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Regisseurin Lazarescu: „Ich möchte im Kino lachen und weinen“

Anca Miruna Lazarescu gelingt es, in ihrem Film das Tragische und das Komische miteinander zu verweben. Die Regisseurin erzählt, warum ihr Familiengeschichten so nahe sind und wie ihre Herkunft sie in ihrer Arbeit beeinflusst hat.



"Glück ist was für Weicheier"
Der Film "Glück ist was für Weicheier" eröffnet die 52. Internationalen Hofer Filmtage am 23. Oktober.   Foto: Hofer Filmtage / Concorde Filmverleih » zu den Bildern
Frau Lazarescu, Ihr neuer Film „Glück ist was für Weicheier“ durfte die diesjährigen Hofer Filmtage eröffnen. Welche Bedeutung hat dieses Ereignis für Sie? 
 
Es ist für mich eine große Freude und auch eine Ehre. Ein Eröffnungsfilm muss ja vieles leisten: Er muss unterhalten können, aber auch nachdenklich stimmen. Ein Eröffnungsfilm leitet das Festival ein und stimmt die Besucher auf die nächsten Tage ein. Deshalb freut es mich doppelt, dass Thorsten Schaumann uns nicht nur ins Programm eingeladen hat, sondern uns auch eröffnen ließ. Offensichtlich hat er etwas in diesem Film gesehen, an das er glaubt.
 
 
Der Film erzählt die Geschichte zweier Schwestern mit ihren ganz eigenen Problemen. Bereits Ihr erster Langfilm „Die Reise mit Vater“ erzählte eine Familiengeschichte. Das Thema scheint Ihnen wohl zu liegen? 
 
In der Tat ist Familie für mich ein wiederkehrendes Thema, das mich wohl ein Leben lang beschäftigen wird. Familie ist der kleinste Mikrokosmos, in dem wir uns bewegen. In dem wir sehr viel von dem, was sich im Leben abspielt, erfahren. Die Familie können wir nie aussuchen. Wir werden in sie hinein geboren und im Idealfall ist sie auch um uns herum, wenn wir uns aus diesem Leben verabschieden. Gleichzeitig kann man seiner Familie nicht wirklich entkommen oder nur sehr schwer. Das Beste, was man im Leben tun kann, ist es sich mit seiner Familie zu arrangieren. Deswegen bietet das Thema so viele tragikomische Geschichten, die man filmisch wunderbar erzählen kann.
 
 
Sie wechseln in Ihren Filmen gerne zwischen humorvollen und tragischen Momenten. Was macht für Sie den Reiz des Genres Tragikomödie aus? 
 
Ich bin in Rumänien geboren und dann in Deutschland aufgewachsen. Ich bin tatsächlich seit meiner Kindheit daran gewöhnt, dass Lachen und Weinen ganz nahe beieinander liegen. Deswegen glaube ich, dass die Tragikomödie meiner Erzählhaltung am ehesten entspricht. Hinzu kommt, dass eine gute Tragikomödie, also da wo sich das Lachen und Weinen im Kino abwechselt, tatsächlich die Königsklasse ist. Mir sind häufig – leider vor allem deutsche – Komödien zu flach und zu klaumaukig. Ich persönlich möchte im Kino emotional durchgeschüttelt werden, ich will da lachen und weinen.
 
 
Sie haben gerade Rumänien angesprochen. Dort sind Sie geboren und haben die ersten elf Jahre Ihres Lebens verbracht. Inwieweit hat Ihre Herkunft Sie in Ihrer Arbeit als Regisseurin beeinflusst? 
 
Die ersten Jahre, die ich in Deutschland verbracht habe, war ich damit beschäftigt, mich anzupassen. Ich wollte meine Vergangenheit hinter mir lassen und alles, was Rumänisch war, ablegen. Meinen Akzent, zum Teil auch meine Erinnerung. Erst an der Filmhochschule habe ich begriffen, dass es einen ganz großen Anteil von mir gibt, der mich von meinen deutschen Kollegen unterscheidet. Und dann begann ein Prozess, der mit Sicherheit noch andauert. Ich habe angefangen, in mich hineinzuhorchen. Was habe ich für Geschichten zu erzählen? Wie ist meine Erzählhaltung- und Weise? Und dann habe ich festgestellt, dass sie doch anders ist als die meiner deutschen Kollegen.
 
