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Wissenschaft

Klimaziele erfordern vorzeitige Stilllegung von Kraftwerken

Sinkende CO2-Emissionen sollen den Klimawandel bremsen. Doch noch immer werden fossile Kraftwerke gebaut. Die Erderwärmung lasse sich so nicht auf 1,5 Grad begrenzen, warnen Forscher.



Kohlekraftwerk
Laut eine aktuellen Studie ist für fossile Kraftwerke praktisch keinen Platz hat, wenn die internationalen Klimaziele erfüllt werden sollen.   Foto: Julian Stratenschulte

Der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur lässt sich nur mit drastischen Maßnahmen auf 1,5 Grad beschränken. So dürften Berechnungen zufolge keinerlei neue CO2-emittierenden Anlagen wie Kohlekraftwerke mehr in Betrieb genommen werden.

Zudem müssten bestehende Anlagen in ihrer Laufzeit oder ihrer Auslastung deutlich beschränkt werden. Das schreiben US-Forscher um Steven Davis von der University of California in Irvine im Fachblatt «Nature».

Die 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele sehen vor, den Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters zu begrenzen. Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden der Weltwetterorganisation (WMO) um etwa ein Grad erwärmt, Deutschland sogar noch etwas stärker. Die Folgen sind zunehmend spürbar: Gletscher schmelzen, in vielen Regionen gibt es häufiger extreme Niederschläge, aber auch Hitzewellen.

Die Jahre 2015 bis 2018 waren der Weltwetterorganisation zufolge die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren. Geht es weiter wie bisher, leben die Menschen Ende dieses Jahrhunderts wohl in einer gut drei Grad wärmeren Welt. Die Folgen sind kaum absehbar - schon eine Erwärmung um 1,5 Grad hat dramatische Auswirkungen auf Meeresspiegel, Artenvielfalt, Ernten und Wasserversorgung in vielen Regionen.

«Unsere Ergebnisse zeigen, dass neue CO2-emittierende Infrastruktur praktisch keinen Platz hat, wenn die internationalen Klimaziele erfüllt werden sollen», sagt Co-Autor Steven Davis. Stattdessen müssten bestehende Kraftwerke und Industrieanlagen früher stillgelegt werden, sofern sie nicht mit Technologien nachgerüstet werden können, um Kohlendioxid (CO2) gar nicht erst auszustoßen. Emissionen könnten auch ausgeglichen werden, indem CO2 aus der Atmosphäre geholt werde. Solche Techniken sind aber bislang noch nicht breit einsetzbar.

«Wenn das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden soll, dann muss Mitte des Jahrhunderts bereits CO2-Neutralität erreicht werden», erklärt Sabine Fuss vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin, die nicht an der Studie beteiligt war. «Das heißt, dass wir dann jede Tonne CO2, die in die Atmosphäre entlassen wird, auch wieder herausholen müssen.» Besser sei es, gar nicht erst weitere Kohlekraftwerke zu bauen. Auch weitere Verzögerungen beim deutschen Kohleausstieg wären «weder klimapolitisch noch wirtschaftlich sinnvoll», so Fuss.

«Deutschland spielt im globalen Klimaschutz eine besondere Rolle», sagt Niklas Höhne, Leiter des New Climate Institute in Köln und Professor für Klimaschutz an der Universität Wageningen (Niederlande). «Nur wenn Deutschland der Kohleausstieg gelingt, können auch andere Länder davon überzeugt werden, dasselbe zu tun.» Deutschland bringe zudem Technologien wie günstigen Strom aus Sonne und Wind voran, die dann von anderen genutzt werden könnten, erklärte Höhne, der ebenfalls nicht an der «Nature»-Studie beteiligt war. «Es ist also gar keine Frage, dass wir uns um deutsche Treibhausgasemissionen zuerst kümmern müssen, weil das erst Veränderungen in anderen Ländern ermöglicht.»

Davis und sein Team hatten berechnet, wie viel CO2 global gesehen ausgestoßen wird, wenn alle bestehenden Anlagen unter anderem aus dem Kraftwerks- und Industriesektor mit ihrer vorgesehenen Laufzeit weiter betrieben werden. Ergebnis: Rund 658 Gigatonnen CO2 würden freigesetzt. Diese Zahl bewegt sich - abhängig von der Berechnungsgrundlage - in einem Rahmen zwischen 226 und 1479 Gigatonnen. Beziehen die Forscher geplante oder in Bau befindliche Kraftwerke und Industrieanlagen wie bisher mit ein, kommen sie sogar auf rund 846 Gigatonnen.

Um das 1,5-Grad-Ziel mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent zu erreichen, dürfen laut Weltklimarat aber nur noch rund 420 Gigatonnen in die Atmosphäre geblasen werden. Die Organisation geht davon aus, dass eine globale Erwärmung von 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit wahrscheinlich zwischen 2030 und 2052 erreicht ist, wenn die Entwicklung so weitergeht wie bislang.

«Der («Nature»-)Artikel bestätigt, dass uns die Zeit davonrennt», so Klimaexperte Höhne. Da der Klimaschutz in den letzten zehn Jahren zu langsam vorangekommen sei, müsse jetzt kräftig nachgeholt werden. «Eine Welt ohne Kohle, Öl und Gas ist möglich. Immer mehr Länder, Bundesstaaten, Städte und Unternehmen setzen sich solche Ziele.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
22:37 Uhr

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