Lade Login-Box.
Topthemen: Live-Ticker "Rock im Park"Mit Video: HöllentalbrückenSchlappentag


Kritiken

Süße Mädchen, wilde Frauen

Mit dem deutsch-griechischen Spielfilm "Ein Atem" starten am 20. Oktober die 49. Internationalen Hofer Filmtage. Für sechs Tage ist Hof dann wieder "Home of Films".



Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler: Bernd Michael Lade in seinem Film "Das Geständnis", der 1988 in Ost-Berlin spielt. Foto: Filmtage
Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler: Bernd Michael Lade in seinem Film "Das Geständnis", der 1988 in Ost-Berlin spielt. Foto: Filmtage   » zu den Bildern

Hof - "Zu 95 Prozent steht das Programm", sagt Festival-Direktor Heinz Badewitz. "Es ist super wie immer - abwechslungsreich, interessant, spannend und überraschend." Im Mittelpunkt steht das Neueste vom deutschen Film, insgesamt 31 lange und viele kurze Produktionen werden zu sehen sein, wobei Badewitz der Devise treu bleibt: "Wir brauchen keine Stars, wir machen sie." Internationales Flair steuern Beiträge aus europäischen und überseeischen Ländern bei. Die traditionelle Werkschau kommt diesmal aus Großbritannien und ehrt den Filmemacher Chris Petit.

Noch ein Jahr, dann steht ein kaum glaubliches Jubiläum an: Die Filmtage werden fünfzig. Der Festivalchef will aus diesem Anlass Filmemacher einladen, die in Hof angefangen und hier den Grundstein für ihre Karriere gelegt haben. Mit jüngeren Kollegen sollen sie übers Filmemachen gestern und heute diskutieren. Aber intensiver nachdenken mag Badewitz darüber noch nicht. Derzeit hat er mit der Organisation der 49. Internationalen Hofer Filmtage, die am Abend des 20. Oktober beginnen und bis zum 25. Oktober dauern, genug zu tun.

"Ein Atem" heißt der Spielfilm, mit dem das Festival eröffnet wird. Es geht um eine junge Griechin, die nach einem Bankrott in der Heimat als Kindermädchen in Deutschland anheuert. Am Ende sind zwei Frauen - eine Mutter auf der Suche nach ihrem Kind und eine Schwangere, die vor der Verantwortung flüchtet - verbunden durch einen Atemzug, der alles entscheidet.

Von Menschen, die in Deutschland heimisch werden wollen, handeln noch vier weitere Filme. In "8 Sekunden - Ein Augenblick Unendlichkeit" führt eine Türkin zwei Leben: eines in der Wirklichkeit und ein zweites voller Fantastik in ihren Träumen. In "Kafkanistan" wird eine aus Syrien nach Berlin geflüchtete Kurdin vom Geheimdienst ihres Landes verfolgt. Ebenfalls aus Syrien kommt eine Familie, die zusammen mit einem albanischen Paar auf engstem Raum in Vörde lebt: "Letzte Zuflucht". Und "Hördur - Zwischen den Welten" erzählt von den Schwierigkeiten, vor denen die 16-jährige Tochter türkischer Einwanderer steht.

Sechzehn ist auch Lena, die sich in einem sozialen Netzwerk in einen Jungen verliebt und nach einem Date mit ihm verschwindet. Das Jugenddrama mit dem Titel "lenalove" lotet die Untiefen des Internets aus. Um einen männlichen Außeneiter, der behauptet, Zeuge eines Mordes geworden zu sein, geht es in "Trash Detective" von Maximilian Buck.

Seinen ersten langen Spielfilm zeigt Thomas Stuber, der bereits einen Studenten-Oscar gewonnen hat: "Herbert" erzählt von einem Boxer, der an ALS erkrankt. Und Bernd Michael Lade, der schon 2001 mit "Null Uhr zwölf" in Hof war, präsentiert einen Krimi: 1988 in Ost-Berlin stößt die Mordkommission immer wieder auf Verbrechen, die es nach Ansicht der SED im Sozialismus gar nicht geben kann.

Dokumentarfilme aus Deutschland beschäftigen sich unter anderem mit dem Hip-Hop im Lande ("Black Tape"), mit dem berühmten, an einer Nervenkrankheit leidenden australischen Pianisten Helfgott ("Hello I'm David") und mit einer Schriftstellerin, die provokative Texte liebt ("Wer hat Angst vor Sibylle Berg"). Sabine Kückelmann hält ein Plädoyer "Im Namen der Tiere", und Wolfgang Ettlich unternimmt 25 Jahre nach "Ausgerechnet Bananen" noch einmal eine "Reise in die DDR"; der Arbeitstitel des Films lautete "Von Hof bis Hof".