 
Wie ist denn Ihre Erzählhaltung? 
Ich stell immer wieder fest, dass ich manchmal zu laut und zu leidenschaftlich bin für das deutsche Kino. Und dass meine Geschichten manchmal zu emotional wirken. Ich habe diesen gewissen Mut zum Pathos und ich habe keine Angst vor großen Emotionen. Ich komme nun mal halb aus dem Balkan. Da erzählen wir gerne emotional und mit großen Gesten. Trotzdem versuche ich dem Pathos und seiner Klebrigkeit, von der es manchmal umgeben ist, immer eins auszuwischen, in dem ich absurde Momente einbaue. So würde ich meine filmische Handschrift beschreiben. Dazu kommt noch so etwas, was wohl die meisten Menschen mit Migrationshintergrund kennen.
 
 
Was meinen Sie damit? 
Eine unstillbare Sehnsucht. Eine Sehnsucht, die fast ein Loch hinterlässt. Dieses Loch kann man an guten Tagen besser stopfen und an schlechten frisst es einen innerlich fast auf. Weil man etwas hinter sich lassen musste. So etwas wie eine Heimat, die aber sehr nebulös ist. Gleichzeitig hat man eine neue Heimat gefunden und trotzdem verspürt man eine ganz große Sehnsucht irgendwo ankommen zu wollen, wo man aber vermutlich nie wirklich ankommen wird. Das ist aber auch ganz gut für mich, denn ich will noch viele, viele Filme erzählen. Und Filme bergen nun mal meistens eine ungestillte Sehnsucht in sich.
 
 
Apropos Filme. Mit Ihrem Kurzfilm „Silent River“ haben Sie weltweit über 80 Preise abgeräumt. Ihr neuer Film hat die Hofer Filmtage eröffnet. Wie präsentiert man sich und seine Filme so erfolgreich? 
 
Es gibt absolut kein Rezept für Erfolg. Jeder Film ist eine große Herausforderung und eine Bergwanderung für sich. Ich glaube, was meine Filme ausstrahlen ist diese Erzählwut, oder netter ausgedrückt: eine Erzählleidenschaft. Ich brenne wirklich für die Geschichten, die ich erzählen will. Ich brenne für die Geschichten, die gut sind und die berühren, weil sie so ehrlich sind. Ich glaube, das spürt sowohl ein interessiertes Publikum als auch ein Kritiker.
 
 
Seit 2012 sind Sie die erste Frau, die wieder einen Eröffnungsfilm präsentiert. Ist Filmemachen nach wie vor eine Männerdomäne? 
 
Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass Filmemachen noch nie eine reine Männerdomäne war. Wenn man sich die Filmgeschichte anschaut, dann gab es immer wieder große Erfolge von Frauen. Prozentuell gesehen, machen natürlich weniger Frauen Filme als Männer. Jetzt fällt es noch mehr auf, da wir anfangen, genauer hinzuschauen, was auch gut ist. Ich glaube aber ganz fest daran, dass es zu so etwas wie einer Gleichberechtigung im Filmgeschäft kommt. Es ist aber auch wichtig, anzuerkennen, dass Frauen ganz wunderbare Filme machen, aber Männer eben auch. Und dass wir uns gegenseitig brauchen. Ich habe nicht den Eindruck, unter meinen männlichen Kollegen zu leiden. Ich fühle mich auch nicht ausgegrenzt. Ich habe nämlich das Gefühl, dass uns viel mehr in diesem Beruf eint als trennt.
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Alina Juravel

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2018
16:19 Uhr

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Alina Juravel

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23. 10. 2018
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