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Wissenschaft

Jagdverband: App soll Wildunfälle vermeiden helfen

Alle zweieinhalb Minuten kommt es auf Deutschlands Straßen zu einem oft folgenschweren Verkehrsunfall mit einem Waldtier. Was sind die Ursachen? Was kann vorbeugend getan werden? Warnschilder allein reichen jedenfalls nicht aus.



Wildunfall
Ein nach einem Wildunfall verendeter Fuchs liegt am Rand einer Bundesstraße.   Foto: Holger Hollemann

Wildunfälle werden nicht nur durch Zusammenstöße mit Rehen oder Wildschweinen verursacht. Auch für kleine Wildtiere wie Feldhase, Fuchs, Dachs, Fischotter oder Marder ist der Straßenverkehr eine tödliche Gefahr.

«Kleine Tiere sind deutlich häufiger betroffen als bislang angenommen», sagte Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes. Sie sind an jedem fünften Unfall beteiligt. Das habe die Auswertung von 40.000 Daten aus dem Tierfund-Kataster des Verbandes ergeben.

Entlang der Autobahnen, Bundes- oder Landstraßen sind oft Kadaver von Wildtieren zu entdecken - sie bleiben aber bislang von der Statistik größtenteils unbeachtet. Wildunfälle erfasst das Statistische Bundesamt nur dann, wenn Personen zu Schaden kommen, das passiert in etwa einem Prozent der Fälle. Jäger zählen systematisch umgekommene große Tiere: alle zweieinhalb Minuten kollidiert laut Jagdstatistik ein Reh, ein Wildschwein oder ein Hirsch mit einem Fahrzeug.

Das seit Ende 2016 bundesweit bestehende Tierfund-Kataster soll dabei helfen, Wildunfälle und andere Totfunde systematisch zu erfassen. Dazu ist eine App verfügbar, mit der tote Tiere gemeldet werden können. Rund 8000 Nutzer seien derzeit registriert, sagte Reinwald. Über die App werden verschiedene Informationen, wie Fundort, Tierart und Todesursache abgefragt. «Jeder kann mithelfen, Straßen für Mensch und Tier sicher zu machen», sagte Wolfgang Heins, DJV-Präsidiumsmitglied .

Ziel des Katasters ist es auch, langfristig Unfälle zu vermeiden. «Verkehrsschilder, die vor Wildwechsel warnen, reichen schon lange nicht mehr aus», sagt Reinwald. Gefahren würden dadurch nicht verringert. Beim Autofahrer trete lediglich ein Gewöhnungseffekt ein. Nach Angaben des Jagdverbandes gibt es pro Jahr dutzende Tote, mehr als 3000 Verletzte und eine halbe Milliarde Euro Sachschäden durch Wildunfälle. Durch das Kataster werden erstmals bundesweit nach einheitlich Kriterien die Fundtiere erfasst, unter anderem der genaue Ort, die Tierart und die Todesursache. Zum Teil werden auch Fotos hochgeladen.

Wissenschaftler der Universität Kiel werten die Daten aus und ermitteln Unfallschwerpunkte. «Wir erhoffen uns, Gefahren für Mensch und Tier zu minimieren», sagte Reinwald. Kleine Maßnahmen reichten oftmals schon aus. So sollten Straßenränder nicht zu dicht mit Büschen oder Bäumen bepflanzt werden, um den Autofahrern nicht die Sicht auf sich nähernde Wildtiere zu nehmen. Auch sollten Gräser und Kräuter gesät werden, die Tiere nicht gern fressen.

Über das Jahr verteilt sind April und Mai sowie Oktober und November die Monate mit den meisten Zusammenstößen. Problematisch sind danach für die Waldtiere vor allem die Wochen bei der Umstellung auf Sommer- oder Winterzeit. Autofahrer müssten sich auf diese besondere Gefahr einstellen: unter anderem längeren Bremsweg einrechnen oder hupen.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
21. 09. 2018
13:48 Uhr

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21. 09. 2018
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