Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Wissenschaft

Menschen siedelten früher als gedacht hoch im Gebirge

Wasser vom Gletscher, Eier aus dem Tal: Vor Zehntausenden Jahren siedelten Menschen schon im Hochgebirge. Ihr Speiseplan war aus heutiger Sicht etwas speziell.



Bale-Mountains-Nationalpark
Die gebirgige Landschaft im Bale-Mountains-Nationalpark. Menschen haben in Äthiopien schon wesentlich früher als gedacht Bergregionen besiedelt.   Foto: Götz Ossendorf

Menschen haben schon wesentlich früher als gedacht unwirtliche Bergregionen besiedelt. Bereits vor mehr als 30.000 Jahren lebten sie als Jäger und Sammler im damals vergletscherten Bale-Gebirge im heutigen Äthiopien, wie Forscher unter deutscher Leitung im Fachblatt «Science» schreiben.

«Sie haben dort nicht nur lange Zeit verbracht, haben gegessen, gekocht, Fäkalien hinterlassen und Werkzeuge hergestellt, sondern die Ressourcen des Hochgebirges wiederholt, über viele Jahrtausende hinweg, genutzt», sagte Hauptautor Götz Ossendorf von der Universität Köln.

Auf 3500 Metern Höhe im Bale-Mountains-Nationalpark haben die Archäologen eine Art Basiscamp der Steinzeitmenschen entdeckt. Von dieser Fundstelle aus unternahmen die damaligen Menschen Streifzüge in die Umgebung. Es handelte sich vermutlich um kleine Gruppen von 20 bis 25 Leuten. Die Wissenschaftler fanden zahlreiche Artefakte, darunter Steinwerkzeuge aus Obsidian - Vulkanglas -, das die Menschen sich nachweislich aus über 4200 Metern Höhe und in unmittelbarer Nähe der damaligen Gletscher beschafften.

Warum die Menschen so früh bereits ins Hochgebirge zogen, ist nicht bekannt. «Unsere Ausgangshypothese war, dass das durch klimatischen Druck geschah», sagte Ossendorf. «Das trifft aber auf keinen Fall zu. Wir wissen es schlicht nicht. Vielleicht war es einfach Neugier.» Die Menschen fanden in jedem Fall genug zu essen und zu trinken und passten sich den Gegebenheiten des alpinen Hochgebirges an.

Sie tranken ganzjährig abschmelzendes Gletscherwasser und jagten die dort zahlreich vorkommenden Riesenmaulwurfsratten (Tachyoryctes macrocephalus). Dadurch konnte sowohl dem größeren Kalorienbedarf in diesen Höhenlagen Rechnung getragen werden, als auch übermäßige körperliche Anstrengungen in diesen sauerstoffarmen Höhen vermieden werden. Für geübte Jäger seien diese Tiere nicht schwierig zu erlegen gewesen, sagt Ossendorf.

Die Riesenmaulwurfsratten leben in einer Art Heideland. Womöglich haben die damaligen Menschen schon Vegetation abgebrannt, um den Lebensraum der Tiere zu vergrößern und dadurch ihre eigene Nahrungsgrundlage zu sichern. «Wir haben es mit Homo sapiens zu tun», sagte Ossendorf. «Die haben keine Smartphones gehabt, aber kognitiv gibt es keinen grundsätzlichen Unterschied zu heutigen Menschen. Darüber hinaus zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der prähistorische Homo sapiens schon früh in der Lage war, dauerhaft alle ökologischen Nischen erfolgreich zu besiedeln, darunter auch sehr unwirtliche Regionen.»

Die Wissenschaftler fanden auch ein Straußenei. «Strauße kommen dort oben nicht vor, das heißt also, dass die Menschen in einem Austausch mit Leuten aus den Ebenen standen. Sie waren also Teil eines Netzwerks.»

Die jetzt veröffentlichte Studie ist Teil eines internationalen und interdisziplinären Forschungsprojektes unter Leitung der Universität Marburg in Zusammenarbeit unter anderem mit Wissenschaftlern der Universitäten Köln, Bern, Halle-Wittenberg, Rostock, Bayreuth und Addis Abeba.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
11:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Archäologen Forschungsprojekte Gebirge Gletscher Hochgebirge Philipps-Universität Marburg Tiere und Tierwelt Wasser Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Klimawandel und Tourismus

31.10.2019

Forscher warnen vor drastischen Klimafolgen in den Bergen

Die verheerenden Folgen des Klimawandels in den Hochgebirgen der Welt haben Auswirkungen auf Milliarden Menschen. » mehr

Forscher drucken erstmals 3D-Brücke aus Stahl

30.10.2019

Brücke aus einem Guss - Neues 3D-Druckverfahren für Stahlbau

Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt haben ein 3D-Druckverfahren für Stahlbauwerke wie Brücken aus einem Guss entwickelt. » mehr

Forscher entdecken uralte Grabenanlage

14.10.2019

Forscher entdecken nahe Tübingen uralte Grabenanlage

Der archäologische Fund eines Skeletts aus der frühen Jungsteinzeit wirft Rätsel auf. Schmuckstücke aus Kalksteinperlen - sonst eher im Raum der Karpaten zu finden - sind Grund des Rätsels, aber möglicherweise gleichzeit... » mehr

Nördliches Breitmaulnashorn

25.06.2019

Ausgestorbene Arten wiederbeleben: Geniestreich oder Gefahr?

Jährlich sterben Hunderte Arten aus - meist wegen uns Menschen. Das versuchen Forscher nun mit moderner Technik zu verhindern. Manche wollen sogar das Mammut wiederbeleben. Doch dies wirft Fragen auf. » mehr

Mysteriöse Bootsgräber gefunden

25.11.2019

Mysteriöse Bootsgräber aus der Wikingerzeit

Die Wikinger bestatteten wichtige Persönlichkeiten in Booten. In Norwegen wurde nun eine besondere solche Grabstätte entdeckt: mit einem Boot im Boot. An anderer Stelle gab es einen weiteren spektakulären Fund. » mehr

Blutdruck

23.10.2019

Blutdrucksenker: Wirkung bei Einnahme am Abend oft günstiger

Blutdrucksenker werden oft einmal täglich eingenommen. Doch welcher Zeitpunkt ist der beste? Eine großangelegte Studie liefert neue Hinweise. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Frontal-Crash auf B 173 bei Selbitz Selbitz

Frontal-Crash auf B 173 bei Selbitz | 12.12.2019 Selbitz
» 13 Bilder ansehen

Truck Stop - Schöne Bescherung

Truck Stop - Schöne Bescherung | 12.12.2019 Hof
» 73 Bilder ansehen

EC Peiting - Selber Wölfe

EC Peiting - Selber Wölfe | 08.12.2019 Peiting
» 36 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
09. 08. 2019
11:41 Uhr



^