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Wenn die Bienenbrut stirbt

Die Amerikanische Faulbrut rafft den Nachwuchs ganzer Bienenvölker hinweg. Für den Menschen und für erwachsene Bienen ist sie ungefährlich. Mit Medikamenten ist der Seuche nicht beizukommen.



Brutwabe
Die Amerikanische Faulbrut rafft den Nachwuchs ganzer Bienenvölker hinweg.   Foto: Caroline Seidel

Die Amerikanische Faulbrut richtet in Bienenstöcken regelmäßig große Schäden an. «Ich sehe die Krankheit als ein seit Jahrzehnten ungelöstes Problem», sagt die stellvertretende Direktorin des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, Elke Genersch.

In den vergangenen Jahrzehnten schwankte die Zahl der Ausbrüche in Deutschland demnach zwischen 140 in 2018 und 440 im Jahr 1998. Auf einen Rückzug der Seuche ließen die Zahlen nicht schließen: Es gebe seit den 1950er Jahren ein stetes Auf und Ab der anzeigepflichtigen, für den Menschen aber ungefährlichen Krankheit, erklärt die Wissenschaftlerin.

Am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald sieht Marc Schäfer durchaus einen Trend zur Abnahme der Fälle. Er leitet das Nationale Referenzlabor für Bienenkrankheiten am Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Die sinkende Zahl von Ausbrüchen führt Schäfer auf verstärktes Monitoring zurück. «Die Überwachung ist besser geworden, auch die Aufklärung der Imker», erklärt der Wissenschaftler. So schickten Imker häufiger freiwillig - oder zufällig ausgewählt - Proben zur Früherkennung der Brutkrankheit ein.

Die Seuche wird durch Bakterien mit dem Fachnamen Paenibacillus larvae verursacht. Gelangen deren Sporen in einen Bienenstock und werden beim Füttern an die Larven gegeben, sterben diese. Werden die toten Nachkommen nicht von Arbeiterinnen entfernt, weil die jeweilige Brutzelle schon mit einem Wachsdeckel versehen wurde, entstehen darin Millionen neuer Sporen. Sie sind äußerst widerstandsfähig und können 30 Jahre und länger überleben.

Ein Imker kann Schäfer zufolge nicht ohne weiteres und sofort sehen, was los ist. Beim Verdacht auf Amerikanische Faulbrut müsse er die Veterinärbehörde informieren. Teile der Amtstierarzt den Verdacht, sperre er den Bienenstand und nehme Proben. Bestätige sich der Verdacht im Labor, werde ein Sperrgebiet von mindestens einem Kilometer um den Ausbruchsherd festgelegt. Bienenvölker dürfen aus dem Sperrgebiet weder hinaus- noch in dieses hineingebracht werden.

Das weitere Verfahren ist je nach Bundesland unterschiedlich: In einigen Ländern wie Brandenburg müssen die betroffenen Völker getötet werden. Die Zahlung der Tierseuchenkasse kompensiere den Schaden nicht, räumt Schäfer ein. Anderswo sei eine Sanierung der Völker zulässig, aber nicht immer möglich. Dafür werden die Bienen in einen gereinigten Kasten auf neue Rahmen geschüttelt. Wenn sie mit dem Bau von Waben beginnen, werden ihnen diese mehrfach weggenommen, bis ihnen durch das Bauen und Putzen wahrscheinlich keine Sporen mehr anhaften.

Mit Medikamenten ist der Seuche nicht beizukommen - Antibiotika dagegen sind in der EU nicht zugelassen. «Antibiotika töten die Sporen nicht ab», sagt Schäfer. «Woher die Sporen kommen, ist von der Wissenschaft noch nicht vollständig beantwortet.» Bienen, auch aus dem Ausland, dürften nur mit Gesundheitszeugnis verkauft werden. Importhonig könne Sporen enthalten. «Aber welcher Imker verfüttert Honig?», meint Genersch. Am ehesten erfolge die Weiterverbreitung wohl durch Räuberei: Gesunde Bienen treffen auf geschwächte Völker und rauben deren Honig, anstatt Nektar zu sammeln. Damit infizieren sie ihre Brut.

Friedrich Karl Tiesler, Beiratsmitglied für Zuchtwesen beim Deutschen Imkerbund, hält die Infektion durch Auslandshonig für nicht so abwegig. Auch vernachlässigte Bienenstände könnten eine Quelle sein. Mit den verbesserten Diagnosemethoden der vergangenen Jahre sei die Faulbrut aber in den Griff zu bekommen.

Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
08:19 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
08:19 Uhr



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