.

Seit Samstag beraten Vertreter der 183 Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzübereinkommens über den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen (Cites) über diese und andere Anträge in Genf. An der Lockerung von Wildschutzbestimmungen scheiden sich die Geister.

Die neue Generalsekretärin des Übereinkommens, Ivonne Higuero, hat Verständnis für solche Anliegen. Der Schutz von Tieren und Pflanzen vor Wilderern sei kostspielig, die lokale Bevölkerung müsse von ihrem Einsatz auch wirtschaftlich profitieren können, sagte sie zum Auftakt der Konferenz. «Der Schutz und der legale Handel mit Wildarten tragen zu nachhaltiger Entwicklung bei, das ist bewiesen», sagte sie. «Tourismus ist ein Teil der Lösung, aber wir müssen weitere Lösungen im Rahmen legalen Handels finden.»

Tierschützer kritisieren diese Auffassung. Bei Cites gehe es einzig um den Schutz der Arten, keine anderen Aspekte, sagte Daniela Freyer, Mitgründerin der Organisation Pro Wildlife. Sie ist gegen die Lockerung von Wildschutz.

Sambia, Botsuana, Namibia und Simbabwe begründen ihre Anträge auf Lockerung des Elefanten- und Nashornschutzes damit, dass ihre Schutzmaßnahmen erfolgreich gewesen seien. In Botsuana etwa sei die Elefantenpopulation zwischen 2002 und 2015 von rund 100.000 auf 130.000 Tiere gewachsen. In der Zählung des «Great Elephant Census» hieß es 2016 allerdings, seit 2010 sei die Population schon wieder um 15 Prozent geschrumpft. Über eine neue Wildereikrise in Botsuana berichtete Scott Schlossberg im Juli in der Fachzeitschrift «Current Biology». Im Norden des Landes sei die Zahl frischer Elefantenkadaver zwischen 2014 und 2018 um fast 600 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr seien dort 156 Elefanten gewildert worden. 

Jagdverbände befürworten eine Lockerung des Schutzes. Geld aus Abschusslizenzen könnte etwa in Bildungseinrichtungen oder die Sanitärversorgung der örtlichen Bevölkerung fließen, sagt Dietrich Jelden, Ex-Leiter der deutschen Cites-Vollzugsbehörde und Experte beim Internationalen Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes (CIC). «Jede Einkommensquelle, die in Einklang steht mit einem nachhaltigen Wildschutz, ist extrem wichtig», sagt er. Die Einnahmen aus Jagdlizenzen kämen vor allem den Organisatoren von Jagdreisen zu Gute, selten in großem Umfang der lokalen Bevölkerung, meint hingegen Freyer.

Die Bundesregierung will sich in Genf vor allem für einen besseren Kampf gegen die Wilderei einsetzen. «Dafür darf es keine Lockerung der geltenden internationalen Handelsverbote geben», teilte das Bundesumweltministerium mit. Elefanten und andere Tiere dürfen schon heute als Jagdtrophäen mit Genehmigungen nach Deutschland eingeführt werden. Im vergangenen Jahr wurden Einfuhrlizenzen für 48 Elefanten, 31 Leoparden, 17 Löwen und vier Eisbären ausgestellt, wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Bündnis 90/Grünen-Abgeordneten Steffi Lemke im Bundestag hervorgeht. Die Konferenz dauert bis 28. August.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 08. 2019
14:38 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Artenschutz Bundesumweltministerium Deutscher Bundestag Elefanten Nachhaltige Entwicklung Pflanzen und Pflanzenwelt Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Steffi Lemke Tiere und Tierwelt Tierschützer Wilderer Wildtiere
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wasserfrosch

26.04.2019

Weniger Gequake am Teich: Frösche und Kröten in Gefahr

Immer mehr Tümpel und Teiche werden zugebaut, viele Gärten ähneln eher Golfplätzen als Naturräumen: Für Frösche, Unken und Kröten hat diese Entwicklung dramatische Folgen. Viele heimische Arten gelten mittlerweile als ge... » mehr

Makohai

28.08.2019

Wichtige Entscheidungen der Artenschutzkonferenz

Der Handel mit Dutzenden Tier- und Pflanzenarten wird schärfer überwacht. Das beschlossen die 183 Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens über den Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere u... » mehr

Ariane-Rakete

12.11.2019

Bundesregierung will Gelder für Raumfahrtagentur Esa kürzen

Die Bundesregierung will der europäischen Raumfahrtagentur Esa die Mittel kürzen und mehr Geld für rein deutsche All-Missionen ausgeben. Das sieht ein Antrag der Großen Koalition vor. Über das Papier berichtete zuerst di... » mehr

Schweinswal

02.05.2019

2018 über 200 tote Schweinswale an der Ostseeküste gefunden

An der deutschen Ostseeküste sind im vergangenen Jahr 203 tote Schweinswale gefunden worden. In Schleswig-Holstein waren es 134, in Mecklenburg-Vorpommern 69 verendete Tiere. » mehr

Katzen auf Jagd

23.07.2019

Katzen in Australien gefährden heimische Arten

Mit den europäischen Auswanderern kamen einst auch Tiere nach Australien - doch gerade Katzen haben den heimischen Arten den größten Schaden zugefügt. Bis 2020 sollen nun zwei Millionen von ihnen sterben. » mehr

Sumatra-Nashorn

01.10.2019

Malaysia will Sumatra-Nashörner retten

Mit künstlicher Befruchtung will Malaysia seine Sumatra-Nashörner vor dem Aussterben retten. Wissenschaftlern gelang es nach Presseberichten, dem letzten weiblichen Tier des Landes namens Iman eine Eizelle zu entnehmen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Mario Barth in Hof Hof

Mario Barth in Hof | 15.11.2019 Hof
» 57 Bilder ansehen

Susi loves Black! Weißenstadt

Susi loves Black! | 15.11.2019 Weißenstadt
» 33 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim | 15.11.2019 Selb
» 34 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
17. 08. 2019
14:38 Uhr



^