Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Wissenschaft

Munich Re: Winter werden wärmer - trotz Kältewelle

Nach dem vielen Schnee in den Alpen kommt die Kälte - und zwar voraussichtlich nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Für Klimaskeptiker sind Kältewellen ein Argument gegen die globale Erwärmung. Geowissenschaftler sehen das anders.



Winter
Temperaturen von Minus 12 Grad werden auf einem Thermometer auf dem Brocken angezeigt. (zu dpa "Munich Re: Winter werden wärmer - trotz Kältewelle" vom 19.01.2019)   Foto: Matthias Bein

Die USA und Europa stehen den meteorologischen Vorhersagen zufolge vor einer Kältewelle - doch das widerspricht nach Einschätzung der Munich Re nicht dem Langfristtrend wärmerer Winter.

«In Zukunft haben wir mehr milde Winter zu erwarten, auch wenn es immer wieder Kältephasen geben kann», sagte der Geowissenschaftler Eberhard Faust, Forschungsleiter für Klimarisiken und Naturgefahren bei dem weltgrößten Rückversicherer.

Ursache für die wohl bevorstehende Kälte in der kommenden Woche ist eine ungewöhnliche Wetterlage. «Im Winter liegt über dem polaren Bereich in der höheren Atmosphäre, der Stratosphäre, ein Wirbel, der vom Jetstream umschlossen wird und die kalte Luft quasi einschnürt», sagte Faust. «Nun kann es passieren, dass sich der Polarwirbel abschwächt und die kalte Luft aus der Polarregion weit nach Süden vordringen kann.»

Die Vorgänge in der hohen und bodennahen Atmosphäre seien gekoppelt. «Im Extremfall kann diese Struktur sogar zerstört werden, so dass zwei Tochterwirbel entstehen. Eine solche Lage haben wir derzeit, mit einem Tochterwirbel in Nordamerika im Bereich über der Hudson Bay und einem zweiten über Westsibirien», sagte Faust. In einer derartigen Situation seien Kaltluftausbrüche nach Süden leicht möglich.

Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten Naturkatastrophen und Georisiken rund um den Globus, da dies für die Risikobewertungen der Versicherungsbranche von großer Bedeutung ist. Die Expertise der Münchner Fachleute fließt auch in die Einschätzungen des Weltklimarats IPCC ein.

So wie es sich im Moment darstellt, werde sich die Kälte in der kommenden Woche vom 21. bis 27. Januar und mindestens auch in der Folgewoche in östlichen und zentralen Teilen Nordamerikas festsetzen. «Auch in Teilen Europas kann es nach den derzeitigen Vorhersagen im Zusammenhang des destabilisierten Polarwirbels im Verlauf der kommenden Wochen deutlich kühler werden», sagte Faust.

Der Ostküste der USA steht zudem voraussichtlich ein kräftiger Wintersturm bevor. «Bei uns kommen Winterstürme meist aus westlichen Richtungen im Zusammenhang mit milderen Temperaturen, weil dabei mildere Luftmassen vom Atlantik herantransportiert werden. An der US-Ostküste hingegen gibt es die so genannten Nordoststürme oder Nor'easter», sagte Faust. Ein kalter Sturmwind komme von Nordosten und könne starken Schneefall in den Küstenregionen mit sich bringen.

«Generell sind die Winter aber auch in den USA, insbesondere in der Westhälfte, milder geworden», sagte der Wissenschaftler. Im Nordosten zeigten zumindest die Tiefsttemperaturen seit vier Jahrzehnten einen Zunahmetrend. «In Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, sehen wir, dass die Winter im Langzeittrend milder und niederschlagsreicher geworden sind, und auch die Anzahl der Frosttage abgenommen hat.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 01. 2019
12:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Geowissenschaftler Intergovernmental Panel on Climate Change Kältewellen Münchener Rück Winter
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Meteoriten-Spuren

01.01.2020

Vor 800.000 Jahren: Meteorit schleuderte Glas über die Erde

Vor knapp einer Million Jahren traf ein großer Meteorit auf die Erde. Kleine Glaskörper schleuderten Tausende Kilometer weit durch die Luft. Nun scheint das Rätsel um den Einschlagkrater gelöst. » mehr

Gletscherlagune

07.11.2019

Polarregionen klimarelevant und gefährdet

Die Polarregionen sind unwirtlich und dünn besiedelt. Doch schmelzende Eismassen und wärmere Polarmeere gehen alle Menschen an. Der Eisschwund in den Polargebieten gefährdet aufgrund der steigenden Wasserpegel Küstenregi... » mehr

Klimaschutz

05.11.2019

Bericht: Klimaschutz-Pläne weltweit meist unzureichend

Kurz vor der nächsten Weltklimakonferenz haben Experten unter die Lupe genommen, was die Staaten bisher im Rahmen des Paris-Abkommens versprechen. Das Ergebnis ist ernüchternd - es gibt aber Ausnahmen. » mehr

Isländischer Gletscher Okjökull

18.08.2019

Island erklärt offiziell ersten Gletscher für «tot»

Ein Opfer der Erderwärmung: Auf Island ist offiziell der erste Gletscher für «tot» erklärt worden. Der 700 Jahre alte Okjokull gilt formell nicht mehr als solcher, weil er mit nur noch 15 Metern Eisdicke zu leicht geword... » mehr

Weltklimarat

07.08.2019

Zu hoher Fleischkonsum, zu viel Rodung

Am Donnerstag veröffentlicht der Weltklimarat IPCC einen Sonderbericht. Im Fokus: Klimawandel und Landnutzung. Schon jetzt ist klar: Die Essgewohnheiten des Westens und die Lebensmittelverschwendung sind ein großes Probl... » mehr

Bodennutzung

02.08.2019

Weltklimarat: Mangel an fruchtbaren Böden droht

Der Erdboden ist eines der wertvollsten Vermögen der Menschheit, sagt die Chefin des UN-Umweltprogramms. Doch wird mit den Landflächen nachhaltig genug umgegangen? Der Weltklimareport geht dieser Frage nach. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Vermisstensuche bei Zell Zell

Vermisstensuche bei Zell | 10.07.2020 Zell
» 18 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 01. 2019
12:41 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.