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Kritiken

Emotionaler Zweikampf in Paris

31 neue deutsche Spiel- und Dokumentarfilme bilden den Schwerpunkt der 49. Internationalen Hofer Filmtage. Wir stellen einige dieser Filme kurz vor.



Zwei "schöne Verlierer" auf gefährlicher Mission: Szene aus dem Spielfilm "Weiße Ritter" von Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler. Foto: Filmtage
Zwei "schöne Verlierer" auf gefährlicher Mission: Szene aus dem Spielfilm "Weiße Ritter" von Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler. Foto: Filmtage  

Hof - Beziehungen und ihre Krisen sind ein unerschöpfliches Thema. Anne Körner hat darüber einen Spielfilm gedreht. Er heißt "The Bicycle" (Das Fahrrad) und handelt von Mark und Antonia, die eine Fernbeziehung führen. Mark ist Deutscher, Antonia ist Kanadierin, und beide beherrschen die Sprache des anderen nicht. Ein Paris-Urlaub, bei dem sie auf Verständigung hoffen, wird zum emotionalen Ringkampf zwischen ihnen. Vor ähnlichen Problemen steht das Paar in Mirjam Orthens Film "Ada". Die Titelfigur reist von München nach Istanbul, um Erhan wiederzusehen, den sie zurückließ, als sie vor einem Jahr nach Deutschland ging. Nun ist die alte Vertrautheit dahin, doch es beginnt eine leidenschaftliche Liebesgeschichte mit Erhans jungenhaft charmantem Freund Mohac. Dabei wird Ada mit Themen konfrontiert, von denen sie sich ihr Leben lang zu befreien versuchte.

Ohne Zukunft

Zukunftslos sind die Beziehungen, die sich in Michal Rogalskis deutsch-polnischer Produktion "Unser letzter Sommer" anbahnen. Denn es ist das Jahr 1943, es herrscht Krieg, und die deutsche Sicherheitspolizei kontrolliert das besetzte Ostpolen. 16- und 17-Jährige erleben ihre erste Liebe und begeben sich in große Gefahr. Ihr Wunsch nach Normalität führt zu einer Reihe von Tragödien. Aus Polen kommt auch die Titelfigur des Films "Toro" von Martin Hawie. Der reizbare junge Mann träumt von einer eigenen Boxschule in seiner Heimat. Das Geld dafür will er als Escort verdienen: In Hotelzimmern und Einfamilienhäusern schläft er mit Frauen, während sein sensibler Freund Victor seine Kundschaft unter älteren Männern sucht.

Den Spielfilm "Weiße Ritter" aus ihrem vor 20 Jahren gestarteten komödiantischen "Kölner Westend-Zyklus" bringen Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler nach Hof. Die Hauptrollen zweier langzeitarbeitsloser "schöner Verlierer" spielen sie selbst. Von einem alten Kumpel als Mitarbeiter eines neuen Kurierdienstes rekrutiert, sollen sie wichtige Unterlagen "diskret" nach Luxemburg bringen. Das Pilotprojekt gerät jedoch bald zum unwägbaren Unterfangen.

Die Geschichte zweier unterschiedlicher Schwestern erzählt Dennis Todorovic in seinem Debütfilm "Schwester Weiß". Die eine ist als Ordensfrau festen Regeln unterworfen, die andere war immer die Wilde, und beiden haben Schwierigkeiten, einander zu akzeptieren. Im Film "Fuge" von Constantin Hatz ist eine Studentin, die bei zwei dominanten Frauen - Mutter und Großmutter - aufwuchs, durch Zwangsgedanken in ihrer eigenen Identität gefangen. Ähnlich hoffnungslos lebt "Eva S. - Die Nationalistin" in Detlef Bothes Schwarzweißfilm dahin. Nur noch beim Sex hat sie das Gefühl zu existieren; mit Alkohol und Medikamenten beginnt sie sich zu vernichten.

Auch spannende Dokumentarfilme aus Deutschland stehen auf dem Filmtage-Programm. Sabine Kückelmann untersucht unter dem Titel "Im Namen der Tiere" die Beziehung des Menschen zu seinen Mitgeschöpfen. Zu bestimmten Tieren entwickeln wir zwar ein sehr inniges Verhältnis, die sogenannten Nutztiere dagegen werden gequält und ausgebeutet. Fazit der Regisseurin: "Es ist schizophren, und wir wissen es."

Dokumentarfilme

Nach Russland begaben sich Helene und Julia Vogel für ihren Film "Kreide auf Beton". Er handelt davon, dass ein Zivildienst als Alternative zum Wehrdienst zwar theoretisch möglich, aber in der Praxis von den Behörden verweigert wird. Elena, Mitarbeiterin einer Menschenrechtsorganisation, geht unermüdlich dagegen an.

In Peter Woditschs Dokumentation "In God's Hand" schildern drei ehemalige Priester, die aus der Kirche ausgetreten sind, ihre Erfahrungen. Sie haben geglaubt, dass das Wort Religion mit Liebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl zu tun hat. Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Um ihren Glauben zu bewahren, mussten sie die Kirche verlassen. Neue Dokumentarfilme sind auch zwei Kulturmenschen gewidmet, die dadurch auffallen, dass sie keine Konfrontation scheuen. In "Wer hat Angst vor Sibylle Berg" geht es um eine Schriftstellerin, in "Berlin (Benberlin) - Aus diesem Tralala kommst du nicht raus" um den 85-jährigen Aktionskünstler und "Anarchisten" Ben Wagin, der in der Hauptstadt seit über 60 Jahren Aufsehen erregt.

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Von Ralf Sziegoleit
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Veröffentlicht am:
07. 10. 2015
00:00 Uhr

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