Viel Interessantes kommt auch aus den Nachbarländern Frankreich, Österreich und der Schweiz. Kennenzulernen sind "Sweet Girls", die eine Teenager-Kommune gründen, um unabhängig zu werden, und "Wild Women", die im Zoo oder Zirkus angstfrei mit "freundlichen Bestien" umgehen. Als "Angry Indian Goddesses" trotzen Frauen einer aggressiven Männergesellschaft, der Film "Thank you for bombing" begleitet drei Korrespondenten an ihre Arbeitsplätze im Krieg, in "Darkness on the Edge of Town" aus Irland jagt eine jugendliche Scharfschützin den Mörder ihrer Schwester und in dem Horrorfilm "Don't look in the Basement 2" aus den USA werden Geister der Vergangenheit nach mehr als 40 Jahren wieder lebendig.

Spannung verspricht auch die Werkschau, die dem 1949 geborenen Briten Chris Petit gewidmet ist. 1979 war er mit dem aufsehenerregenden, unter Mitarbeit von Wim Wenders entstandenen Roadmovie "Radio On" in Hof, inzwischen hat er zwölf weitere Filme gedreht und drei Romane geschrieben, darunter Thriller über Terror in Nordirland und Neonazis in Frankfurt.

Wir brauchen keine Stars, wir machen sie!

Heinz Badewitz,

Filmtagechef

 
Autor

Von Ralf Sziegoleit
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 09. 2015
00:00 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Dokumentarfilme Einwanderer Filmemacher Internationale Hofer Filmtage Migranten Mädchen Sibylle Berg Sozialistische Einheitspartei Deutschlands Spielfilme Wim Wenders
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Barbet Schroeder

26.09.2018

Barbet-Schroeder-Retrospektive bei den Hofer Filmtagen

Die Retrospektive der 52. Internationalen Hofer Filmtage ist dem Alt-Meister des französischen Kinos, Barbet Schroeder, gewidmet. » mehr

Regisseur und Schriftsteller Uwe Brandner

Aktualisiert am 01.08.2018

Hofer Filmtage trauern um Gründungsmitglied

Der deutsche Filmemacher und Schriftsteller Uwe Brandner ist tot. Er hatte die Internationalen Hofer Filmtage vor vielen Jahren mit initiiert. » mehr

Festival-Leiter Thorsten Schaumann und Regisseurin des Eröffnungsfilms Anca Miruna Lazarescu.

Aktualisiert am 24.10.2018

Eine Hymne auf das Leben

Die 52. Internationalen Hofer Filmtage sind eröffnet: Mit dem Spielfilm "Glück ist was für Weicheier" startete das Festival am Dienstagabend im Central, später im Scala. » mehr

Barbet Schroeder

24.10.2018

Filmtage ehren Barbet Schroeder

Die Retrospektive der 52. Internationalen Hofer Filmtage ist dem Alt-Meister des französischen Kinos, Barbet Schroeder, gewidmet. » mehr

Goldene Aussichten

26.10.2018

Goldene Aussichten

An diesem Samstag wird bei den Hofer Filmtagen ein echter Hochkaräter verliehen. Der neue Preis ist 35.000 Euro wert und geht an einen Nachwuchs-Regisseur. » mehr

Stammgast bei den Hofer Filmtagen: Regisseur und Drehbuchautor Constantin Hatz. Foto: Frank Wunderatsch

25.10.2018

"Man braucht als Filmemacher einen langen Atem"

Constantin Hatz ist erst 28 Jahre alt, doch präsentiert er bei den Hofer Filmtagen bereits seinen vierten Film. Zwei Mal erhielt er hier einen Preis. Jetzt ist sein neues Werk erneut nominiert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

IMG_8722.jpg Hof

Umzug beim Schlappentag 2019 | 17.06.2019 Hof
» 302 Bilder ansehen

IndieMusik Festival 2019 Hof

In.Die.Musik-Festival | 15.06.2019 Hof
» 233 Bilder ansehen

14. Thonberglauf in Schauenstein

14. Thonberglauf in Schauenstein | 01.06.2019 Schauenstein
» 67 Bilder ansehen

Autor

Von Ralf Sziegoleit

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 09. 2015
00:00 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".