Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wissenschaft

Masern zeigen in Madagaskar ihre verheerende Macht

In vielen Ländern weltweit schlagen die Masern zu wie lange nicht mehr. In Deutschland werden nun Pläne für eine Impfpflicht konkreter. In Madagaskar ist nur etwa die Hälfte aller Kinder geimpft. Einer der weltgrößten Ausbrüche zeigt dort die furchtbaren Folgen.



Masern in Madagaskar
In Madagaskar ist nur etwa die Hälfte aller Kinder geimpft. Einer der weltgrößten Ausbrüche zeigt dort die furchtbaren Folgen.   Foto: Laetitia Bezain

Der fünf Monate alte Isaïa hätte nicht sterben müssen. Eine einfache Impfung hätte sein Leben wohl gerettet. Seine Mutter Lalatiana Ravonjisoa ist nach dem Masern-Tod des Jungen verzweifelt.

«Ich werfe mir vor, nicht genug getan zu haben», sagt die 35-Jährige. Isaïa ist eines von mehr als 1200 Todesopfern der seit Monaten andauernden Masern-Epidemie in Madagaskar. Mit rund 120.000 Erkrankungen seit September ist der Ausbruch einer der derzeit größten der extrem ansteckenden Virusinfektion weltweit.

«Er ist nur eine Woche nach dem ersten Fieber gestorben», sagt Ravonjisoa, Gemüseverkäuferin aus der Hauptstadt Antananarivo. Einen Arztbesuch habe sie sich nicht leisten können. Die Epidemie in dem Inselstaat vor der Südostküste Afrikas ist ein dramatisches Beispiel für das, was die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine beunruhigende Rückkehr vermeidbarer Krankheiten nennt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlug am Montag Alarm: Die Zahl der von Januar bis März gemeldeten Fälle lag viermal so hoch wie Vorjahreszeitraum. 170 Länder meldeten demnach zusammen rund 112 000 Erkrankungen, verglichen mit 28.000 im Jahr 2018. Die tatsächliche Zahl liege noch deutlich höher, warnte die WHO. Sie geht davon aus, dass nur jeder zehnte Fall gemeldet wird. Derzeit gibt es Epidemien in Europa, den USA, Afrika und Asien.

Zu den Gründen für die Zunahme der Krankheitsfälle in entwickelten Ländern gehört Impfmüdigkeit, verbunden mit der Angst vor angeblichen Nebenwirkungen. Die WHO zählt mangelnde Impfbereitschaft bereits zu den größten Gesundheitsrisiken der Welt. Es handelt sich nicht um ein abstraktes Risiko: Vor Einführung der Masern-Impfung starben 1980 nach WHO-Daten rund 2,6 Millionen Menschen an der Viruskrankheit, 2016 waren es noch rund 100.000, vor allem in ärmeren Ländern.

In Deutschland, wo fast 95 Prozent aller Schulanfänger beide empfohlenen Masern-Impfungen erhalten haben, kann sich kaum noch jemand daran erinnern, dass Masern auch tödlich verlaufen können. Doch die Zahl der Erkrankungen nimmt wieder zu. Dem zuständigen Robert Koch-Institut in Berlin wurden 2018 Daten zu 543 Masern-Fällen übermittelt. Zu einem großen Anstieg kam es demnach zuletzt auch in der WHO-Region Europa: 2017 seien dort 23.927 Menschen erkrankt - 2016 waren es nur 5273.

Die Rückkehr der Masern hat bereits zu Forderungen nach einer Impfpflicht geführt. Anfang Mai wird dazu ein Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet. Einzelne Bundesländer wie Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wollen mit eigenen Regelungen vorangehen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte Ende März gesagt: «Die Gesundheit und der Schutz der gesamten Bevölkerung setzen der individuellen Freiheit Grenzen.»

Das Virus hatte in Madagaskar leichtes Spiel, weil jahrelang nur gut die Hälfte aller Kinder geimpft wurden. Dem Staat fehlen die Mittel für Impfkampagnen. Weltweit sind vor allem ärmere Länder von Masern betroffen. Im zentralafrikanischen Kongo haben die Behörden seit Jahresanfang rund 41 000 Erkrankungen und 760 Masern-Tote gezählt, auf den Philippinen erlagen der Krankheit mehr als 350 Menschen. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Kinder bis zu fünf Jahren.

Die sechs Kinder von Marie-Jeanne Randriamahefy in Antananarivo hatten im Dezember alle Masern. «Drei Kinder lagen in einem Bett, die drei übrigen im anderen Bett», erzählt sie. Alle Kinder haben überlebt, aber die 44-Jährige macht sich Vorwürfe: «Ich habe die Kinder nicht impfen lassen. Es ist meine Schuld, dass sie fast gestorben sind.»

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
18:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundesgesundheitsminister CDU Debakel Epidemien Franziska Giffey Impfungen Jens Spahn Kinder und Jugendliche Kranke Masern Masern-Impfungen Robert-Koch-Institut SPD Todesopfer Viruserkrankungen Weltgesundheitsorganisation
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Masken im Klassenraum

vor 20 Stunden

Experten empfehlen Maske auch im Klassenzimmer

Schutzmasken sollen verhindern, dass das Corona-Virus weitergegeben wird. In vielen Klassenzimmern gibt es trotzdem keine Maskenpflicht. In Bussen und Bahnen gibt es sie schon - aber nicht jeder hält sich daran. Helfen B... » mehr

Impfung

05.12.2019

Zahl der Todesopfer durch Masern deutlich gestiegen

Die Masern breiten sich vielerorts gefährlich aus. Vor allem in Afrika infizieren sich viele Menschen mit der hochansteckenden Krankheit. Die Zahl der Todesfälle steigt - und Besserung ist nicht in Sicht. » mehr

Coronavirus-Test

18.03.2020

Lange Wartezeiten bei Tests auf Coronavirus

Wer sich auf das Coronavirus testen lässt, muss einige Zeit auf das Ergebnis warten. Aber vielerorts dauert es auch, bis der Test überhaupt durchgeführt werden kann. » mehr

Impfung

24.10.2019

Polio-Impfquoten in Deutschland zu niedrig

In Deutschland haben inzwischen weniger Kinder einen Impfschutz gegen Kinderlähmung als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Dabei ist die Gefahr nicht gebannt. Das Virus ist weltweit nicht ausgerottet, ein Einschl... » mehr

Impfung

28.07.2020

Fast alle Kinder unter fünf Jahren gegen Hepatitis geschützt

Gute Nachricht: Bis 2020 sollte der Anteil der chronisch mit Hepatitis B infizierten Kinder unter fünf Jahren auf unter ein Prozent sinken. Das ist gelungen. » mehr

Impfung

14.06.2020

Bieten zugelassene Lebendimpfstoffe Schutz vor Covid-19?

Bis zur Zulassung eines Corona-Impfstoffs werden noch viele Monate vergehen. Derweil könnten bereits zugelassene Lebendimpfstoffe das Covid-19-Risiko senken, vermuten Forscher. Doch welche Vakzine böte sich an? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auto kracht auf A 9 in Betonwand A 9/Bindlacher Berg

Auto schleudert auf A 9 in Betonwand | 06.08.2020 A 9/Bindlacher Berg
» 9 Bilder ansehen

Abschlussfeier der FOS/BOS Hof

Abschlussfeier der FOS/BOS Hof | 28.07.2020 Hof
» 40 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
15. 04. 2019
18:47 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.