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Drumherum

Am Rand der Filmgesellschaft

Dem britischen Regisseur und Autor Christopher Petit ist die diesjährige Werkschau gewidmet. Die Hofer Filmtage wird er als anderer Mensch wieder verlassen - mit einer beruhigenden Erkenntnis.



Seltener Genuss: Zigarillos erlaubt sich Christopher Petit nur im Ausland. Foto: aks
Seltener Genuss: Zigarillos erlaubt sich Christopher Petit nur im Ausland. Foto: aks  

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Regisseur Christopher Petit

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Hof - "Würden Sie mir noch fünf Minuten geben?" Vor dem Gespräch mit der Frankenpost möchte Christopher Petit noch eine Zigarillo rauchen. Welche Marke? "Nobel Petit" natürlich. Eine Zigarillo mit Charakter, ebenso wie ihr Namensvetter und Konsument. Der britische Regisseur nutzt in diesen Tagen jede Gelegenheit, um zu rauchen, denn er hat mit sich selbst eine Vereinbarung getroffen: "Ich rauche nur, wenn ich im Ausland bin." Ein Kompromiss, auf den er zugunsten seiner Gesundheit und seines Geldbeutels innerlich eingegangen ist.

In diesem Jahr ist dem 66-jährigen Petit die traditionelle Retrospektive der Filmtage gewidmet. 16 seiner Werke sind während des Festivals zu sehen. Unter anderem sein Erstlingswerk "Radio on" aus dem Jahr 1979. Der kultige Klassiker, den Renée Gundelach und Wim Wenders mit produzierten, feierte damals ebenfalls auf den Hofer Filmtagen Premiere.

Auch in der Café-Bar-Lounge "Weiße Wand" sind heuer experimentale Filmprojektionen und Audio-Installationen des Engländers zu sehen, der ein Musik- und Soundtrack-Fetischist ist. "Für mich war die Musik immer wichtiger als die Bilder", erzählt er und starrt durch die runden Gläser seiner Brille aus dem Fenster. Das macht Petit generell oft, wenn er spricht. Seine rechte Hand liegt dabei meistens zu einer lockeren Faust geballt auf dem Tisch. Bei jedem Satz tippt Petit mit seinen Fingern leicht auf die Tischplatte - manchmal schnell, manchmal langsam. Die Bewegung wirkt teilweise so, als würde er die Tonleiter auf einer Klaviertastatur spielen. Zwischendurch könnte man auch meinen, er bediene in Zeitlupe einen unsichtbaren Morseapparat. Ob sich Petit mit dieser Geste den Takt für seine Worte vorgibt oder ob die Lust auf eine weitere Auslands-Zigarillo dahintersteckt, sei dahingestellt.

Während seine Hand weiter tippt, erzählt er über seinen Besuch in Hof. Der Regisseur sei den Filmtage-Veranstaltern unheimlich dankbar, für den Aufwand, den sie betrieben haben. Sein Filmmaterial aufzutreiben ist viel Arbeit gewesen - vor allem die Dokumentationen, die zu ihrer Zeit nur im englischen Fernsehen liefen. Eigentlich wollte Filmtage-Chef Heinz Badewitz den Regisseur schon auf dem letztjährigen Festival als Ehrengast begrüßen. "In der knappen Zeit hätte man das Material aber nicht zusammenstellen können."

Ohnehin würde in der heutigen, schnelllebigen Zeit vieles länger dauern, meint Petit. "Wir sind durch E-Mails und Handys so gut vernetzt, dass wir uns länger für Antworten Zeit lassen." Die Technik und ihr Wandel ist ein Thema, das sich durch alle seiner Filme zieht. Ein Thema am Rande des Mainstreams, für das es laut Petit im englischen Kino keinen Platz mehr gibt. Dort gehe es nur um Liebesbeziehungen oder Dinner-Partys. "Dinner-Partys sind ein Albtraum. Dafür war ich nie der Typ - privat und auf der Leinwand nicht." Er orientierte sich deshalb schon früh in seiner Regisseur-Karriere hin zum europäischen Kino und arbeitete auch mit deutschen Schauspielern wie Gottfried John oder Lisa Kreuzer.

Nur durch Zufall sei der ehemalige Filmkritiker überhaupt dazu gekommen, selbst Filme zu drehen. "Ich wollte einfach nicht bis an mein Lebensende Kritiker sein, deshalb habe ich ein Drehbuch geschrieben. Vom Regieführen hatte ich keine Ahnung." Petit habe sich sogar einen Ratgeber mit dem Titel "Regie für Anfänger" gekauft. Während seines ganzen Lebens habe er "einfach nur gemacht", was er für richtig hielt - ohne Plan und Gewissheit über die Qualität. Seine Werke nun gebündelt auf den Hofer Filmtagen zu sehen, sei für ihn ein Geschenk. "Mit Distanz kann ich nämlich nun erkennen: Ich muss mich für nichts schämen."

Dinner-Partys sind ein Albtraum.

Christopher Petit

 
Petit im Programm

Freitag : "Radio on", 11.30 Uhr, City; "Flight to Berlin", 14.30 Uhr, Classic; "Unrequited Love", 17 Uhr, Casino; "Content", 19.15 Uhr, Casino.

 

Samstag : "Chinese Boxes", 11 Uhr, City; Die Kurzfilme "Flying Fish over Hollywood", "JG Ballard", "Surveillance", "Thriller" und "Dead TV", 14 Uhr, Classic; "Weather" und "London Labyrinth", 16.15 Uhr, Classic; "Death of a Bank Manager" und "Negative Space", 18.45, Classic.

 

Sonntag : "Unrequited Love", 14.15 Uhr, Casino; "Content", 16.30 Uhr, Casino.

Autor
Ann-Kristin Schmittgall

Ann-Kristin Schmittgall

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2015
22:00 Uhr

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Autor Britische Regisseure Filmproduktionsgesellschaften Internationale Hofer Filmtage Lisa Kreuzer Spielcasinos Wim Wenders
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Ann-Kristin Schmittgall

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22. 10. 2015
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