Lade Login-Box.
Topthemen: Mordfall OttingerKneipennachtBayern HofVideo: Waldfriedhof Frankenwald

Wissenschaft

Tropenmediziner: Sicherheit von Blutspenden neu diskutieren

In Deutschland breiten sich das West-Nil- und das Usutu-Virus aus. Übertragen werden sie von heimischen Mücken, Infektionen bleiben aber oft unerkannt. Ein Tropenmediziner spricht sich für eine Diskussion über die Sicherheit von Blutspenden aus.



Stechmücken
Eine Mücke saugt Blut aus der Haut. In Deutschland breiten sich das West-Nil- und das Usutu-Virus aus.   Foto: Andreas Lander

Angesichts der Ausbreitung des West-Nil-Virus und verwandter Erreger in Deutschland spricht sich ein Tropenmediziner für eine neue Diskussion zur Sicherheit von Blutkonserven aus.

«Blutspendedienste müssen sich damit in Zukunft stärker auseinandersetzen», sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) der Deutschen Presse-Agentur. Bis Mittwoch registrierten Forscher den Erreger des West-Nil-Fiebers bundesweit bei insgesamt sieben Vögeln und einem Pferd, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag mitteilte.

Nachgewiesen wurde der Erreger laut RKI bisher bei drei in Gefangenschaft gehaltenen Eulenvögeln, bei drei Greifvögeln sowie kürzlich bei einer Amsel nahe Rostock und bei einem Pferd im südlichen Brandenburg. Alle infizierten Tiere wurden demnach innerhalb eines 160 Kilometer breiten Streifens etwa zwischen München und Rostock gefunden. In Deutschland erfolgte Infektionen von Menschen wurden zwar bislang nicht bekannt, aber das RKI bringt fünf Infektionen mit Reisen nach Italien, Serbien und Rumänien in Zusammenhang.

Bisher testeten nur einige Dienste Blutkonserven standardmäßig auf West-Nil- und das eng verwandte Usutu-Virus, sagte Schmidt-Chanasit. Bislang müssen die Dienste, die nicht testen, Blutspender zurückstellen, die sich in einem bestimmten Zeitraum in Nordamerika und einigen europäischen Ländern aufgehalten haben, in denen das West-Nil-Virus grassiert. «Man sollte überlegen, ob das noch sinnvoll ist.» Für das eng verwandte Usutu-Virus gibt es demnach noch keine Regelung.

«Usutu- und West-Nil-Viren haben beide die gleiche humanmedizinische Relevanz», betonte Schmidt-Chanasit. «Mittlerweile weiß man, dass sich in den Regionen, wo beide Viren gleichzeitig zirkulieren, mehr Menschen mit dem Usutu-Virus infizieren als mit dem West-Nil-Virus. Das West-Nil-Virus war wegen eines großen Ausbruchs in den USA nur wesentlich präsenter in den Medien.»

Vögel gelten als wichtigster Wirt des West-Nil-Virus, das durch Mückenstiche auch auf Pferde oder Menschen übertragen werden kann. Eine Infektion kann zu Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen führen. In seltenen Fällen kann sie zu einer Gehirnentzündung führen und auch tödlich enden. In Europa wurden 2018 mehr als 110 Todesfälle durch das Virus registriert.

Menschliche Infektionen mit den Viren, die in Laboren festgestellt werden, seien seit 2016 in Deutschland meldepflichtig, heißt es vom RKI. In etwa 80 Prozent der Fälle bleibe eine Infektion aber unbemerkt, da sie ohne Symptome verlaufe, sagte Schmidt-Chanasit. Selbst im Falle von Symptomen bleibe die Infektion oft unerkannt. «Oft gehen Ärzte von einer Sommergrippe aus», so der Experte. «Viele Hausärzte kennen diese neuen, exotischen Viren noch gar nicht, obwohl wir viele Fortbildungen anbieten. Man kann davon ausgehen, dass schwere Fälle auftreten müssen, die dann an Uni-Kliniken behandelt werden. Dort besteht dann die Möglichkeit, dass die Erkrankung diagnostiziert wird», so Schmidt-Chanasit.

