Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER SelbGerch


49. Hofer Filmtage

"Es fehlen neue Rollenbilder"

Mit seinem Drama "Ein Atem" eröffnet der Regisseur Christian Zübert die Hofer Filmtage. Mit uns sprach der Grimme-Preisträger über Heinz Badewitz, Emanzipation und berufstätige Mütter.



Christian Zübert: "Berufstätige Mütter hierzulande haben es immer noch schwerer als in anderen europäischen Ländern."
Christian Zübert: "Berufstätige Mütter hierzulande haben es immer noch schwerer als in anderen europäischen Ländern."  

Video zum Artikel

Eröffnungs-Regisseur plaudert aus dem Nähkästchen
Mit seinem Drama „Ein Atem“ eröffnet am heutigen Dienstag Regisseur Christian Zübert die Hofer Filmtage. Mit uns sprach der Grimme-Preisträger vorab vor der Kamera über diese Ehre und verriet uns, was ihm das bedeutet.
» Video ansehen

Herr Zübert, wann haben Sie erfahren, dass Ihr Film die Filmtage eröffnet?

Vor ein paar Monaten hat mich mein Produzent angerufen und mir die Nachricht mitgeteilt. Ich habe mich sehr gefreut. Schließlich sind die Hofer Filmtage eines der wichtigsten Filmfestivals in ganz Deutschland. Außerdem genießen sie einen hervorragenden Ruf in der Filmbranche. Man fühlt sich geehrt, hier aufführen zu dürfen.

 

Was glauben Sie, warum hat sich der Filmtage-Chef Heinz Badewitz für Ihren Film entschieden?

Da habe ich wirklich keine Ahnung. Ich habe Heinz Badewitz vor den Filmtagen nur einmal im Rahmen der Berlinale getroffen. Ich habe ihn als Mann mit gutem Geschmack und mit einem großen cineastischen Wissen erlebt. Ich glaube, er hat seinen eigenen Kopf, wo es auch keinen Sinn hat, reinzugucken.

 

In Ihrem Film "Ein Atem" geht es hauptsächlich um ein Ehepaar und ein Kindermädchen. Diese Geschichte hätte man überall in Deutschland ansiedeln können, aber Sie haben noch Griechenland einbezogen. Warum?

Das habe ich hauptsächlich deswegen gemacht, weil es mir wichtig war, diese zwei Frauen mit ihrer verschiedenen Ausgangssituation als Mutter darzustellen. Natürlich ist es auch eine Geschichte über Arm und Reich und wie es heute in Europa aussieht. Deswegen fand ich es spannender, das Kindermädchen aus Griechenland kommen zu lassen und nicht aus einem Land, das sowieso schon seit Jahrzehnten arm ist, wie Weißrussland oder Moldawien. Damit wäre das Kindermädchen schnell in eine Opferrolle gerutscht. Ich wollte aber zeigen, dass die meisten Menschen in Griechenland noch bis vor Kurzem genauso gelebt haben wie wir hier. Und jetzt trotz guter Ausbildung in ihrem Land keine Arbeitsstelle mehr finden.

 

Im Film lernt man zuerst die Griechin Elena kennen, die wegen der Finanzkrise ihre Heimat verlassen muss. Dann geht es um die Deutsche Tessa, die im Vergleich reine Luxusprobleme hat. Meinen Sie, Deutsche meckern zu oft?

So würde ich das nicht sehen. Die Griechin hat auf den ersten Blick natürlich weit existenziellere Probleme als Tessa, die als typische Prenzlauerberg-Mami rüberkommt. Im Perspektivenwechsel merkt man jedoch, dass ihre Probleme sie auch sehr belasten. Sie muss mit ihrer Rolle als Frau und Mutter kämpfen, und das macht sie fertig. Mit diesem Problem müssen sich sehr viele Frauen in Deutschland auseinander setzen.

 

Erklären Sie das bitte genauer.