Wildvögel fungieren als Hauptwirte für die Viren. Immer wieder gibt es größere Ausbrüche, bei denen viele Vögel sterben. «In diesem Jahr konnten sich die Viren aufgrund der Hitze besonders gut vermehren. Wir hatten so viele positiv getestete Vögel wie in den Jahren 2010-2016 zusammen», so Schmidt-Chanasit mit Blick auf das Usutu-Virus. Bürger schicken regelmäßig verendete Vögel an sein Institut, das die Tiere dann untersucht.

Das Usutu-Virus konnte sich laut Schmidt-Chanasit schon flächendeckend in Deutschland ausbreiten. «Beim West-Nil passiert das sicher auch», so der Arzt. «Die Viren verschwinden nicht mehr.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 09. 2018
10:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Blutkonserven Blutspenden Bundesamt für Sera und Impfstoffe - Paul-Ehrlich-Institut Deutsche Presseagentur Infektionskrankheiten Krankheitserreger Robert-Koch-Institut Schutz Tropenmediziner
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Homosexuelles Paar

05.05.2019

Medikamente stoppen HIV-Übertragung bei schwulen Paaren

Heilbar ist HIV bisher nicht. Doch das Virus lässt sich im Körper so stark zurückdrängen, dass es kaum mehr nachweisbar ist. Eine solche Therapie verhindert Ansteckungen zuverlässig, bestätigt eine Studie. Experten beton... » mehr

West-Nil-Virus

04.11.2018

West-Nil-Viren haben sich 2018 in Europa stark verbreitet

Viele Jahre brachten nur Fernreisende den Erreger nach Europa. Vor einiger Zeit schafften West-Nil-Viren aber den Sprung nach Südeuropa, wo sie schon zu Hunderten von Toten führten. 2018 wurden die Viren erstmals auch in... » mehr

Warnung vor Zecken

15.02.2019

Zecken breiten sich aus: Höchststand bei Hirnentzündung FSME

Sie lauern in Wäldern, hohem Gras und Büschen: Zecken sind als Krankheitserreger gefürchtet. In Deutschland gelten jetzt weitere Regionen als FSME-Risikogebiet. » mehr

Stechmücken

29.08.2018

Erster West-Nil-Fall bei deutschem Vogel gefunden

Bisher ist Deutschland vom West-Nil-Virus verschont geblieben. Doch nun wurde erstmals hierzulande ein infizierter Vogel gefunden. Tragen Mücken das gefährliche Virus bereits in sich? » mehr

West-Nil-Virus

11.10.2018

Tierarzt aus Bayern infiziert sich mit West-Nil-Virus

Das West-Nil-Virus wurde in Deutschland bisher nur bei Vögeln nachgewiesen. Nun steckte sich nachweislich erstmals ein Mensch hierzulande an. Der Tierarzt aus Bayern hat sich wohl bei der Untersuchung eines toten Bartkau... » mehr

Verleihung Deutscher Zukunftspreis

29.11.2018

Deutscher Zukunftspreis für Virenschutz

Maschinenbau, Medizin, Energie: Drei Teams aus Ingenieuren und Forschern waren mit ihren Innovationen für den Wissenschaftspreis des Bundespräsidenten nominiert. Wer hat abgeräumt? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Stadt- und Bürgerfest Hof

Bürgerfest in Hof | 25.05.2019 Hof
» 70 Bilder ansehen

We Love Black Closing - Susi Weißenstadt Weißenstadt

We Love Black Closing - Susi Weißenstadt | 24.05.2019 Weißenstadt
» 27 Bilder ansehen

Mountainbike-Wochenende in Bad Alexandersbad

Mountainbike-Wochenende in Bad Alexandersbad | 19.05.2019 Bad Alexandersbad
» 22 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 09. 2018
10:18 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".