In Deutschland wird die Emanzipation und Gleichberechtigung zwar ganz groß geschrieben, trotzdem haben es berufstätige Mütter hierzulande immer noch schwerer als in vielen anderen europäischen Ländern. Arbeitende Mütter bekommen in der Gesellschaft schnell das Etikett "Rabenmutter" aufgeklebt. Viele Menschen verstehen nicht, dass Mütter arbeiten wollen, um sich auch auf einer anderen Ebene bestätigt zu fühlen. Ihr Wunsch nach Anerkennung bedeutet aber nicht, dass sie ihre Kinder weniger lieben würden, als die Frauen, die jahrelang Zuhause bleiben.

 

Gibt es denn Ihrer Meinung nach eine Lösung?

Es fehlt an neuen Rollenbildern und an der Akzeptanz in der Gesellschaft. In skandinavischen Ländern zum Beispiel ist es ganz normal, dass Mütter sich beruflich verwirklichen. Ich hoffe sehr, dass wir in Deutschland irgendwann auch mal soweit sind.

Das Gespräch führte Alina Juravel

Steckbrief

Christian Zübert wurde am 27. August 1973 in Würzburg geboren und studierte an der dortigen Universität Germanistik. Sein Debüt als Regisseur wurde ein Überraschungserfolg: Die Komödie "Lammbock" sahen eine Million Menschen. Zübert führte auch Regie bei den Tragikomödien "Dreiviertelmond" und "Hin und weg". Für seine Leistung wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Darunter mit zwei Grimme-Preisen und dem Bayerischen Filmpreis.

Autor

Redaktion
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 10. 2015
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berufstätige Berufstätige Mütter Die Komödie Emanzipation Internationale Hofer Filmtage Mütter Regisseure Tragikomödien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ebenfalls eine Tradition in Hof: Nach dem letzten Film, der bei den Hofer Filmtagen gezeigt wird, kommen die Film-Plakate von den Wänden der Kinos runter. Die Zuschauer dürfen sich dann die Poster aussuchen und mitnehmen. Foto: Annie Sziegoleit

31.10.2019

Neuer Spitzenwert in Hof

Der künstlerische Leiter der Hofer Filmtage zieht eine positive Bilanz nach dem diesjährigen Festival. Für die Zukunft verspricht Thorsten Schaumann ein verbessertes Kartensystem. » mehr

Hofer Filmtage: das Fußballspiel

Aktualisiert am 26.10.2019

Spannend bis zum Schluss: Knapper Sieg für FC Hofer Filmwelt

Eine aufregende Partie, die Gelegenheit zu reichlich Torjubel bot: Beim Filmtage-Fußballmatch am Samstagvormittag siegte der FC Hofer Filmwelt mit 4:3 gehen den FC Hofer Filmtage. » mehr

Ex-Fußballerin Petra Landers

25.10.2019

FC Hofer Filmtage nominiert Ex-Nationalspielerin Petra Landers

Petra Landers, frühere Nationalspielerin, verstärkt beim traditionellen Filmtage-Fußballspiel den FC Hofer Filmtage. » mehr

Aktualisiert am 24.10.2019

Filmpreis für einen Charakterkopf

Die Stadt Hof zeichnet heuer Max Riemelt aus. Der 35-Jährige gehört zu den Schauspielern, deren Karriere mit den Hofer Filmtagen an Fahrt aufgenommen hat. Inzwischen ist er international gefragt. » mehr

Verleihung des Hans-Vogt-Preises 2019

Aktualisiert am 23.10.2019

Caroline Link: "Ich werde Hof immer verbunden sein"

Die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link erhält den Hans-Vogt-Preis der Stadt Rehau. Im Interview spricht sie über ihr besonderes Verhältnis zu den Hofer Filmtagen und ihr nächstes Projekt. » mehr

Die blauen Fußstapfen weisen den Weg zur Party.

22.10.2019

Fuß-Abdrücke zeigen, wo's langgeht

Fußstapfen: Kleine blaue Fußspuren führen seit Dienstagmittag durch die Hofer Innenstadt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sternschnuppenmarkt in Münchberg Münchberg

Sternschnuppenmarkt in Münchberg | 17.11.2019 Münchberg
» 36 Bilder ansehen

Susis Blaulichtparty Weißenstadt

Susis Blaulichtparty | 16.11.2019 Weißenstadt
» 47 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim

Selber Wölfe - Starbulls Rosenheim | 15.11.2019 Selb
» 34 Bilder ansehen

Autor

Redaktion

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 10. 2015
00:00 Uhr



^